Fussball

Kevin Kampl von RB Leipzig exklusiv: "Habe mich in Dortmund nicht richtig wohlgefühlt"

Von Dennis Melzer
Kevin Kampl wechselte 2017 von Bayer Leverkusen zu RB Leipzig.

RB Leipzig kämpft im Saisonendspurt um den Einzug in die Champions League. Am Montag wollen die Roten Bullen gegen den 1. FC Köln (ab 20.15 Uhr live auf DAZN) den nächsten wichtigen Schritt in Richtung Königsklasse machen. Im Vorfeld des Duells spricht RB-Mittelfeldmann Kevin Kampl mit SPOX und Goal über seine Karriere und die Ziele der ambitionierten Sachsen. Kampl verrät, von welchem Trainer er auf seinem Weg ganz besonders profitiert hat und nennt die Gründe für seinen Weggang aus Dortmund im Jahr 2015.

Außerdem erklärt der 29-Jährige, warum er vor seinem Wechsel nach Leipzig beinahe in China gelandet wäre und was seinen ehemaligen Salzburg-Teamkollegen Sadio Mane so besonders macht.

Kevin Kampl von RB Leipzig über ...

... die Personen, die den größten Einfluss auf seine Karriere hatten: "Meine Brüder haben mich anfangs täglich nach Leverkusen zum Training gefahren. Später, als meine Brüder keine Zeit mehr hatten, brachte mich meine Mutter nach der Arbeit zum Training. Sie hat nur deshalb sogar erst mit 50 Jahren den Führerschein gemacht. Ohne die Unterstützung meiner Familie hätte ich es niemals so weit gebracht."

... den Trainer, von dem er am meisten profitiert hat: "Am meisten profitiert habe ich von Roger Schmidt. Er wollte mich bereits verpflichten, als er noch Trainer beim SC Paderborn und ich noch Spieler beim VfL Osnabrück war. Der Wechsel scheiterte allerdings an der Ablösesumme. Kurz darauf zog es ihn zu Red Bull Salzburg und mich zum VfR Aalen. Ich stand lediglich zwei Monate bei Aalen unter Vertrag, ehe Roger Schmidt mich nach Salzburg holte. Dort hatte ich schließlich meinen Durchbruch."

... seinen Wechsel von Dortmund nach Leverkusen: "Ich habe mich in Dortmund nicht richtig wohlgefühlt, weil ich mein Spiel nicht so recht durchbringen konnte. Roger Schmidt hat das gemerkt und wusste ganz genau, dass ich unter ihm wieder meinen besten Fußball spielen könnte. Also bin ich über Umwege wieder zurück nach Leverkusen gewechselt, wo ich tatsächlich erst richtig in der Bundesliga Fuß gefasst habe."

Kevin Kampl von RB Leipzig im Steckbrief

geboren09. Oktober 1990 in Solingen
Größe1,78 m
Gewicht63 kg
Positionzentrales Mittelfeld
starker Fußrechts
StationenVfB Solingen Jugend, Bayer Leverkusen Jugend, Bayer Leverkusen, Greuther Fürth, VfL Osnabrück, VfR Aalen, RB Salzburg, Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen, RB Leipzig
Bundesligaspiele/-tore126/8

... die Gründe für seinen Weggang aus Leverkusen: "Der Abgang von Roger Schmidt hat dazu beigetragen, war aber nicht der Hauptgrund. Als er im Anschluss einen Trainerjob in China annahm, stand ich im Austausch mit ihm und wäre beinahe mitgegangen. Diesen Schritt hätte ich ausschließlich seinetwegen gemacht, weil ich ohne ihn nicht so weit gekommen wäre. Letztlich kam ein Wechsel nach China aber nicht zustande. Ein anderer Aspekt, warum ich Leverkusen dennoch verlassen habe, war der Wunsch, noch einmal etwas Neues zu wagen. Ich habe immerhin meine gesamte Jugendzeit in Leverkusen verbracht. Dann kam das Interesse aus Leipzig. Ich wusste, dass bei RB der Fußball gespielt wird, den ich am meisten mag und schätze. Deshalb war für mich schnell klar, dass ich diesen Wechsel machen möchte."

... die Rückrunden-Dominanz des FC Bayern: "Ich kann natürlich nicht für die anderen Mannschaften sprechen. Aber wir haben in der Rückrunde 13 Punkte weniger geholt als die Bayern. Wir haben Punkte liegengelassen, die wir in der Hinrunde noch gesammelt hätten. Außerdem muss man sagen, dass die Bayern sich gefestigt und Ruhe in die Mannschaft bekommen haben. Wenn die Münchner in guter Form sind, sieht man, wozu sie fähig sind."

... die abhandengekommene Heimstärke: "Das hängt mit vielen Dingen zusammen. Die Zwangspause, die uns fast 70 Tage fußballfreie Zeit beschert hat, war nicht einfach. Weil man seine Fitness beispielsweise auf eine andere, ungewohnte Art und Weise aufrechterhalten musste. Außerdem vermissen wir unsere Fans natürlich extrem. Beides soll nicht als Ausrede zählen, weil alle anderen Mannschaften auch mit dieser Thematik zu kämpfen hatten beziehungsweise haben. Jedes Spiel, das am Ende unentschieden ausging, hätten wir gewinnen können. Wir haben aber in manchen Fällen die entscheidenden Tore verpasst oder auf der anderen Seite zu einfache Tore kassiert, was letztlich dazu führte, dass wir zu viele Punkte liegengelassen haben. Das können wir jetzt allerdings nicht mehr rückgängig machen. Jetzt müssen wir alles daransetzen, unser Ziel, die Champions-League-Qualifikation, zu erreichen."

Kevin Kampl: Das war mein bester Mitspieler

... die Auswirkungen des engmaschigen Spielplans: "Es ist anstrengend, die Belastung ist extrem hoch. Wenn man sonntags in Mainz spielt und mittwochs bereits das nächste schwierige Spiel gegen einen Gegner ansteht, der drei Tage länger Pause hatte, ist das nicht einfach. Aber auch hier möchte ich klar sagen, dass diese Thematik nicht nur uns betrifft. Alle Mannschaften müssen diese Situation annehmen. Wir sind froh, dass wir überhaupt wieder spielen dürfen, während in anderen Ländern der Ball nach wie vor ruht."

... die Aussichten, einen Titel mit RB Leipzig zu holen: "Irgendwann einmal einen Titel zu holen, ist unser Ziel. Wir haben viele junge Spieler, die sich sehr gut entwickeln. Aber das Entwicklungspotenzial dieser Mannschaft ist noch nicht am Limit. Dennoch glaube ich, dass wir mit diesem Team imstande sind, mal einen Titel nach Leipzig zu holen. Wir spielen Fußball, um Titel zu gewinnen und nicht, um immer nur das Ziel zu haben, in der Bundesliga unter die ersten Vier zu kommen. Wir waren im vergangenen Jahr sehr nah dran, haben das DFB-Pokal-Finale aber leider verloren. Ich bin überzeugt, dass unser Kader extrem stark ist und wir uns eines Tages belohnen können."

... seinen besten Mitspieler: "Der beste Mitspieler war Sadio Mane in meiner Zeit bei Red Bull Salzburg. Er hatte einfach alles, das komplette Paket. Er war gut am Ball, unheimlich schnell - sowohl mit Ball am Fuß als auch ohne. Er war gefährlich vor dem Tor und hat tolle Pässe gespielt. Man hat damals schon gesehen, dass er einmal ein ganz Großer werden kann."

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