Fussball

Gladbach-Kapitän Lars Stindl im Interview: "Thomas Häßler hat mir eine andere Sichtweise aufgezeigt"

Von Michael Reis
Lars Stindl wechselte 2015 von Hannover nach Gladbach.

Das Ziel vor dem Wiederanpfiff ist klar: Kapitän Lars Stindl will mit Borussia Mönchengladbach unbedingt mindestens Platz vier in der Bundesliga verteidigen und so die Teilnahme an der Champions League eintüten. Bevor es gegen Eintracht Frankfurt am Samstag (18.30 Uhr im LIVE-TICKER) losgeht, verrät der Angreifer bei SPOX und Goal, wie er die Zwangspause erlebt hat, wer in der Jugend sein Idol war und was ihn besonders prägte.

Außerdem erklärt Stindl, welcher Mitspieler ihn im Laufe seiner Karriere am meisten beeindruckte und warum das Duell mit dem FC Barcelona in der Champions League einst so besonders war.

Herr Stindl, Sie gelten als traditionsbewusster und sich kritisch hinterfragender Profi-Fußballer. Welche Werte sind Ihnen als Mensch dabei besonders wichtig?

Lars Stindl: Generell immer die Menschlichkeit und das Vertrauen. Gerade in diesen Tagen aber vor allem auch die Solidarität in der Gemeinschaft und der Wohlfühlfaktor innerhalb der Familie.

Wer oder was hat Sie dahingehend besonders geprägt?

Stindl: Das waren meine Eltern und meine Großeltern. Dazu noch mein engster Freundeskreis, der mir bis heute zum Glück größtenteils erhalten geblieben ist. Für mich ist es extrem wichtig, dass in meinem Umfeld immer Menschen sind, auf die ich mich verlassen und mit denen ich abseits der Fußballwelt ein Privatleben haben kann.

Zu wem haben Sie damals außerhalb der Familie aufgeschaut oder schauen Sie noch auf?

Stindl: Es gab immer mal Personen, die mich auf meinem Weg begleitet haben, aber die größte Unterstützung hatte ich immer in der eigenen Familie.

Hat Sie eine Person aus dem Fußball besonders beeindruckt?

Stindl: Beeindruckt ist vielleicht nicht der richtige Ausdruck, aber Thomas "Icke" Häßler war zu meiner Jugendzeit beim Karlsruher SC ein echter Star im Verein. Der hat mich schon geprägt und mir eine andere Sichtweise auf den Fußball aufgezeigt. Insgesamt habe ich aber immer versucht, mir von allen, denen ich begegnet bin, etwas abzuschauen und viele Erfahrungen mitzunehmen.

Lars Stindl: "Icke Häßler hat mich geprägt"

Erinnern Sie sich an eine Situation in Ihrer frühen Karriere, in der Ihre gelebten Werte mit dem Profi-Fußball kollidiert sind?

Stindl: Nein, diese Situation gab es bei mir nicht. Ich habe nicht in einem Fußball-Internat gelebt, sondern lange bei meinen Eltern gewohnt und mein Abitur gemacht. Das war ihnen sehr wichtig. Insgesamt standen sowohl im Verein als auch in der Schule und im Umfeld immer Leute hinter mir, die eine vernünftige Sicht auf die Dinge hatten. Deshalb hat es bei mir recht gut mit der Entwicklung funktioniert.

Bräuchten junge Spieler dennoch eine Art Vormund, der sie auf die möglichen Gefahren im Profi-Fußball vorbereitet?

Stindl: Es könnte vielleicht hilfreich sein, wenn sich junge Spieler jemanden an die Seite nähmen, der sie in wichtigen Fragen vernünftig berät. Das Fußball-Geschäft ist nicht immer einfach. Viele Berater unterstützen ihre Spieler sehr gut und versuchen auch, sie in eine gewisse Selbstständigkeit zu führen. Aber es ist immer wichtig, dass man für Themen, in denen man sich nicht auskennt, einen richtigen Ansprechpartner an der Seite hat.

Benedikt Höwedes hat im SPOX-Interview erzählt, dass er sich heute für den Kauf eines getunten Autos schämt. Gibt es etwas aus ihren jungen Jahren als Profi, wofür Sie sich schämen?

Stindl: Das habe ich mich auch schon mal gefragt, aber etwas richtig Verrücktes, etwas, das ich heute bereue, war nicht dabei. Ich interessiere mich unter anderem auch für schöne Autos, bin aber generell glaube ich ein ganz normaler Mensch.

Inwieweit können und müssen Sie als Kapitän Einfluss auf Ihre jüngeren Mitspieler nehmen?

Stindl: Bei uns in der Mannschaft gibt es diese ausgeflippten Spielertypen gar nicht. Da wird schon bei den Transfers genau drauf geachtet, dass der Spieler nicht nur sportlich sondern vor allem auch menschlich zum Verein passt. Steffen Korell und Max Eberl haben dafür ein sehr gutes Gespür. Das Team schaut insgesamt über den Tellerrand hinaus. Wenn es mal angebracht sein sollte, dass etwas gesagt werden muss, übernehmen wir älteren Spieler das natürlich. Und gerade ich als Kapitän bin immer mit im Boot. Aber alles im Sinne der Mannschaft.

Lars Stindl: Tipps von Maik Franz

Welcher Ihrer Mitspieler hat Sie im Laufe Ihrer Karriere besonders mit seinem Verhalten beeindruckt?

Stindl: Beim KSC war das Maik Franz, der mir in der einen oder anderen Situation auf seine ganz eigene Art Tipps gegeben hat. Er war ein besonderer Fußballer, der immer alles zum Wohle der Mannschaft aus sich herausgeholt hat. Bei Hannover 96 war es dann Jan Schlaudraff, der immer ein offenes Ohr für mich hatte. Mit ihm habe ich heute noch guten Kontakt.

Und bei der Borussia?

Stindl: Wir haben in Raffael einen ganz besonderen Fußballer in unseren Reihen. Er hat sich dabei nie wichtiger genommen als die Mannschaft. Auch wenn er ein Brasilianer ist, ist er ein unglaublich ruhiger Zeitgenosse. Dazu ein unfassbar guter Fußballer. Alle sind froh, dass er mit uns zusammenspielt und das Team auf ein neues Niveau gehoben hat. Sein Ansehen ist bei allen außerordentlich gut.

Sie schwärmen sehr von Raffael. Ist er deshalb auch der beste Mitspieler, den sie je hatten?

Stindl: Ja, denn ich habe in den vergangenen Jahren so unfassbar von ihm profitiert. Er ist ein ganz besonderer Spieler und es macht unglaublich viel Spaß, mit ihm zusammen zu spielen. Gemeinsam haben wir glaube ich auch eine besondere Zeit bei der Borussia geprägt.

Gab es jemanden auf des Gegners Seite, der Ihnen besonders imponiert hat?

Stindl: Es war schon etwas ganz Besonderes gegen den FC Barcelona mit Top-Stars wie Lionel Messi, Andres Iniesta oder Neymar zu spielen. Insgesamt muss man sagen, dass in der Champions League richtig viele gute Spieler rumlaufen. Da gibt es nicht den einen Spieler, den ich herauspicken kann.

Welchen Ausgleich haben Sie zum Fußball?

Stindl: Ein klassisches Hobby habe ich nicht. Mit der Geburt unseres zweiten Kindes im Oktober genieße ich es noch mehr, Familienvater zu sein. Dazu haben wir noch einen Hund und die Zeit mit ihm im Wald ist ebenfalls oft sehr heilsam, weil man da einfach mal abschalten kann und an nichts Besonderes denken muss.

Lars Stindl: Leistungsdaten 2019/20

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