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Franca bei Bayer Leverkusen: Der Magier, der den FC Bayern zerlegte und dann in Japan seinen Frieden fand

Von Lukas Schranner
Franca spielte von 2002 bis 2005 bei Bayer Leverkusen.

Einst verzauberte er die Fans von Bayer Leverkusen, heute lebt er in einer einst fernen Kultur. Die rasante Geschichte des Brasilianers Franca.

In glanz-goldene Trikots getaucht war der große FC Bayern München an jenem Samstag im August 2004 nach Leverkusen gereist. 90 Bundesliga-Minuten später war von diesem erhobenen Glanz urplötzlich nichts mehr zu spüren, denn das eigentlich so auffällige Jersey des Rekordmeisters wurde von den tristen Mienen der Münchner Millionenkicker überschattet. Wie versteinert schlichen die FCB-Stars vom Feld, zu heftig war die Schmach an diesem lauen Mittsommernachmittag in der BayArena.

Ganz anders erging es indes der Mannschaft von Bayer Leverkusen: Die Werkself ließ sich nach Abpfiff von ihren Fans feiern, die Stimmung war ausgelassen. So als hätte man am 3. Bundesligaspieltag bereits den Meistertitel geholt. Mitten unter der feiernden Meute: ein frohlockender Brasilianer, der dem Leverkusener Anhang mit seiner sensationellen Performance das pure Lächeln erst ins Gesicht gezaubert hatte. Einer, der das Publikum schon im Vorjahr mit seiner Eleganz und seiner Magie begeisterte und von dem man sich noch viel mehr erhoffte.

Franca, mit bürgerlichem Namen Francoaldo Sena de Souza, hatte nämlich soeben dafür gesorgt, dass man die Roten von der Isar mit einem fulminanten 4:1 aus dem eigenen Stadion schoss. Und wie: Zunächst bediente der Brasilianer Sturmkollege Dimitar Berbatov mit einem sensationellen Pass in die Gasse, ehe er anschließend selbst zwei blitzsaubere Buden beisteuerte und auch am vierten Leverkusener Treffer beteiligt war. Ein irrer Nachmittag für den damals 28-Jährigen, dessen Qualitäten unbestritten waren.

"Er hat da ein sensationelles Tor gegen Oliver Kahn gemacht", erinnert sich der damalige Leverkusener Trainer Klaus Augenthaler im exklusiven Gespräch mit SPOX und Goal an den traumhaften Piken-Heber seines Ex-Schützlings zum zwischenzeitlichen 2:0. "Er war ein Schlitzohr, war technisch stark und war gedanklich schon immer weiter als alle anderen. Ein Künstler oder Zauberer mehr oder weniger", so Augenthaler weiter. Dieses Spiel stand symbolisch für den Mann, der am Höhepunkt seiner Karriere angekommen zu sein schien.

Jeder, dessen Herz in der Saison 2004/05 für Bayer 04 schlug, dachte nämlich spätestens seit jenem Samstag, dass der geniale Franca seine bärenstarke Vorsaison fortsetzen und nun sogar noch einen draufsetzen würde. Er sollte vorangehen, den Klub in die Champions League, ja wenn nicht sogar zum Meistertitel führen.

Franca bei Bayer Leverkusen: Der Rekordtransfer braucht Zeit

Der Mann mit den Geheimratsecken und dem lockigen Haar, der immer ein Grinsen im Gesicht zu haben schien, war im Juli 2002 mit immens hohen Erwartungen ins Rheinland geholt worden. Mit 26 Jahren hatte der Brasilianer in seinem Heimatland von sich reden gemacht und so auch das Interesse des Bundesligisten geweckt. Trickreich, flink und abschlussstark, so wurde er wahrgenommen. "Er war der absolute Wunschspieler von Klaus Toppmöller" erinnert sich der damalige Geschäftsführer Reiner Calmund auf Nachfrage von SPOX und Goal an den Transfer. Nachvollziehbar, denn das Empfehlungsschreiben Francas von 182 Toren in 327 Spielen für den FC Sao Paulo konnte sich sehen lassen.

Die Fans in Sao Paulo vergötterten Franca, er war es gewohnt, der Star zu sein. Leverkusen wollte ihn unbedingt und legte die damalige vereinsinterne Rekordsumme von 8,5 Millionen Euro auf den Tisch. Ein Wunschspieler, den man in Leverkusen am liebsten sofort als nicht-ersetzbaren Goalgetter gesehen hätte. Doch Franca brauchte Zeit. Zeit, um sich von der Tatsache erholen zu können, die WM 2002 aufgrund einer bitteren Verletzung verpasst zu haben. Und: Zeit, um sich an die Kultur, die Sprache, sein neues Umfeld um Trainer Klaus Toppmöller zu gewöhnen.

Franca: Leistungsdaten bei Bayer Leverkusen (2002-2005)

WettbewerbSpieleToreEinsätze
Bundesliga712115
Champions League1351
DFB-Pokal742
INSGESAMT913018

"Er war, soweit ich mich erinnere, nicht derjenige, der jeden Tag deutsch büffelte, um sich so verständigen zu können. Aber es ging letztendlich ja eher darum, was auf dem Platz passiert", so sein ehemaliger Teamkollege Jens Nowotny gegenüber SPOX und Goal. Doch auch auf dem Platz startete der hoch veranlagte Franca nicht sofort durch, Anlaufschwierigkeiten prägten seine gesamte erste Saison in der Bundesliga. Er galt als Sorgenkind und nach einer Weile auch schon als Fehlinvestition des Klubs.

Zudem waren die deutschen Trainingsbedingungen anfangs eine Qual für den Südamerikaner. "Als ich die ersten zehn Kilometer Waldlauf hinter mir hatte, dachte ich, es reißt mir die Lungen raus. Ich hatte keine Kraft mehr gegen den Ball zu treten", verriet er der Welt am Sonntag im Oktober 2003. Noch dazu warfen ihn Verletzungen in seiner Debütsaison aus der Bahn, nur ein einziger Treffer gelang ihm in 16 Spielen 2002/03. Franca war ein "typischer Brasilianer", wie Augenthaler ihn heute beschreibt. Heißt: Auch der Angreifer hatte hohe Ansprüche an sich selbst, war er doch als Rekordtransfer nach Leverkusen geholt worden. Schnell machten sich auch bei ihm Unzufriedenheit und Trotz bemerkbar. "Franca war nahe dran hinzuschmeißen", gestand der damals 27-Jährige, der von sich selbst immer in der dritten Person sprach, im WamS -Interview. An die etwas andere Gangart der Bundesliga musste sich der lebensfrohe Zauberer vom Zuckerhut schließlich erst noch anpassen. "Im Training haben sie mich teilweise angepflaumt wie einen Jugendspieler", so Franca über die zähe Anfangssaison.

Bayer Leverkusen: Franca blüht unter Klaus Augenthaler auf

Im Sommer 2003 flatterten zahlreiche Transferangebote in Leverkusen ein, Bayer 04 dachte ernsthaft über einen Verkauf nach, wie Reiner Calmund einst bestätigte. "Wir haben ernsthaft erwogen, eine Offerte anzunehmen", bestätigte der heute 71-Jährige im Jahr 2003. Doch man entschied sich schließlich dafür, Franca Zeit zu geben. Auch, weil ein Trainerwechsel ins Haus stand und Klaus Augenthaler auf den Brasilianer bauen wollte. Dem Ex-Nationalspieler gelang es schließlich, einen besonderen Draht zum nicht immer einfachen Franca aufzubauen. "Klaus hat es geschafft, dass Franca wieder Mut gefasst hat", sagte der Offensivspieler der Welt am Sonntag damals. Das neue Umfeld und auch der neue Trainer zeigten schnell Wirkung.

Nach der völlig verkorksten ersten Saison ging es für Franca so richtig bergauf. Er glänzte auf dem Platz sowohl als Torschütze als auch als Vorlagengeber. Zusammen mit seinem kongenialen Sturmpartner Dimitar Berbatov mischte er die Liga gewaltig auf. Franca gelangen 14 Tore und 13 Assists, Berbatov netzte sogar 16-mal ein. Leverkusen belegte auch dank des Duos in der Bundesliga Platz drei, nur die Bayern und Werder Bremen waren besser.

"Die beiden haben sich sehr gut ergänzt. Wir haben immer Spiele gewonnen, wenn beide gut nach hinten gearbeitet haben", beschreibt Augenthaler Franca und Berbatov, auch wenn "gegen vermeintlich kleinere Mannschaften oft vergessen wurde, dass es eine Mittellinie gibt." Der Bulgare Berbatov hatte Franca dabei eines voraus: "Wenn einer mal härter hingelangt hat, dann hat man von Franca immer weniger gesehen. Das habe ich bemängelt und immer wieder mit ihm besprochen. Berbatov hat das gelernt", gibt Augenthaler bei SPOX und Goal zu verstehen. Trotz seiner brasilianischen Charakterzüge war die Franca-Welt in bester Ordnung, er war Top-Scorer seines Teams und hatte sich nach einem Jahr nun in Deutschland eingelebt. So schien es zumindest.

Der Start in die darauffolgende Saison verlief vielversprechend, nach drei Saisonspielen stand Franca bereits bei drei Treffern und zwei Assists. Alles sollte wohl so kommen, wie es die Fans und Verantwortlichen sich erhofft und erwartet hatten. Doch der 28. August 2004 war die letzte große Gala von Franca. Nach dem Husarenritt gegen die Bayern fiel der damals 28-Jährige in ein tiefes Loch, sportlich und auch menschlich. In den verbleibenden 31 Bundesligaspielen kam Franca nur noch 19-mal zum Zug (drei Tore). Der vom 1. FC Köln neu gekommene Andrej Voronin hatte ihm den Rang abgelaufen und ihm den Platz an der Seite von Berbatov vor der Nase weggeschnappt. Meistens reichte es für Franca nur zu Kurzeinsätzen.

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