Fussball

Borussia Mönchengladbach: Profis verzichten wegen Corona-Krise auf Gehalt

SID
"Wollen etwas der Borussia zurückgeben": Die Gladbach-Profis um Patrick Herrmann und Breel Embolo verzichten auf einen Teil ihres Gehalts in Zeiten der Corona-Krise.

In Mönchengladbach verzichten erstmals Bundesliga-Profis freiwillig auf Gehalt, auch Kurzarbeit ist ein Thema. Andere Klubs könnten folgen.

Max Eberl machte aus seiner Erleichterung keinen Hehl. "Ich bin sehr stolz auf die Jungs. Wir stehen zusammen, in guten wie in schlechten Zeiten", sagte der Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach über einen in der Bundesliga-Geschichte einmaligen Schritt. Als erste Fußball-Profis der Liga verzichten die Gladbacher angesichts der Coronakrise freiwillig auf Gehalt, um ihrem Verein zu helfen. Andere Klubs könnten bald folgen.

Der Impuls sei aus der Mannschaft gekommen und nicht von ihm, betonte Eberl am Donnerstag. "Die Spieler wissen, was los ist, sie haben sich Gedanken gemacht. Die Mannschaft hat angeboten, auf Gehalt zu verzichten, wenn sie dem Klub und damit auch den Mitarbeitern helfen kann", sagte der 46-Jährige. Nach Angaben der Rheinischen Post spart die Borussia auf diese Art monatlich mehr als eine Million Euro.

Rein rechtlich ist kein Profi zu freiwilligen Einbußen verpflichtet, auch die Klubs dürfen Gehälter nicht kürzen. In Zeiten ausbleibender TV-Gelder, fehlender Zuschauereinnahmen und Sponsoren mit eigenen Sorgen geht es daher vielen Klubs ans Eingemachte. Gladbach erlebe "die schwierigste Situation seit 1999", sagte Geschäftsführer Stephan Schippers. Damals war der fünfmalige Meister erstmals in die 2. Bundesliga abgestiegen und auch finanziell schwer angeschlagen.

Auch bei anderen Klubs ist die Frage nach einem Gehaltsverzicht in Krisenzeiten längst kein Tabu mehr. Borussia Dortmund, die TSG Hoffenheim, Werder Bremen und Mainz 05 wollen das Thema intern besprechen. "Die Bereitschaft, auf Gelder zu verzichten, ist definitiv da. Wir wollen da was tun, da ist jeder Spieler bereit dazu", sagte der Mainzer Sportvorstand Rouven Schröder.

Gehaltsverzicht: Zahlreiche Klubs deuteten Gespräche an

Je nach Klub werden die gesparten Summen naturgemäß höchst unterschiedlich ausfallen. Beim Zweitligisten Karlsruher SC würden die Profis etwa auf zehn Prozent verzichten, berichtete das Nachrichtenportal "t-online.de". Augsburgs Sportchef Stefan Reuter sagte bei Sky Sport News HD, ein Verzicht dürfe "kein No-Go" sein. Und: Auch Bundestrainer Joachim Löw und Oliver Bierhoff hätten einen Verzicht "angedeutet", sagte DFB-Präsident Fritz Keller.

Bei der Borussia schloss sich der Stab um Cheftrainer Marco Rose dem Verzicht ebenfalls an, auch die Funktionäre zogen nach. Doch nicht nur das: Auch eine Inanspruchnahme der Kurzarbeit sei nicht ausgeschlossen. "Wir sind dabei, das zu prüfen", sagte Schippers. Ziel sei es, den Verein ohne betriebsbedingte Kündigungen durch die Krise zu bringen.

Helfen sollen dabei auch die Fans. In der vergangenen Woche hatte die Borussia gegen den 1. FC Köln (2:1) das erste Geisterspiel der Liga-Geschichte bestritten, der Verlust lag bei etwa zwei Millionen Euro. Jeder Ticketinhaber habe das Recht auf eine Erstattung, betonte Schippers: "Aber ich sage es ganz offen: Jeder Euro, den wir nicht zurückerstatten müssen, wird uns helfen. Wer verzichten möchte, dem sagen wir von Herzen Danke!"

Noch größer wiegt aber der Verzicht der Profis. Im Geschäftsjahr 2018 lagen die Personalkosten laut Gladbachs Geschäftsbericht bei 82,9 Millionen Euro. Um diese Kosten zu decken, hoffen alle Klubs auf eine baldige Wiederaufnahme des Spielbetriebs, notfalls mit Geisterspielen. Nur diese würden das wirtschaftliche Überleben vieler Vereine ermöglichen, sagte Schippers. Auch sein eigener Verein müsse aufpassen, betonte der Finanzchef: "Ziel ist es, dass Borussia Mönchengladbach diese Krise übersteht."

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