Fussball

Amadou Haidaras Situation bei RB Leipzig: Der Königstransfer macht es gar nicht gut

Von Max Schrader
Amadou Haidara hat bei RB Leipzig noch nicht richtig Fuß gefasst.

Für knapp 20 Millionen Euro sicherte sich RB Leipzig Anfang des Jahres die Dienste von Amadou Haidara. Doch der designierte Keita-Nachfolger hinkt den Ansprüchen noch weit hinterher. Der traurige Tiefpunkt war jetzt der Auftritt bei der 0:2-Niederlage von RB gegen Lyon in der Champions League.

Es war die 58. Spielminute, als Stadionsprecher Tim Thoelke die Auswechslung der Nummer 8 bekannt gab. Amadou Haidara wurde von Trainer Julian Nagelsmann frühzeitig zum Duschen geschickt. Der Grund war simpel: eine äußerst schwache Vorstellung (SPOX-Note 5,5).

Zwölf Ballverluste, eine Zweikampfquote von lediglich 28,6 Prozent und wildes Umhergerenne ohne jegliche Kreativität, die für einen Sechser von enormer Wichtigkeit ist.

Nagelsmann fasste die Leistung des 21-Jährigen trotzdem so zusammen: "Er hat das grundsätzlich gut gemacht." Was Haidara denn genau gut gemacht hätte, konnte er aber nicht beantworten. Es war nicht das erste Mal, dass der malische Nationalspieler eine Chance nicht nutzte. Bereits am vergangenen Samstag bei der Pleite gegen Schalke war es Haidara, der den - sehr strittigen - Elfmeter verursachte und insgesamt eine unglückliche Figur abgab.

Unglücklich war bereits sein Start in das RB-Abenteuer 2.0. Vom Salzburger Schwesterklub kommend fiel der gefeierte Königstransfer nach seinem Wechsel im Winter bis zum 26. Spieltag aufgrund einer Kreuzbandverletzung aus. Es war ein schwieriger Beginn für einen Mann, der bei Red Bull Salzburg vor allem in der starken Europa-League-Saison 2017/2018 aufgefallen war und nicht nur deshalb von halb Europa gejagt worden war. Doch er blieb im Hause RB. Als ausgemachter Nachfolger des zum FC Liverpool abgewanderten Naby Keita sollte Haidara in Leipzig das RB-typische Powerspiel wieder ankurbeln.

Haidara über Keita: "Vergleiche mit ihm finde ich nicht gerecht"

Obwohl es in puncto Zweikampfverhalten einige Parallelen zwischen den beiden Spielern gibt, lässt sich er sich nur ungern mit Keita vergleichen. "Naby ist ein toller Spieler. Er hat seinen Weg gemacht, ich mache meinen. Vergleiche mit ihm finde ich nicht gerecht", sagte Haidara im April der Sport Bild und ergänzte: "Ich denke, dass ich hier meinen Weg gehen und groß rauskommen werde."

Diesem Ziel hinkt der zentrale Mittelfeldspieler aber noch weit hinterher. Und das, obwohl seine ersten Pflichtspiele im RB-Dress noch sehr vielversprechend wirkten: Geprägt von Spielwitz, dynamisch und vor allem laufstark. Also doch eine Art Mini-Keita. Sein bestes Spiel machte er wohl im März beim 5:0-Sieg gegen Hertha BSC. Übrigens nur eines von drei Spielen, die er über die vollen 90 Minuten absolvierte. Im Anschluss kristallisierte sich allerdings seine große Schwäche immer mehr heraus: das Positionsspiel.

Bereits am darauffolgenden Spieltag gegen Leverkusen musste er nach der ersten Hälfte raus, weil dem damaligen Trainer Ralf Rangnick eben jenes Positionsspiel nicht passte. Er sei zu weit nach innen gerückt, sodass auf den Außenbahnen ein zu großes Loch entstanden sei, hieß es. An den grundsätzlichen Fähigkeiten des Winter-Neuzugangs gab es aber weiter keine Zweifel. Auch Rangnick wusste um die großen Qualitäten des Ex-Salzburgers. "Wenn er gesund bleibt, kann er nächstes Jahr eine der Figuren der Bundesliga werden", wagte der Trainer von RB Leipzig in der Sport Bild einen Blick nach vorn. "Er hat enormes Potenzial."

Haidara bei RasenBallsport: eine bislang verkorkste Saison

WettbewerbSpieleToreVorlageEinsatzminuten
Bundesliga2-1144
Champions League2--51
DFB-Pokal1--35
Insgesamt 19/20:5-1230'

Auch Nagelsmann war zu Saisonbeginn voll des Lobes: "Er ist ein wichtiger Spieler für uns, den ich immer sehr gerne habe spielen sehen." Noch sieht man von Haidaras immensen Potenzial aber wenig. Durch seinen Einsatz beim Afrika Cup verpasste er auch noch die ersten beiden Partien der Saison - der Start war bereits schleppend. Dazu machte das Überangebot im zentralen Mittelfeld seine Rückkehr auch nicht zwingend notwendig, denn mit Kevin Kampl, Diego Demme, Neuzugang Christopher Nkunku, Konrad Laimer und dem offensiveren Emil Forsberg hatte Nagelsmann genug Optionen.

Nach der Niederlage gegen Lyon sprach der Trainer nun zwar über die "gute Dynamik" des Mittelfeldspielers, ergänzte aber später, dass nun auch - wie bei anderen Spielern - der "nächste Schritt" notwendig sei. Wie schon Vorgänger Rangnick bemängelte Nagelsmann Haidaras Positionsspiel, das "alleine schon mit Kommunikation zu lösen" sei. Laut Nagelsmann sollen die Spieler bestimmte Zonen auf dem Feld besetzen, um dann einen möglichst reibungsfreien Spielfluss zu ermöglichen. Je genauer man passt, desto dominanter kann das Team auftreten. Wenn ein Haidara dann zu wild umherläuft, wird es schwierig, dieses aufzubauen.

Nach den vielversprechenden Debüt-Wochen wird es für Haidara nun Zeit, wieder zur alten Stärke zurückzukehren. Mit Nagelsmann hat er einen Förderer, der ihn mit Spielpraxis aufbauen will. Doch auch seine Geduld ist nicht ewig. Momentan konnte Haidara noch die Verletzungspause von Kampl, der normalerweise gesetzt ist, ausnutzen. Doch mit weiteren schwachen Leistungen wird es schwer, sich für weitere Einsätze zu empfehlen. Auch wenn Nagelsmann ihn schützt, ist klar: Aktuell macht es der Königstransfer gar nicht gut.

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