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Fussball

Pep oder Pal

Pep Guardiola wird den FC Bayern nach drei Jahren zum Saisonende verlassen
© getty

Der FC Bayern hätte Pep Guardiola gerne als Trainer behalten. Sein Abschied wird den Verein trotzdem nicht in Turbulenzen stürzen. Der Katalane hinterlässt ein gewaltiges Erbe und eine herausragende Mannschaft. Die Bewertung seiner Arbeit wird aber auch vom Ausgang seines letzten Halbjahres abhängen.

Nennen wir es kurios, was sich rund um den Sonntagmittag beim FC Bayern abspielte. Dass Pep Guardiola den FC Bayern nach Saisonende verlassen wird, kam nicht mehr überraschend. Dass die Bayern an ihrem vor Monaten ausgegebenen Zeitplan festhielten und die Entscheidung nach dem letzten Hinrundenspiel verkündeten, auch nicht. Dass der Klub in Person von Karl-Heinz Rummenigge aber den Weg über die Bild suchte und erst eine halbe Stunde später eine Pressemitteilung verschickte, wirkte dann doch befremdlich.

Mehr kann man dem FC Bayern in der Causa Guardiola aber nicht vorwerfen. Er ist nicht vorgeführt worden vom Katalanen, wie das von einigen behauptet wurde. Und er hat sich auch nicht in eine Abhängigkeit von Guardiola begeben. Die Bayern konnten am Sonntag mit Carlo Ancelotti gleich einen hochqualifizierten Nachfolger präsentieren. Das zeigt, wie sich der Noch-Trainer Guardiola und der Verein über die letzten Wochen verständigt haben - dem ganzen Geraune zum Trotz.

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Wie bei Helmut Schmidt

Ancelotti ist eine starke Lösung, ein Trainer von Weltformat mit Titelgarantie. Aber Fakt ist auch: Die Bayern hätten gerne mit Guardiola verlängert, das haben Verantwortliche und Spieler öffentlich deutlich betont. Alles andere hätte auch kaum Sinn ergeben.

Die Mannschaft funktioniert. So gut wie vielleicht noch nie in der Geschichte des FC Bayern. Guardiola hat in München ein Team geformt, das taktisch und individuell international seinesgleichen sucht. Er hat das Team eine unglaubliche Flexibilität gelehrt und teilweise Lösungen entwickelt, die andere für undenkbar hielten. Die Anpassungsfähigkeit hat mit Guardiola eine neue Qualität erreicht. Kritiker legten ihm diese Akribie in der Gegneranalyse als Verrat am Mia san Mia aus.

Guardiola hat Spieler wie Jerome Boateng und David Alaba auf ein neues Level gehoben und selbst einen erfahren Mann wie Philipp Lahm noch einmal neu erfunden. Er hat Spieler auf Positionen gestellt, von denen sie bis dahin selbst nicht wussten, dass sie dort spielen können. Kritiker hielten dagegen, er verwirre die Spieler mit seinen ständigen Umstellungen nur.

Das zeigt das Dilemma, das Guardiola in München erlebt. Es ist ein bisschen wie bei diesem Politikerwitz aus den 70er Jahren mit Helmut Schmidt, der übers Wasser schreitet und am nächsten Tag in der Zeitung lesen muss: "Schmidt kann nicht schwimmen."

Guardiola hat Bayern besser gemacht

Guardiola hat den FC Bayern aus sportlicher Sicht weiterentwickelt und die unter Louis van Gaal und Jupp Heynckes gelegte Basis für eine in Deutschland revolutionäre Spielweise und noch nie dagewesene Dominanz genutzt. Er wird eine noch bessere Mannschaft an Ancelotti übergeben, als er sie selbst von Heynckes geerbt hat.

Der FC Bayern hat in vielerlei Hinsicht vom Engagement Guardiolas profitiert. Mit seiner Strahlkraft als weltbester Trainer hat er den einen oder anderen Spieler nach München gelockt. Der Verein hat durch die Verpflichtung als Marke im Zuge der Internationalisierung zugelegt. Es gibt im Weltfußball aktuell die Kategorie FC Bayern, FC Barcelona und Real Madrid - dahinter kommt der Rest.

Trotzdem hat sich Guardiola für einen Abschied entschieden. Das ist aus Sicht des Klubs schade, aber keine Tragödie. Es sagt auch viel über Guardiola aus, der wohlwissend für drei Jahre unterschrieben hat und nach Ablauf dieser Zeit weiterzieht. Die Spieler sind dennoch von einer rosigen Zukunft in München überzeugt. Das belegen auch die vier Vertragsverlängerungen vom Freitag.

Heynckes oder Csernai?

Guardiolas Pech war es, dass er in einer Phase zum FC Bayern kam, als sich das Triple gerade als gut genug erwies. Er hat das mehrmals erklärt - und akzeptiert. Ebenso die Tatsache, dass in großen Klubs die Anzahl und die Qualität der Titel die allgemeine Bewertung der Arbeit in der Retrospektive beeinflussen. Mit dem Gewinn der Champions League würde er seine Zeit in München veredeln, ohne Henkelpott würde seine Trophäenbilanz schon fast als normal eingestuft.

So ist das beim FC Bayern, wo Europapokalgewinner Tschik Cajkovski, Udo Lattek, Dettmar Cramer, Ottmar Hitzfeld und Jupp Heynckes über allen stehen. Für einen Pal Csernai ist in dieser Kategorie zum Beispiel kein Platz. Dabei hat er den Klub Ende der 70er Jahre in die Moderne überführt und mit dem sogenannten "Pal-System" die Raumdeckung eingeführt.

Aber er hat das Europapokalfinale 1982 gegen Aston Villa verloren und wurde im Jahr darauf entlassen. Dieses Schicksal einer frühzeitigen Trennung wird Guardiola erspart bleiben. Und er hat ja noch ein halbes Jahr, um sich in München mit dem größtmöglichen Erfolg zu verabschieden.

Pep Guardiola im Steckbrief

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