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Fussball

"Verstehe Erwartungshaltung nicht"

Von Adrian Franke
Michael Frontzeck hält bei Hannover 96 den Ball flach
© getty

Der Saisonstart von Hannover 96 verlief durchwachsen, gegen Aufsteiger Darmstadt 98 sowie gegen Bayer Leverkusen gab es insgesamt nur einen Punkt. Trainer Michael Frontzeck, der nach dem Klassenerhalt im Vorjahr mit einem neuen Vertrag belohnt wurde, mahnt jetzt zu einer geringeren Erwartungshaltung - und hatte ein Versprechen an die Fans parat.

"Wir haben elf Spieler abgegeben, sieben dazu genommen. Wir haben zwölf Millionen Euro investiert, höre ich immer. Wir haben aber eben auch Spieler abgegeben und dafür 13 Millionen eingenommen. Wir haben einen Kader zusammengestellt, der eine Perspektive hat, der aber Zeit braucht. Hier herrschen eine Grundstimmung und Erwartungshaltung, die ich nicht nachvollziehen kann", so Frontzeck in der Hannoverschen Allgemeinen.

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Schließlich ging es in den vergangenen beiden Jahren konstant gegen den Abstieg und Frontzeck hatte mit seiner Rolle als Feuerwehrmann seinen Anteil am Klassenerhalt, wenngleich er zugab: "Beim ersten Gespräch fühlte es sich komisch an, nur einen Vertrag für fünf Spiele zu bekommen. Es war kein rationaler Entschluss, es kam aus dem Bauch heraus. Ich habe mir dann gesagt: Komm, das machst du, da springst du rein. Die fünf Wochen waren das Extremste und Intensivste, was ich in 34 Profijahren erlebt habe."

Aber trotz allem habe er "keine Sekunde daran gedacht, dass das schiefgehen könnte. Aber du wusstest immer: Du darfst keinen Fehler machen. Und alle Trainer machen Fehler. Auch wenn du bei manchen glaubst, dass sie fehlerfrei durchs Leben gehen."

Frontzeck will "Respekt"

Dennoch erwarte er nur eine Sache grundsätzlich: "Respekt. Trainer werden oft respektlos behandelt in Deutschland." Frontzeck hat diese Erfahrung auch persönlich gemacht, nach seiner Entlassung bei Borussia Mönchengladbach rettete Lucien Favre die Fohlen - und erklärte anschließend wiederholt, dass der Klassenerhalt mit der Mannschaft ein Wunder sei.

"Das muss jeder für sich entscheiden, wie solidarisch er gegenüber seinem Vorgänger ist", erklärte der 96-Coach und führte über Favre weiter aus: "Er macht tolle Arbeit, bis heute. Aber ein Wunder ist es, wenn einer übers Wasser gehen kann. Und ganz unabhängig von Lucien Favre: Der eine oder andere in unserer Branche meint das ganz bestimmt von sich."

Ungeduld "schädlich für den Fußball"

Auf der anderen Seite müssen Trainer im Fußball aber auch immer mehr in immer kürzerer Zeit erreichen: "Aus fünf Jahren sind heute fünf Monate geworden, und das ist schädlich für den Fußball. Denn dieselben Leute, die einem fünf Monate Zeit geben, reden gleichzeitig von Entwicklung und Philosophie. Wie soll das in fünf Monaten gehen?"

Daher verstehe er sogar die Trainer, "die in Erfolgszeiten mittlerweile ihr Ego über die Mannschaft stellen, um Eigenwerbung zu betreiben. Ich befürchte, das wird in den nächsten Jahren noch schlimmer werden. Ich kann das wirklich verstehen, weil sie ja auch die Ersten sind, die auf die Schnauze kriegen, wenn es nicht läuft. Aber meins ist es nicht. Es wäre komplett gegen meine Überzeugung und die Auffassung von diesem Beruf Trainer."

Für die leidgeprüften 96-Fans hatte Frontzeck abschließend aber noch ein Versprechen parat - gepaart mit einer Forderung: "Dass da eine junge Mannschaft ist, die alles auf dem Platz lässt, die alles abruft. Wir werden unseren Weg weitergehen, von der grundsätzlichen Ausrichtung keinen Millimeter abrücken. Wenn die Mannschaft die notwendige Zeit nicht bekommt, wird es allerdings noch komplizierter."

Michael Frontzeck im Steckbrief

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