In der Mitte kneift die Hose

Noch läuft nicht alles rund bei den Bayern - die Pleite gegen den VfL zeigte das deutlich
© getty

Der FC Bayern München verliert zum dritten Mal in Folge das Finale des Supercups. Nach dem 6:5 nach Elfmeterschießen hadern die Münchner vor allem mit der Chancenverwertung. Dabei gibt ein anderes Problem viel mehr Grund zur Sorge.

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Ob Thomas Müller, Jerome Boateng oder Arjen Robben - in einem Punkt waren sich auf Seiten des FC Bayern nach dem Spiel alle einig: Die Partie gegen den VfL Wolfsburg habe man in den ersten 90 Minuten längst entscheiden müssen. Die Chancen dazu waren da. Allerdings scheiterten die Bayern nicht an einem überragenden Torwart oder an Weltklasse-Tacklings der Wolfsburger-Verteidiger, sondern vielmehr an der eigenen Ausführung der Angriffe.

Ein einziges Mal schoss der Rekordmeister gegen Wolfsburg auf das Tor, beim Treffer zum 1:0 durch Robben. Abgesehen von Boatengs Pfostentreffer zu Beginn des Spiels standen sich die FCB-Profis beim Ausspielen Ihrer Torchancen zu oft selber im Weg.

Douglas Costa suchte in der 26. Minute den Doppelpass mit Robert Lewandowski, statt selber zu schießen. Philipp Lahm verpasste in der 82. Minute mehrere ausgezeichnete Anspielmöglichkeiten und leitete mit seinem ungenauen Zuspiel stattdessen einen Wolfsburger Konter ein.

Wolfsburg hat die besseren Chancen

Anders der VfL. Der amtierende Pokalsieger schoss alleine in der zweiten Hälfte sechs Mal auf das Tor von Manuel Neuer, der mehrfach gut hielt. Die Angriffe der Wölfe waren insgesamt deutlich besser zu Ende gespielt als die der Bayern. Wolfsburg hätte der Partie ebenso bereits während der regulären Spielzeit eine andere Wendung geben können.

Die vielen guten Gelegenheiten der Gastgeber und vor allem deren Entstehung geben Pep Guardiola deutlich mehr Grund zur Sorge als die mangelnde Chancenverwertung seiner Elf. Zwar gelang es dem FCB-Trainer, die Schwächen bei Wolfsburger Kontern über die Flügel, die den Münchnern in den vergangenen Partien große Schwierigkeiten bereit hatten, abzustellen, indem er Lahm und David Alaba sehr hoch im Mittelfeld postierte. Die Abstimmungs- und Stellungs-Probleme seiner Innenverteidigung wurden dabei aber umso deutlicher.

Boateng patzt ungewohnt

Gerade Boateng, sonst konstantestes Glied im Abwehrverbund der Bayern, verschätzte sich mehrfach oder verlor seinen Gegenspieler im Rücken. Die Kopfball-Chance von Perisic in der ersten Halbzeit geht genauso auf seine Kappe wie Dosts Hundertprozentige und das 1:1. Auch Benatia stand mehrfach falsch oder ließ seinen Gegenspieler ziehen. De Bruyne kam so zur besten Gelegenheit der ersten Hälfte.

Die Fehlerkette begann allerdings schon eine Reihe weiter vorne. Xabi Alonso bekam das umtriebige Mittelfeld der Gäste als alleiniger Sechser zu keiner Zeit wirklich unter Kontrolle. Immer wieder waren Boateng oder Benatia gezwungen, rauszurücken, um die ins Zentrum ziehenden Vieirinha, Perisic oder den omnipräsenten Kevin De Bruyne abzufangen. Guardiola stellte nach der Partie fest, dass der Routinier genau wie Boateng "zu langsam nach hinten gearbeitet" habe.

Die Lösung schafft ein neues Problem

Schuld daran war auch Guardiolas taktischer Kniff der sehr hochstehenden Außenverteidiger. Lahm und Alaba banden Perisic und Caligiuri zwar tief in deren eigener Hälfte, fehlten Xabi Alonso dann aber als Unterstützung im Zentrum, wenn Wolfsburg schnell durch die Mitte kam. Das Problem der Anfälligkeit über die Außen, das Bayern in der vergangenen Saison gegen stark flügelorientiert spielende Mannschaften wie Wolfsburg oder Gladbach hatte, bekam der Rekordmeister so zwar in den Griff, es ermöglicht dem Gegner aber auch, Überzahl vor dem Sechzehnmeterraum des FCB zu schaffen.

Wolfsburg lernte das am Samstagabend schnell, stellte um und kam so nach 20 Minuten wesentlich besser in die Partie und zu guten Chancen. Insgesamt wirkte die Spielanlage des Teams von Dieter Hecking reifer und zielorientierter als die der Bayern. Der Meister hatte mehr Ballbesitz und spielte mehr Pässe, die klareren Gelegenheiten aber hatte der Gastgeber.

Verwunderlich ist das aber nicht wirklich: Während Wolfsburg bis auf Benaglio mit genau der Mannschaft auflief, die auch in der vergangenen Saison einen Großteil der Spiele absolvierte, musste Guardiola einen Neuzugang und Spieler wie Alaba und Robben integrieren, die nach langen Verletzungen wieder in das Team zurückgekehrt sind. Eine Woche bleibt ihm dafür noch bis zum Pokal-Spiel in Nöttingen, eine weitere bis zum Saisonauftakt gegen den Hamburger SV. Dann muss die Hose sitzen. Auch in der Mitte.

VfL Wolfsburg - Bayern München: Alle Daten zum Spiel

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