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Fussball

Entertainment nur auf dem Platz

Douglas Costa (M.) konnte in der Vorbereitung des FC Bayern überzeugen
© getty

Pep Guardiola baute im Supercup gegen den VfL Wolfsburg auf Neuzugang Douglas Costa. Der Brasilianer hat eine wichtige Lücke im System geschlossen - und macht zusätzlich seine Mitspieler besser.

Seit mittlerweile elf Jahren ist Mircea Lucescu Trainer von Schachtjor Donezk. In dieser Zeit führte er den ukrainischen Klub mit eiserner Hand zu acht Meisterschaften, fünf Pokalsiegen und dem Europa-League-Titel 2009. Für Lucescu sind Erfolg und Disziplin untrennbar miteinander verbunden, nur wer eifrig ist und sich nicht ablenken lässt, hat eine Chance.

"Wer bei mir über die Stränge schlägt, ist schneller draußen als er gucken kann", sagte er einmal.

Es ist bemerkenswert, dass es Lucescu von Jahr zu Jahr aufs Neue gelingt, die überproportionale Anzahl von Brasilianern im Kader zu schleifen. Tanzen in der Kabine ist bei Lucescu ebenso verpönt und verboten wie Musik hören auf dem Kopfhörer oder Gesänge mit Ghettoblaster auf der Schulter.

Costa will nicht singen

Auch Douglas Costa hat das alles ertragen. Sechs Jahre lang. Die Brasilianer bei seinem neuem Klub machen dagegen gerne mal einen Ausflug ins Entertainment.

Dante hüpft nach jedem gewonnenen Titel des FC Bayern laut trällernd durch die Katakomben und es gibt kaum einen besseren Louis-Armstrong-Imitator als Rafinha, der unbedingt eine Band gründen will. Mit Dante, Thiago und Costa.

"Jeder Brasilianer macht Musik. Dante spielt Ukulele, ich mache den Rhythmus. Douglas wird dann wohl singen", sagte Rafinha derBild.

Doch der Drill aus Donzek färbt noch etwas ab. Costa will sich erstmal auf seinen Job beim FC Bayern konzentrieren. "Singen können wir später. Ich muss hier erstmal zurechtkommen, den Verein, die Mannschaft und die Kultur in Deutschland kennenlernen und gut Fußball spielen", sagte Costa.

Gala gegen Valencia

Das ist dem 24-Jährigen bislang ordentlich gelungen. Costa war der Lichtblick der Asienreise, vor allem sein Auftritt beim 4:1 gegen den FC Valencia hinterließ nachhaltig Eindruck.

"Er ist sehr stark im Eins-gegen-eins und schnell. Wahnsinnig schnell. Das macht es für die Gegenspieler sehr schwierig, ihn zu kontrollieren", schwärmte Thomas Müller und Kapitän Philipp Lahm bewunderte Costas Leichtfüßigkeit.

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Costa bringt die Qualitäten mit, die den FC Bayern in den letzten Jahren stark gemacht haben: rasantes Flügelspiel über beide Seiten. Funktioniert hat dies aber nur, wenn Franck Ribery und Arjen Robben funktioniert haben.

Weil beide in jüngerer Vergangenheit vermehrt mit Verletzungen zu kämpfen haben, ging den Münchner ein wichtiges Element flöten.

Extraschuss Spritzigkeit

"Der FC Bayern war immer am besten mit Robben und Ribéry. Ohne Franck und Arjen hatten wir Probleme im Eins-gegen-eins. Deshalb haben wir uns so um Douglas bemüht. Außerdem bringt er Erfahrung mit. Obwohl er erst 24 ist, hat er schon viele Jahre Champions League gespielt, manchmal bis zum Achtel- oder Viertelfinale", sagte Pep Guardiola.

Costa kann dank seiner Schnelligkeit und seiner Technik defensive Systeme der Gegner aufbrechen. Er zieht wie Ribery und Robben über die Seite in den Strafraum, sucht dann aber im Gegensatz zu Robben häufiger den freien Mann und weniger den eigenen Abschluss.

Gegen Valencia wurde er permanent aus der Zentrale von Lahm und Xabi Alonso gesucht und leitete anschließend viele gefährliche Angriffe ein. "Douglas gibt uns einen Extraschuss Spritzigkeit", sagte Müller.

Müller und Lewy profitieren

Müller und Robert Lewandowski könnten besonders von Costa profitieren. Müller musste sich in der letzten Saison in Abwesenheit von Ribery und Robben oft vergeblich in Eins-gegen-eins-Duellen versuchen.

Mit Costa haben die Münchner wieder einen Spieler, der chirurgisch genaue Pässe von den Seiten vors Tor bringt und Müller bzw. Lewandowski so ihre Stärken beim Abschluss im Strafraum ausspielen können.

Auch Guardiola hat bereits verlauten lassen, dass "Thomas und Robert besser sind mit Douglas."

Doch so gut wie Ronaldinho?

Im Duell um den deutschen Supercup gegen den VfL Wolfsburg stand Costa, der als 18-Jähriger von Sir Alex Ferguson als "bester junger Spieler Südamerikas" bezeichnet wurde, in der Startelf und auch zum Bundesligastart wird er die Nase auf den Flügeln vorne haben. Denn Ribery ist noch immer nicht zurück im Mannschaftstraining.

In seiner Heimat bekam Costa einst den Beinamen "neuer Ronaldinho" verliehen. In Brasilien haben sie immer noch Hoffnung, dass Costa mal so gut wird wie der Weltmeister von 2002. In Sachen Disziplin dürfte er schon jetzt vorne liegen. Dafür hat Mircea Lucescu gesorgt.

Douglas Costa im Steckbrief

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