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Fussball

Die Rückkehr zum Förderer

Von Ole Frerks
Ein "Pokälchen" hat Jacques Zoua mit dem HSV schon geholt, den Nordcup
© getty

Mit Jacques Zoua hat der Hamburger SV im Sommer einen Spieler verpflichtet, der bei vielen Fans auf Skepsis stößt. Ein Tor in 24 Spielen war ihm in der letzten Saison gelungen, nicht unbedingt die beste Bewerbung für einen Stürmer. Doch der Kameruner gibt sich kämpferisch und will seine Chance nutzen - zumal er in Hamburg einen alten Bekannten an seiner Seite weiß.

Wer mit 19 Jahren seine erste Chance bei den Profis erhält und in der Folge immer häufiger eingesetzt wird, der baut fast automatisch ein besonderes Verhältnis zu dem Trainer auf, der ihn in dieser Zeit begleitet. Vor allem, wenn es nach dem Abgang dieses Trainers auf einmal weniger gut läuft.

Jacques Zoua hat genau das erlebt und sich jetzt für einen Wechsel zum HSV entschieden, um unter seinem einstigen Förderer Thorsten Fink von Neuem anzugreifen. Doch nach dem Abgang von Heung-Min Son hat er große Fußstapfen zu füllen.

Thorsten Fink verabschiedete sich im Oktober 2011 vom FC Basel, um beim Hamburger SV eine neue Herausforderung zu suchen. In der Schweiz hatte er als Trainer alles erreicht, was man erreichen kann: Zwei Meisterschaften (2010, 2011) sowie den Pokal im Jahr 2010, außerdem konnte seine Truppe in der Champions League 2011 sogar bis ins Achtelfinale vordringen.

Profidebüt unter Fink

Zu seinen Schützlingen gehörte unter anderem der junge Kameruner Jacques Zoua, dem er bei der Pokal-Achtelfinalpartie gegen den FC Zürich im November 2009 sein Profidebüt ermöglichte. Außerdem sorgte sich Fink rührend um seinen Schützling: Als dieser in einem Testspiel sein erstes Tor für Basel erzielte und das mit einem Salto feierte, erhielt er vom Trainer prompt ein Verbot. Ist ja nicht gut für die Knie!

In der Folge kam Zoua unter Fink immer häufiger zum Einsatz. Das 1,86 m große und 84 kg schwere Kraftpaket wurde 2009/10 insgesamt 14 Mal eingesetzt (acht Mal eingewechselt) und erzielte dabei zwei Tore. In der nächsten Saison waren es schon 22 Einsätze für den beidfüßigen Außenstürmer, seine Ausbeute belief sich dabei auf vier Tore und fünf Vorlagen.

Inmitten seiner statistisch besten Saison (26 Einsätze, sieben Tore, drei Vorlagen) verabschiedete sich dann sein Förderer - nach seinem Wechsel zum HSV sagte Zoua der "Sport Bild", es sei bei seiner "Entscheidung sehr wichtig zu wissen, dass er Trainer beim HSV ist."

Bilanz: Ein Tor in 24 Spielen

Denn Zoua kann nach der vergangenen Saison einen Trainer brauchen, der ihn kennt und ihm vertraut. Ein Tor in 24 Liga-Spielen ist für einen Mittelfeldspieler mäßig, für einen Stürmer jedoch eine mittlere Katastrophe. Zwar relativiert er diese Quote mit dem Verweis auf seine drei Tore in der Champions League-Qualifikation und vier Tore im Pokal, dennoch dürfte die vergangene Saison auch für ihn nicht allzu befriedigend gewesen sein.

In einer Sturmreihe mit Alexander Frei, Raul Bobadilla und Marco Streller wurde er häufig nur eingewechselt (17 Mal) und stand bei seinen Einsätzen nur gut 40 Minuten im Schnitt auf dem Platz. Die Zeit war also reif für einen Szenenwechsel. Die Bemühungen um Jacques Zoua (und mittlerweile seine Verpflichtung) stellten einen weiteren Versuch seitens des HSV dar, einen Spieler aus Finks Basler Erfolgszeit an die Elbe zu holen.

Bei Granit Xhaka verlief der Versuch im Winter 2012 erfolglos, letztlich wechselte der Mittelfeldspieler vor der Saison zu Borussia Mönchengladbach. Auch Xherdan Shaqiri hätte der Trainer mit Sicherheit gerne mitgenommen, womit er vermutlich eine Gemeinsamkeit mit 16 anderen Bundesligisten hatte, aber dieser entschied sich bekanntlich für den FC Bayern. Nun ist Jacques Zoua der Spieler, mit dem Fink an alte Zeiten anknüpfen und den HSV zurück nach Europa führen will.

Offensivspieler im Dienst der Mannschaft

Bleibt noch zu klären, wo und wie Zoua überhaupt eingesetzt wird. "Ich kann mich einem Spielsystem anpassen, das der Trainer vorgibt. In Basel habe ich auch oft an den Außenlinien gespielt und nicht im Sturmzentrum. Ich kann sowohl das eine wie das andere." Wenn man sich die Zusammensetzung des HSV-Kaders für die neue Saison anschaut, liegt die Vermutung nahe, dass er auch dort zunächst viel auf den Außen eingesetzt werden könnte.

Nach dem Abgang von Heung-Min Son zu Bayer Leverkusen ist dort eine Lücke entstanden. Der Koreaner, der in der letzten Saison immerhin zwölf Tore erzielte und zwei weitere auflegte, wurde zumeist auf dem rechten Flügel eingesetzt. In der Mitte findet sich hingegen der Lette Artjoms Rudnevs, der in seiner ersten Bundesligasaison ebenfalls zwölf Tore erzielen konnte.

Zudem haben die recht offen vorgetragenen Verhandlungen mit Roque Santa Cruz gezeigt, dass Sportdirektor Oliver Kreuzer gerne noch einen gelernten Mittelstürmer verpflichten möchte. Überhaupt scheinen beim HSV noch einige Fragen offen zu sein: Wer kommt noch, wer geht noch? Wie wird Fink Talent Hakan Calhanoglu einsetzen? Soll Zoua den abgewanderten Son ersetzen oder ist er als Backup für das Sturmzentrum eingeplant?

Die Systemfrage

Eine entscheidende Bedeutung kommt dabei der Systemfrage zu. Wenn Fink in der nächsten Saison das allseits beliebte 4-2-3-1-System wieder einführen sollte, das er auch in Basel gerne spielen ließ (mit Streller in der Mitte und Shaqiri sowie Frei/Zoua auf den Außen), könnte Zoua sich mit Maximilian Beister, Marcell Jansen, Dennis Aogo und Hakan Calhanoglu um die beiden Außenbahn-Plätze streiten.

In der Mitte der offensiven Dreierkette dürfte Kapitan Rafael van der Vaart gesetzt sein, zumal Fink äußerte, das Spiel in der neuen Saison noch mehr auf ihn zuzuschneiden. Da Zoua ein beidfüßiger Spieler ist, dürfte er bei diesem System gegenüber Beister, Aogo und Jansen einen Vorteil haben, da diese alle als "linkslastige" Spieler gelten. Zoua hingegen fühlt sich auf beiden Seiten wohl.

Freilich ist Zoua auch als einzige Spitze denkbar, wie sich bei dem ein oder anderen Testspiel andeutete. Fink verglich die Fähigkeiten seines neuen Schützlings mit denen von Ex-HSV-Stürmer Paolo Guerrero: "Man hat gesehen, dass er ein Spielertyp ist, den wir bisher nicht im Kader hatten. Er kann den Ball gut behaupten."

Späterer Trainingsbeginn wegen WM-Quali

Noch hat Zoua einiges aufzuholen. Wegen des WM-Qualifikationsspiels gegen Togo, für das ihn Kameruns Nationaltrainer Volker Finke nominierte, und anschließenden Visumsproblemen stieß er erst deutlich verspätet zum HSV. Die Eingewöhnung verläuft aber positiv. Fink lobt Einstellung und Charakter des Neuzugangs ausdrücklich.

Zoua wiederum freut sich auf die neue Herausforderung unter Fink, den er als "großen Trainer" bezeichnete. Dazu "spiele ich jetzt in einer der stärksten Ligen der Welt. Der HSV ist ein toller Verein und die Bundesliga eine große Sache".

Die Hamburger wird es freuen. Jetzt liegt es an ihm, den Worten Taten folgen zu lassen und die Fragezeichen nach und nach zu Ausrufezeichen zu machen. Mehr als ein Tor in 24 Spielen wäre schon mal ein guter Anfang - vielleicht dürfte er dann auch mit einem Salto feiern.

Jacques Zoua im Steckbrief

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