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Fussball

Der lange Weg zurück

Von Daniel Börlein
Sebastian Kehl will zur neuen Saison beim BVB nochmal angreifen
© Imago

In der Meistersaison war Sebastian Kehl dauerverletzt, in den letzten fünf Jahren brachte er es auf nur 60 Spiele. Der 31-Jährige gibt aber nicht auf und kämpft um sein Comeback. Doch ist beim neuen BVB überhaupt noch Platz für den Leitwolf Kehl?

Es ist kein großes Geheimnis, dass Sebastian Kehl gerne über den eigenen Tellerrand hinaus guckt. Für den 31-Jährigen gibt es mehr im Leben als nur den Fußball. Kehl interessiert sich für Politik und liest gerne Bücher. Er unterstützt soziale Projekte und setzt sich als Spielerrat in der Vereinigung für Vertragsfußballer für die Belange seiner Kollegen ein.

Das Klischee des selbstverliebten Fußball-Profis, der sich im Ruhm sonnt und stets die eigenen Interessen in den Vordergrund stellt, erfüllt Kehl so gar nicht. Er schert aus, ist anders als viele seiner Kollegen. Typen wie Kehl gibt es nicht mehr so viele in der Bundesliga.

Nur sechs Spiele letzte Saison

Derzeit arbeitet der Dortmunder daran, dass es zumindest ihn in der Bundesliga noch eine Weile gibt. Fast die komplette Meistersaison des BVB musste Kehl von draußen verfolgen. Erst setzte ihn ein Sehnenriss außer Gefecht, dann plagten ihn Rückenprobleme und zuletzt machte ihm eine Schleimhautentzündung im Knie zu schaffen.

Nur sechsmal stand er dadurch für die Borussia in der abgelaufenen Bundesliga-Saison auf dem Platz. Immer wenn er sich von einer Verletzung erholt zu haben schien, kam die nächste. "Dass ich erneut einen großen Teil der Saison wegen Verletzungen verpasst habe, war sehr frustrierend", sagte Kehl vor kurzem im "11freunde"-Interview.

Nun greift er wieder an. Mal wieder. "Ich kämpfe mich Stück für Stück heran", sagt er. "Mich sollte niemand abschreiben." Doch was, wenn es wieder nicht klappt? Was, wenn das Verletzungspech erneut zuschlägt, so wie in den letzten Jahren in trauriger Regelmäßigkeit?

60 Spiele in fünf Jahren

In den letzten fünf Jahren brachte es Kehl insgesamt nur auf 60 Bundesliga-Einsätze, alleine 28 davon in der Saison 2008/2009. Es war die letzte Spielzeit, in der man einen komplett fitten Kehl zu sehen bekam.

Dort will er nun wieder hin. Damals war Kehl eine zentrale Figur in Dortmunds Spiel. Das will er auch nun wieder werden. "Wenn ich fit bin, stand ich in der Vergangenheit immer auf dem Platz. Als Kapitän ist das auch in der neuen Saison mein Ziel", sagt er.

Wo ist Platz für Kehl?

Doch anders als früher, wartet man beim BVB nicht mehr sehnsüchtig auf seine Rückkehr. Die vergangene Saison hat bewiesen, dass es auch ohne ihn geht. Sven Bender etablierte sich im defensiven Mittelfeld neben Nuri Sahin und schaffte sogar den Sprung in die Nationalmannschaft.

Sahin hat die Borussia zwar Richtung Real Madrid verlassen, mit Ilkay Gündogan und auch Ivan Perisic wurden allerdings bereits zwei Spieler verpflichtet, denen zugetraut wird, den Türken auf der Doppelsechs zu ersetzen. Nur wieder gesund und einsatzfähig werden, reicht für Kehl für einen Stammplatz nicht mehr aus.

"Natürlich steht immer die Leistung im Vordergrund und nie das geleistete in der Vergangenheit", weiß Kehl selbst. Und auch sein Standing innerhalb des Vereins, vor allem aber innerhalb der Mannschaft hat sich verändert. Noch immer ist er der Kapitän dieses Teams. Ihr Häuptling ist er allerdings längst nicht mehr.

Hierarchie hat sich verändert

Die neue Borussia hat keinen alleinigen Anführer mehr. "Der BVB setzt auf den Nachwuchs, die Mannschaft ist blutjung. Dadurch hat sich auch das Mannschaftsgefüge verschoben", sagt Kehl. Statt einiger weniger starker Charaktere, die die Mannschaft führen sollen, setzt man nun darauf, dass alle sich einbringen und Verantwortung übernehmen. Zuletzt gab es beim BVB niemanden mehr, der für sich die Chefrolle beanspruchte.

"Ich genieße diesen Wandel des modernen Fußballs", sagt Kehl. "Aber ich bin ein Spieler, der einer vernünftigen Hackordnung und Hierarchie in der Mannschaft eine gewisse Bedeutung zuschreibt. Auch in einer Mannschaft mit jungen Spielern."

In der Vergangenheit war es Kehl gewohnt, voranzugehen, Verantwortung zu übernehmen und die Richtung vorzugeben. Er gilt als Musterbeispiel eines Leitwolfs. Das will er wieder werden - wenn die anderen ihn lassen. Und wenn ihm die Rückkehr ins Rudel überhaupt nochmal gelingt.

Sebastian Kehl im Steckbrief

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