Maßstäbe, die begeistern

Von Jochen Tittmar
Jürgen Klopp feierte mit Borussia Dortmund den ersten Meistertitel seiner Trainerkarriere
© Getty

Borussia Dortmund fuhr am Samstag einen der verdientesten Meistertitel der letzten Jahre ein. Der BVB hatte abseits des Platzes einen wichtigen Vorteil - der wie die spielerische Herangehensweise ein Vorbild für die Liga ist. Ein Kommentar von Jochen Tittmar.

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Dass Borussia Dortmund eine besonders innige Beziehung zum 1. FC Köln pflegt, ist nicht bekannt. Nach dieser beeindruckenden Saison braucht sich der BVB auch nicht großartig beim FC für den Sieg über Bayer Leverkusen zu bedanken.

Kredit bei den Fans aufgenommen

Viel wichtiger war der 11. Mai 2008. Köln machte damals gegen Mainz 05 den Aufstieg in die Bundesliga perfekt. Die Folge: FSV-Trainer Jürgen Klopp war auf dem Markt. Und Dortmund schlug nach einer ernüchternden Saison (Platz 13) zu.

So feierte der BVB den Meistertitel

Wie die letzten drei Spielzeiten zeigten, war diese Personalentscheidung eine der wichtigsten in der Historie des BVB. Die Borussia nahm mal wieder einen Kredit auf - diesmal jedoch auf die Erwartungshaltung der eigenen Anhänger.

Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Manager Michael Zorc erkannten die wirtschaftlichen und sportlichen Sachzwänge und nahmen einen vereinsphilosophischen Paradigmenwechsel vor, der die Borussia - durchaus überraschend - innerhalb kürzester Zeit zu einem der verdientesten Meister der letzten Jahre machte.

BVB-Fußball als Maßstab für die Liga

Klopps Händchen für junge, talentierte und erfolgshungrige Spieler sowie die spielerische Herangehensweise im längst trendigen 4-2-3-1-System haben sich in dieser Zeit zum Vorbild einer gesamten Liga gemausert.

Dortmunds Team war in dieser Saison trotz unterschiedlichster Drucksituationen fast ausnahmslos in der Lage, ein von extrem laufstarkem Pressing und blitzschnellem Umschaltverhalten geprägtes Spiel aufzuziehen. Die Leichtigkeit und der Spaß am Spiel waren den Akteuren über den gesamten Saisonverlauf anzusehen.

Dieses Vorgehen entwickelte sich für die Gegner nicht nur zum letztlich unüberwindbaren Stolperstein, sondern wurde mancherorts auch übernommen.

Kompetenzbereiche klar abgesteckt

Aggressives Arbeiten gegen den Ball, laufstarkes Verschieben, schnelles Spiel in die Spitze - diese Begriffe haben sich mittlerweile ligaweit als Zutaten für ein modernes Fußballspiel etabliert.

Analyse: Dortmund schlägt Nürnberg

Dortmund glänzt dazu auch neben dem Rasen. Es gibt einige Vereine in der Bundesliga, die in der aktuellen Saison ziemlich sicher besser dastehen würden, wenn eitles Kompetenzgerangel und daraus resultierendes Chaos im Gesamtverein nicht die sportliche Entwicklung überlagert hätten.

In Dortmund sind die Kompetenzbereiche von Watzke, Zorc und Klopp einerseits klar abgesteckt, andererseits herrscht dort eine - auch zwischenmenschlich - fruchtbare Symbiose im Sinne der neu definierten Richtlinien des Vereins. Der eine schlägt vor, alle zusammen besprechen, der nächste genehmigt.

Maßstäbe müssen beibehalten werden

Hauptaufgabe für die unmittelbare Zukunft wird es sein, diese harmonisierenden Maßstäbe trotz der nun gestiegenen Erwartungshaltung ganz bewusst beizubehalten und gleichzeitig den u.a. durch die Teilnahme an der Champions League sportlich höheren Anforderungen anzupassen.

Man sollte dazu nicht vergessen, dass der BVB vor sechs Jahren noch klinisch tot war und 2007 die schlechteste Abwehr der Liga stellte.

Der diesjährige Meistertitel ist zwar hochverdient, war dennoch keineswegs eingeplant. Wer sich dies vor Augen führt, wird am Dortmunder Fußball auch in der kommenden Spielzeit seine Freude haben - unabhängig von der Platzierung.

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