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Fussball

Das steckt hinter Schalkes Millionen-Plan

Von Interview: Haruka Gruber
Zwei Coups an einem Tag: Felix Magath (l.) und Clemens Tönnies
© Getty

Der Raul-Coup überstrahlt alles - aber genau vor einer Woche brachte Schalke ein zweites Millionen-Projekt auf den Weg, das dabei helfen soll, den hochverschuldeten Klub finanziell zu retten.

Der Plan: Die Fans kaufen sich - angelockt von einem Zins von 5,5 Prozent - Anleihen des Vereins, mit den daraus eingenommenen Geldern baut Schalke einen Teil der immensen Verbindlichkeiten ab.

Zehn Millionen Euro visiert Schalkes Aufsichtsratsboss Clemens Tönnies an. Und dank der Begeisterung um Raul und der Werbeoffensive während des LIGA total! Cups inklusive Bandenwerbung und Hochglanz-Prospekten (Slogan: "Auf Schalke wird wieder Kohle gefördert") wurde bereits bis Sonntag über eine Million Euro generiert.

Doch was steckt hinter der sogenannten "Fan-Anleihe"? Wirtschafts-Experte Professor Dr. Tobias Kollmann, Lehrstuhlinhaber an der Universität Duisburg-Essen, beantwortet die wichtigsten Fragen.

SPOX: Allgemein gefragt: Was genau ist eine Anleihe?

Tobias Kollmann: Bei einer Anleihe handelt es sich um eine sogenannte Inhaber-Schuldverschreibung. Bei dieser Form des Wertpapiers wird externes Kapital aufgenommen, das unter vorher festgelegten Bedingungen - die zum Beispiel die Laufzeit, die Höhe der Verzinsungen und die Variabilität der Verzinsung betreffen - wieder zurückgezahlt wird. Im Falle von Anleihen bei Fußballvereinen soll dieses externe Kapital von den Fans kommen.

SPOX: Und wie funktioniert speziell die Schalker Fan-Anleihe?

Kollmann: Bei Schalkes Fan-Anleihe handelt es sich um eine Standardanleihe. Standardanleihen funktionieren so, dass die Verzinsung für die gesamte Laufzeit festgelegt wird, also nicht variiert. Egal, ob es der Wirtschaft gut geht oder nicht, egal ob Schalke oben steht oder nicht - die Zinsen sind immer gleich hoch. Die Käufer erwerben die Stückelung ihrer Wahl für sechs Jahre. Dann erhalten sie jedes Jahr den entsprechenden Zinsbetrag ausgezahlt und für 2016 ist es vorgesehen, dass Schalke die Anleihen in vollem Nennwert zurückzahlt.

SPOX: Die von Ihnen angesprochene Verzinsung beträgt 5,5 Prozent - was attraktiv klingt. Warum kann Schalke so eine Verzinsung anbieten?

Kollmann: Da müssen Sie am besten direkt mit den Vereinsverantwortlichen sprechen. Aber allgemein gibt es zwei Gründe für attraktive Verzinsungen bei Anleihen: Zum einen handelt es sich um eine Art Risikoausgleich oder -aufschlag. Zum anderen ist der Zinssatz in der Regel niedriger, als der bereits bestehender Verbindlichkeiten - zumindest, wenn es sich um eine Umschuldung handelt. Wenn Schalke bei einer anderen externen Finanzierungsform 7 Prozent bezahlen muss, dann stellt sich der Verein mit 5,5 Prozent bei der eigenen Anleihe besser. Damit die Anleihe aber auch nachgefragt wird, muss sie für den Privatanleger mehr bringen als normale Formen der Geldanlage mit derzeit vielleicht marktüblichen 2 bis 3 Prozent.

SPOX: Spätestens nach dem Banken-Crash ist der Laie vorsichtig, wenn von Zinsen und Renditen die Rede ist. Ist auch bei Schalkes Fan-Anleihe Skepsis angebracht? Sind die 5,5 Prozent sicher?

Kollmann: Normalerweise hängt die Sicherheit bei Anleihen von dem wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens ab, das die Anleihen ausgibt. Je besser Schalke mit dem Geld aus der Anleihe wirtschaftet und damit aus dem sportlichen Erfolg letztendlich auch Geldrückflüsse bekommt, desto wahrscheinlicher ist die Auszahlung der Zinsen und die Rückzahlung der Anleihe. Ob darüber hinaus weitere Sicherheiten existieren, kann der Fan am besten im entsprechenden Wertpapierprospekt nachlesen, da hier die Bedingungen nicht einheitlich sein müssen. Zur Fan-Anleihe von Schalke gibt es eine eigene Homepage, auf der man das Wertpapierprospekt herunterladen kann.

SPOX: Die Fans des Erzrivalen Dortmund machten schlechte Erfahrungen mit der BVB-Aktie. Gibt es Parallelen?

Kollmann: Nicht unmittelbar, denn bei den BVB-Aktien handelt es sich um eine andere Form von Wertpapieren. Mit dem Erwerb von Aktien erwirbt man auch Unternehmensanteile, was bei Anleihen nicht der Fall ist. Außerdem können die Kurse von Aktien zum Teil erheblich schwanken, während der Rückkaufwert von Anleihen vorab festgelegt ist. Gemeinsam ist nur die Idee, extern Kapital in den Verein zu holen.

SPOX: Schalke erhofft sich durch die Anleihe zehn Millionen Euro. Ist das realistisch?

Kollmann: Das ist schwierig einzuschätzen, da es vor allem von der Bereitschaft der Fans abhängig ist, die Anleihen zu kaufen. Aber wenn man die Größe von Schalkes Fanbasis betrachtet und dann berücksichtigt, dass beispielsweise bei der Tivoli-Anleihe von Alemannia Aachen durch 4500 Fans Anleihen im Gesamtwert von rund 4,2 Millionen gezeichnet wurden, könnten die zehn Millionen durchaus erreicht werden.

SPOX: Würden Sie eine Privatperson zu einer solchen Fan-Anleihe raten?

Kollmann: Das muss wirklich jeder für sich selbst entscheiden. Wie bei allen Finanzanlagen gibt es hier auch Vor- und Nachteile. Am Besten ist, wenn neben der Renditeerwartung auch ein Stück weit das Schalke-Herz mitschlägt und damit die ideelle Unterstützung des Vereins unterstrichen wird. Sollte dann die finanzielle Rückzahlung aus welchen Gründen auch immer nicht funktionieren, dann kann man sich immer noch mit der Vorstellung trösten, seinem Verein finanziell geholfen zu haben.

SPOX: Anders formuliert: Ist die Fan-Anleihe ein Fan-Artikel?

Kollmann: Die Fan-Anleihe ist sicherlich kein reiner Fan-Artikel. Aber wie bei den üblichen Fan-Artikeln auch, können die Fans der Königsblauen neben den rein finanziellen Aspekten noch einen Zusatznutzen erhalten. Denn wer stolz darauf ist, dass er den Verein mit der Anleihe finanziell unterstützt und sich über die Schmuckurkunde freut, die man zusätzlich kaufen kann, der misst den Nutzen sicherlich nicht nur in der Verzinsung.

SPOX: Zehn Millionen Euro zu generieren, um Schulden abzubauen oder vielleicht neue Spieler zu kaufen, klingt auf dem ersten Blick verlockend. Warum machen das nicht mehr Klubs?

Kollmann: Schalke ist nicht der erste Verein, der eine Fan-Anleihe ausgibt. Bereits 2004/05 hat Hertha BSC die Emission einer Anleihe initiiert und Vereine wie der 1. FC Köln, Alemannia Aachen und Arminia Bielefeld haben ebenfalls schon Anleihen durch Fans zeichnen lassen. Aber bei einem Erfolg der Schalker Fan-Anleihe könnten vielleicht noch weitere Vereine für sich prüfen, ob sie nicht ebenfalls eine Fan-Anleihe herausgeben könnten.

Fan-Anleihe: Schalke hofft auf zehn Millionen Euro von den Fans

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