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Fussball

Land der untergehenden Handys

SID
schweinsteiger, japan, fc bayern
© Getty

Thomas Gaber ist "Lost in Translation". Unser SPOX-Redakteur begleitet den FC Bayern München auf seiner Japan-Reise. In seinem Tagebuch berichtet er von seinen Begegnungen in einem fremden Land mit fremden Sitten. 

Flughafen München, 14.20 MESZ: Der Bayern-Bus hält vorm Terminal 2. Wo ist die Meute? Niemand da, der seine Lieblinge verabschiedet. Oder zum Teufel wünscht. Nur ein Taxler, eine Birne auf Beinen, hat was mitbekommen. Sie rennt zu Klinsi, die Birne. Naja, sie baumelt. Am Ende gibt's ein Autogramm für das glückliche Kernobst.

Gate H 27, 15.15 MESZ: Poldi wackelt nervös durch die Wartehalle, als habe er gleich einen Zweikampftermin mit der herannahenden Putzkolonne. In Kenntnisnahme ihrer Chancenlosigkeit biegt die Kolonne kurzerhand nach links ab. Da sitzt nur der vor sich hindösende Lucio. Schweini ist auch da. Er telefoniert. Bestimmt mit Sarah. Um die Uhrzeit ist ja keine Schule mehr.

Gate H 27, 15.35 MESZ: Uli Hoeneß nimmt in der Großkopferten-Klasse Platz, Boarding damit completed.

16.20 MESZ: Flug LH 714 ist seit 30 Minuten unterwegs. Das Menu wird vorgestellt. Der Economist darf wählen zwischen Rind- und Hühnerfleisch. Dazu gibt's Sushi mit Ingwer. Und Kernobst. Wenn das die Birne wüsste...

17 MESZ: Ich entscheide mich für Rind, Marke Stroganoff. Macht Sinn, schließlich befinden wir uns im russischen Luftraum. Das Beef ist recht zähzornig. Was die in der Großkopferten-Klasse wohl gerade futtern?

19 - 0 MESZ: Keine besonderen Vorkommnisse. Außer den immer gleichen Klogehern und Stewardessen, die konsequent den Saft durch die Gänge schubsen. Schlafen geht sich übrigens nicht aus, mein Sitznachbar, Reihe 34, Sitz B, besitzt die Frechheit, als einziger Fluggast sein Deckenlicht anzulassen. Klinsi wird dann irgendwann im kasachischen oder sibirischen Luftraum 44. Mit was die Großkopferten darauf wohl anstoßen?

3.30 MESZ + 7: Landung in Tokio. Recht ruppig. Kein Applaus. Logisch. Der Captain bedankt sich dennoch artig.

11.30 Uhr Tokio-Time: Der Schock. Kaum ein deutsches Handy springt an. Nur wer Roaming (?) hat, ist glücklich. Ich bin nicht dabei. Die Kollegen von az und Sport Bild auch nicht. Der Uli Hoeneß auch nicht. "Was soll'n der Scheiß?", raunzt der Uli. Der Schädel schwillt bedrohlich an. Alles auf rot. Nix zu machen. Das Handy bleibt schwarz.

11.45 Uhr Tokio-Time: Klinsi und Co. betreten die Empfangshalle. Und wieder: kaum einer da. Nur ein paar versprengte Mädels. Poldi- und Schweni-Schreie. Man hört auch "Ballack", "Makaay" und "Kahn". Kein Wunder, genießt der Oli doch seit der WM 2002 Kaiserstatus in Japan.  

12 Uhr Tokio-Time: Der Kollege von der Bild sucht den Geldbeutel. Händeringend. Die Hoffnung schwindet. Er findet ihn. In der Tasche, die er schon zehnmal durchsucht hat. Was ist hier bloß los?

12.30 Uhr Tokio-Time: Ich will ins Hotel. Der Taxler, eher der Kürbis, versteht nur Bahnhof. Am Flughafen. Bald steht fest, der Tokioter an sich hat's nicht so mit Fremdsprachen. Bleibt nur die Japanese Railway in die City. Nochmal schlanke zwei Stunden Fahrt.

16.15 Uhr Tokioter Zeit: Die Bayern trainieren auf dem Gelände in Tokio-Saitama mit ausgewählten Kids. Doch damit nicht genug: Die Kids werden zum ersten Heimspiel der Bundesliga gegen den HSV eingeladen. Weihnachten und Ostern gleichzeitig für die Kids. Dabei ist der Osterhase doch gar nicht der Weihnachtsmann. Hat der mit dem roten Kopf mal gesagt.

17.30 Uhr Tokioter Zeit: Klinsi bittet zur Abendgymnastik. Sprints, Torschüsse, Dribblings, Dehnübungen. Sagnol fehlt. Fußverletzung. Schweini fasst sich an den Oberschenkel. Das war's für heute. Aber nix Tragisches.

18.45 Uhr Tokioter Zeit: Andi Ottl spielt Klasse-Doppelpass mit Lahm und vernascht Keeper Rensing. Die Meute, knapp 300 Menschen, flippt aus. Dann knallt Klose die Kugel aus 3 Metern an den Pfosten - ungläubiges Staunen.

19.15 Uhr Tokioter Zeit: 5-Minuten-PK mit Sagnol und Klinsmann. Dann wird's Zeit zu gehen. Auf eine Neues am Donnerstag.

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