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Fussball

Nur auf den ersten Blick

Von Andreas Lehner
Lehmann, Weidenfeller, Bundesliga, Dortmund
© Imago

München - Roman Weidenfeller hat sich über Weihnachten und Neujahr erstmal zurückgezogen zu seinen Eltern in den Westerwald. Dort will er sich verwöhnen lassen und versuchen, den Kopf frei zu bekommen. So steht es zumindest auf seiner Homepage. 

Ob dem Torwart das auch gelingt, darf aber durchaus bezweifelt werden. Besonders nach den Entwicklungen in Dortmund in den vergangenen Stunden und Tagen.

Am Donnerstag stiegen der Vorsitzende der Geschäftsführung, Hans-Joachim Watzke, und Sportdirektor Michael Zorc ins Flugzeug nach London, um mit Jens Lehmann über einen sofortigen Wechsel zur Borussia zu verhandeln. Zu den Ergebnissen wollten sich die Verantwortlichen zwar nicht äußern, englische Medien gehen jedoch davon aus, dass Lehmann noch vor Neujahr eine Entscheidung treffen wird.

Rückkehr an alte Wirkungsstätte 

Auf den ersten Blick ein sinnvoller Wechsel. Denn Weidenfeller muss nach einer Schulteroperation noch pausieren, zumal er diese Saison schwächelt und verunsichert wirkt. Der BVB hätte mit Lehmann einen Ersatz mit internationaler Klasse, der sich die nötige Spielpraxis für die EM 2008 holten könnte.

Zudem stand Lehmann schon von 1999 bis 2003 beim BVB zwischen den Pfosten und kennt den Verein und sein Umfeld ganz genau.

Kein Problem zwischen Lehmann und Weidenfeller 

Bei näherer Betrachtung birgt ein möglicher Wechsel jedoch Brisanz und Zündstoff. Denn das Verhältnis von Lehmann und Weidenfeller war einst nicht das Beste, als Letzterer in der Saison 2002/03 hinter Lehmann nur die Nummer zwei war.

Mittlerweile scheint dies allerdings kein Brandherd zu sein. "Zwischen den beiden bestehen keine Spannungen", sagte Weidenfellers Berater Dr. Michael Becker gegenüber SPOX.com.

Es ist jedoch davon auszugehen, dass sich der mit 27 Jahren deutlich jüngere Weidenfeller kein zweites Mal auf die Bank setzen wird, sollte Lehmann länger als ein halbes Jahr im Tor der Borussia stehen.

Warum eigentlich Lehmann?

Zumal die Heilung Weidenfellers schneller vorangeht, als zunächst angenommen. Bei optimalem Verlauf könnte er Ende Februar schon wieder auf dem Platz stehen und würde damit nur drei bzw. vier Bundesligaspiele ausfallen.

Aber warum ist die Borussia dann derart erpicht darauf, Lehmann zu holen? Warum einen 38-Jährigen, statt eine langfristige Lösung ins Auge zu fassen bzw. zunächst in den eigenen Reihen zu suchen? Warum einen als egoistisch geltenden Star in eine Mannschaft holen, die bereits ohne ihn wenig gefestigt wirkt?

Zugegeben, Weidenfeller hat mehrmals gepatzt und ist jetzt auch noch verletzt. Aber sein Backup Marc Ziegler überzeugte bei seinen drei Saisoneinsätzen, in denen er kein Gegentor kassierte. Durch eine Lehmann-Verpflichtung könnte sich auch der Reserve-Keeper auf den Schlips getreten fühlen, wenn er am Ende der Rochade nur mehr dritter Keeper wäre.

Kurzfristige Lösung, mittelfristige Probleme

Die kurzfristige Lösung Lehmann würde mittelfristig ein großes Loch auf der Torhüterposition beim BVB hinterlassen. Am Ende von Lehmanns Engagement, egal ob er für ein halbes oder anderthalb Jahre unterschreiben sollte, blieben zwei zurückgestufte und möglicherweise frustrierte Keeper.

Zumal auch die finanziellen Forderungen des Nationalkeepers das Gehaltsgefüge der Schwarz-Gelben vermutlich sprengen würden. Dies wiederum werden Spieler wie Sebastian Kehl, die gerade in Vertragsverhandlungen mit dem Verein stecken, ganz genau beobachten.

Die Personalie Jens Lehmann ist auf den ersten Blick die optimale Lösung. Aber auf den zweiten?

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