"Klingt im ersten Moment nicht wie eine fantastische Idee": Wie die Einführung der Blauen Karte den Fußball verändern könnte

SID
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Am Samstag wird in Schottland über die Einführung einer Blauen Karte im Fußball per Probelauf diskutiert. Sie soll unter anderem Rudelbildungen um den Schiedsrichter verhindern. Hier findet Ihr Fragen und Antworten zur möglichen neuen Strafe.

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Blaue Karte im Fußball: Was steht an?

Gelbe Karte. Rote Karte. Und jetzt auch noch eine Blaue Karte? Was derzeit noch Fiktion ist und für Fußballfans merkwürdig klingt, könnte zukünftig völlig normal werden.

Die Regelhüter des International Football Association Boards (IFAB) diskutieren am Samstag bei ihrer Jahreshauptversammlung im schottischen Glasgow über die revolutionäre Idee und treffen eine Entscheidung über die mögliche Einführung einer Testphase. Doch schon jetzt sorgt die Blaue Karte für Diskussionen.

Blaue Karte im Fußball: Was steckt hinter der Idee?

Die Blaue Karte soll als Zeichen für eine Zeitstrafe und als Zwischenstufe zwischen Gelber und Roter Karte dienen. Dadurch könnte künftig eine Zwangspause von zehn Minuten bei taktischen Fouls oder Meckereien gegenüber dem Schiedsrichter möglich sein. Zwei Blaue Karten würden demnach (analog zu zwei Gelben Karten) zum Platzverweis führen.

Auch die "Schwedenkarte" Blau-Gelb wäre dann möglich, das Gegenstück zum bisherigen Gelb-Rot. "Ob Zeitstrafen im Profifußball den gewünschten Effekt haben und von den Protagonisten gewollt werden, müssen auch wir erst beobachten", sagte IFAB-Geschäftsführer Lukas Brud dem kicker.

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Blaue Karte im Fußball: Wie ist der Zeitplan?

Am Samstag dürften die Regelhüter eine Testphase in bestimmten Wettbewerben beschließen. Die Entscheidung trifft das Gremium, dem vier Vertreter des Weltverbandes FIFA sowie je ein Mitglied der Verbände aus England, Schottland, Wales und Nordirland angehören. Auch der FIFA-Präsident besitzt Einfluss.

Die Versuchsreihen könnten in diesem Sommer beginnen, der FA Cup und den FA Cup der Frauen sind als Experimentierfeld im Gespräch. Zunächst bleibt es im Profifußball also bei den Gelben und Roten Karten, die zur Weltmeisterschaft 1970 in Mexiko eingeführt wurden.

Blaue Karte im Fußball: Was sagen die Schiedsrichter?

Der deutsche Schiedsrichter-Boss Lutz-Michael Fröhlich ist seit langem ein Verfechter von Zeitstrafen. Er sieht darin eine Möglichkeit, das Geschehen auf dem Rasen zu beruhigen.

"Der Vorteil ist, dass man gerade im Bereich der Unsportlichkeiten und bei Fouls, die sich nicht hundertprozentig einordnen lassen zwischen Feldverweis und Gelber Karte ein Zwischeninstrument hat", sagte Fröhlich auf SID-Anfrage. Die Erfahrungen im Jugendfußball und in einigen Landesverbänden auch im Amateurfußball seien grundsätzlich gut.

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Blaue Karte im Fußball: Und wie blicken die Trainer auf die Idee?

Bedenken äußerte unter anderem Jürgen Klopp. "Die Einführung einer Blauen Karte könnte zu mehr Fehlern führen", sagte der Teammanager des FC Liverpool - er befürchtet Diskussionen: "'War das eine Blaue Karte? Sollte das nicht eine Gelbe sein?'" Für ihn klingen die IFAB-Überlegungen "im ersten Moment nicht wie eine fantastische Idee".

Auch Christian Streich vom SC Freiburg ("Ich bräuchte es jetzt nicht") hatte in der Vergangenheit kritisch darauf geblickt. Pellegrino Matarazzo von der TSG Hoffenheim hat dagegen "erstmal ein gutes Gefühl und würde es begrüßen".

Blaue Karte im Fußball: Welche Themen werden noch besprochen?

Zudem beschäftigt sich das IFAB mit einer Anleihe aus dem Rugby: Demnach dürfte bei umstrittenen Entscheidungen nach einem Zeichen des Schiedsrichters künftig ausschließlich der Kapitän vorsprechen, um Rudelbildungen zu vermeiden.

"Dieses Belagern, Schimpfen und Protestieren von allen Seiten ist eine Unart, die regelmäßig für alle sichtbar auf Toplevel passiert und an der Basis und vor allem von Kindern und Jugendlichen leider kopiert wird", sagte Brud. Diskutiert wird etwa auch über die Sanktionen bei einem Handspiel ab der Saison 2024/25 sowie das Zeitspiel bei Torhütern.

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