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Fussball

BVB entzieht Ehrenmitgliedschaft von Schröder - Hannover 96 prüft Vereinsausschluss

SID
Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder gilt als großer Freund des Fußballs.

Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder gilt als großer Freund des Fußballs - aber auch des russischen Staatspräsidenten und Kriegstreibers Wladimir Putin. Nun droht der Entzug der jeweiligen Ehrenmitgliedschaft durch den DFB. Der BVB machte schon Nägel mit Köpfen.

Gerhard Schröder hatte als Aktiver den Ruf, ein Kämpfer auf dem Fußballplatz zu sein. "Acker" Schröder riefen sie den späteren Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, als dieser als schussgewaltiger Mittelstürmer beim Amateurklub TuS Talle im Kreis Lippe-Detmold auf Torejagd ging.

Am 9. Dezember 2005 wurde der heute 77-Jährige auf dem Außerordentlichen Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Leipzig zum Ehrenmitglied ernannt.

"Gerhard Schröder kommt von der Basis. Er hat diese Herkunft nicht vergessen und nie geleugnet. Er bleibt unser Freund, ob mit oder ohne Amt, das ist nicht entscheidend. Wir sind stolz auf Sie, Herr Bundeskanzler", sagte damals der Geschäftsführende DFB-Präsident Theo Zwanziger in seiner Laudatio über den "Kanzler a.D."

Inzwischen ist das mit dem Stolz beim größten Sportfachverband der Welt (7,06 Millionen Mitglieder) in Bezug auf Schröder so eine Sache. Dieser gilt als großer Freund des russischen Staatspräsidenten und Kriegstreibers Wladimir Putin und hat den Angriff Russlands auf die Ukraine bislang nicht groß kommentiert.

Hannover 96 prüft einen Vereinsausschluss

Und schlimmer noch, Schröder ist weiterhin Aufsichtsratschef beim staatlichen russischen Energiekonzern Rosneft. Nun hat der DFB dem Alt-Kanzler ein Ultimatum für einen Verzicht auf den Posten gestellt, ansonsten solle Schröder seine Ehrenmitgliedschaft im DFB aufgeben. Am Mittwoch meldete DFB-Pokalsieger Borussia Dortmund bereits Vollzug und entzog dem ehemaligen Regierungschef die Ehrenmitgliedschaft im Klub. Zweitligist Hannover 96 kündigte am Mittwoch an, einen Vereinsausschluss zu prüfen.

"Ehrenmitglieder des DFB müssen sich uneingeschränkt zu den in der Satzung des DFB verankerten Grundwerten bekennen", hieß es in der gemeinsamen Erklärung der DFB-Interimspräsidenten Rainer Koch und Hans-Joachim Watzke am Montag.

Dazu zähle "insbesondere die Achtung aller international anerkannten Menschenrechte und die Verpflichtung, allen menschenverachtenden Einstellungen und Verhaltensweisen entgegenzutreten. (...) Eine solche Haltung erwarten wir auch von Gerhard Schröder", so der DFB.

Das erwarten DFB und BVB von Gerhard Schröder

Der Verband erwartet vom SPD-Politiker, dass er noch vor dem DFB-Bundestag am 11. März in Bonn entweder seine Ämter beim Energiekonzern Rosneft oder dem Gaspipeline-Betreiber Nord Stream niederlegt oder aber auf die Ehrenmitgliedschaft verzichtet.

Laut Koch und Watzke sei im Moment weit mehr notwendig als nur eine allgemeine Verurteilung von kriegerischen Handlungen: "Gefordert ist aus Sicht des DFB auch nicht nur die Einstellung sportlicher Wettkämpfe mit russischen Mannschaften, sondern die Solidarität mit der Ukraine und das vollständige Ablassen von Engagements in russischen Institutionen, insbesondere Staatskonzernen."

Ähnlich sieht es der BVB. Schröder habe man während seines politischen Wirkens als mutigen, streitbaren Demokraten kennengelernt, der sein freiheitliches Weltbild auch gegen Widerstände verteidige, so die Borussia. Diesen Gerhard Schröder halte man gern in Erinnerung und hoffe, dass dieser Gerhard Schröder nicht nur eine Vergangenheit, sondern auch eine Zukunft habe.

Dazu gehöre in einer Situation, in der an jedem Tag unschuldige Menschen durch Bomben sterben würden, "zwingend nicht nur ein mündliches Bekenntnis gegen jede kriegerische Handlung (dieses hat Gerhard Schröder abgegeben), sondern auch der klare Wille und die Überzeugung, auf Führungspositionen in russischen Staatskonzernen verzichten zu müssen. Wir hoffen inständig, dass Gerhard Schröder zu dieser Ansicht gelangen wird, und möchten ihm die Gelegenheit dazu geben".

Ist Schröder zum Einlenken bereit?

Am Mittwoch war der Entzug der Ehrenmitgliedschaft bereits perfekt. "Über einen entsprechenden und einstimmig getroffenen Präsidiumsbeschluss unterrichtete Vereinspräsident Dr. Reinhard Rauball den Bundeskanzler a.D. am Vormittag in einem persönlichen Gespräch", teilte der BVB mit.

Wehmütig sind deshalb die Erinnerungen an Schröders legendäre Rede auf dem DFB-Bundestag aus Anlass des 100-jährigen Verbandsbestehens im Jahr 2000 in Leipzig, als Schröder sein Redemanuskript zur Seite legte und frei einen beeindruckenden Vortrag über seine Liebe zum Fußball hielt.

Diese scheint stark erkaltet zu sein. Mehr als zwei Jahrzehnte später hat der Alt-Kanzler bislang jedenfalls nicht zu erkennen gegeben, dass er zum Einlenken in der Causa Russland/Putin bereit ist - mit allen Konsequenzen.

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