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Fussball

Steffi Jones "Kaiserin" der Frauen-WM

SID

Frankfurt/Main - Deutschland hat jetzt auch eine "Kaiserin". Die ehemalige Nationalspielerin Steffi Jones soll das Gesicht der Weltmeisterschaft 2011 in Deutschland prägen.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) stellte die 34 Jahre alte Frankfurterin in der Mainmetropole als Präsidentin des WM- Organisationskomitees vor und adelte sie damit als "weiblichen Franz Beckenbauer". Bei der Männer-WM 2006 hatte der "Kaiser" die Funktion des OK-Chefs übernommen.

"Für mich ist es eine große Ehre, dass der DFB mir mit der Ernennung besonderes Vertrauen ausspricht", sagte Jones. "Ich nehme die Herausforderung und alle damit verbundenen Aufgaben mit Blick auf die enormen Chancen, die sich durch die Austragung der WM im eigenen Land ergeben, sehr gerne an."

Den Vergleich mit Beckenbauer aber lehnte Jones charmant ab. "Er ist der Kaiser, die Lichtgestalt. Aber ich kann sicher viel von ihm lernen. Vielleicht gibt er mir einige Tipps", meinte Jones, die ihren Dienst beim DFB offiziell am 1. Januar antritt. Bis dahin soll das gesamte WM-OK gebildet sein.

Stolz und dankbar 

"Wir freuen uns, dass wir mit Steffi Jones eine anerkannte und erfolgreiche Nationalspielerin gewinnen konnten. Ich bin stolz und dankbar dafür", sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger nach dem einstimmigen Präsidiumsbeschluss um 13.32 Uhr. Jones habe "in der Welt des Frauenfußballs einen vorzüglichen Namen" und stehe durch ihren Lebensweg "für die integrative Kraft des Sports, die in unserer Gesellschaft mehr denn je gefragt sein wird", so Zwanziger. "Ihr wird es mit Sicherheit gelingen, den Stellenwert des Frauenfußballs international und national zusätzlich zu steigern."

Keine Konkurrenz zur Bundesliga 

Laut DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach soll die WM 2011 in der Sommerpause, also vermutlich im Juni, stattfinden. "Wir wollen nicht in Konkurrenz zur Männer-Bundesliga treten", sagte Niersbach. Er verriet zudem, dass die TV-Rechte bei ARD und ZDF liegen. "Sie haben einen entsprechenden Vertrag mit der FIFA bis 2014."

Als WM- Testlauf soll 2010 in Deutschland ein großes internationales Turnier dienen. Neben dem OK-Präsidium wird eine administrative Ebene eingerichtet, das DFB-Präsidium fungiert als Aufsichtsorgan. Außerdem wird es ein Kuratorium geben. Über personelle Besetzungen wird noch entschieden. Niersbach: "Die WM wird ein Gemeinschaftsprodukt."

Wollte vorneweg laufen 

Steffi Jones hatte am 26. März dieses Jahres nach 111 Länderspielen ihren Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärt, weil sie das Gefühl hatte, der DFB-Elf bei der WM in China nicht helfen zu können. "Ich habe gemerkt, dass es nicht mehr reichte. Mein Anspruch war, nicht nur mit- sondern vorneweg zu laufen", begründete Jones ihren Entschluss mit sportlichen und privaten Gründen.

Ein halbes Jahr später gewann die DFB-Elf in Shanghai den zweiten WM-Titel. Zurzeit erwirbt die Weltmeisterin von 2003, die noch für den Bundeslisten 1. FFC Frankfurt aktiv ist, in Köln ihre Lizenz als Fußball-Lehrerin. In wenigen Wochen hat sie den Lehrgang abgeschlossen und kann sich mit voller Kraft der neuen Aufgabe beim DFB widmen.

Signalwirkung für Frauenfußball 

"Ich bin überzeugt, dass wir mit der Euphorie der WM-Titel 2003 und 2007 sowie der Erfahrung der WM 2006 das Wiedersehen bei Freunden in Deutschland zu einem Highlight mit Signalwirkung für den Frauen- und Mädchenfußball werden lassen", betonte Jones, die ihren Vertrag als Spielerin beim FFC bis Juni 2008 erfüllen will. "Wenn es zu viel wird, werden wir eine Lösung finden."

Für die dreimalige Europameisterin und Weltmeisterin, die in ihrer sportlichen Laufbahn alles gewonnen hat was es im Frauenfußball zu gewinnen gibt, ist der Vorsitz im WM-OK ein neuerlicher großer Karrieresprung. Wie keine andere vereint sie alle Eigenschaften, die ein "Gesicht der WM" braucht.

Die dunkelhäutige und sympathische Frankfurterin besitzt Charme und Charisma und verkörpert darüber hinaus durch ihre bewegte Vita den Kampf des DFB für Integration und gegen Fremdenfeindlichkeit in idealer Weise. "Sie hatte es ja nicht immer ganz einfach", sagte Zwanziger in Anspielung auf zahlreiche Schicksalsschläge. So verlor ihr jüngerer Bruder Franky im Irakkrieg beide Beine, ihr älterer Bruder rutschte ins Drogenmilieu ab.

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