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Formel 1

Der Iceman hat 'nen Ordnungsfimmel

Kimi Räikkönen schnappte sich beim Saisonfinale Platz 4 in der Fahrer-WM
© scuderia ferrari

Die Formel-1-Saison 2015 versprach Spannung: Fünf Weltmeister, drei Deutsche, ein Haufen talentierter Neulinge. SPOX-Redakteur Alexander Maack bewertete nach jedem Grand Prix die fahrerischen Leistungen von Sebastian Vettel, Lewis Hamilton, Fernando Alonso und Co. und stellt sein persönliches Driver-Ranking auf. Teil 19: Der Abu-Dhabi-GP.

Platz 1, Romain Grosjean: Der Franzose hat vor seinem Abschied zu Haas bei Lotus dicke Ausrufezeichen gesetzt. Vier Rennen in Folge bekam er im Driver-Ranking Punkte. In Abu Dhabi sicherte er sich zum zweiten Mal in der Saison 2015 den Tagessieg. Schon jetzt scheint eines sicher: Grosjean wird dem Team aus Enstone fehlen, sollte Renault sich dazu durchringen, es zu übernehmen.

Der 29-Jährige hat sich gewissermaßen vom Saulus zum Paulus gemausert. Statt Crashs en masse zu bauen, fährt er fehlerfrei und schnell. Nur zur Erinnerung: In Abu Dhabi verpasste er das 1. Freie Training, weil Nachfolger Jolyon Palmer im E23 saß; den Großteil des 2. Freien Trainings saß er untätig herum, weil es ein Problem mit dem Tank gab; im Qualifying gab das Getriebe den Geist auf. Grosjean ging somit nur von Platz 18 ins Rennen. Hinter ihm stand einzig Will Stevens im Manor.

Der künftige Haas-F1-Fahrer brillierte mit der gleichen alternativen Strategie, die auch Sebastian Vettel nach vorne spülte. Allerdings war es im Lotus ungleich schwerer, sie umzusetzen. Am Ende wurde Grosjean überraschend Neunter. Seinen millionenschweren Teamkollegen Pastor Maldonado hat er in der Saison 2015 dauerhaft in den Schatten gestellt. Der Venezolaner wurde 14. in der WM, Grosjean sammelte fast doppelt so viele Punkte und belegt Rang 11. Seine Leistung ist wohl noch höher einzuschätzen.

Platz 2, Nico Rosberg: Die inoffizielle Mini-Meisterschaft nach der WM-Entscheidung hat der Deutsch-Finne eindeutig für sich entschieden. Alternativ könnte man es auch als Garbage Time der Formel 1 bezeichnen. Drei Siege folgten bei den drei Rennen nach dem Grand Prix der USA, so eine Siegesserie schaffte Rosberg erstmals in seiner Karriere. Ob das für die neue Saison bedeutend ist? Unter Umständen definitiv.

Die Frage ist, was ist der Grund für Rosbergs neue Stärke? Während Mercedes' Verantwortliche sich die Wende im Duell ihrer Piloten nicht erklären können, tippt Weltmeister Lewis Hamilton, dass ihn die Änderungen an der Balance des W06 bremsten. Die große Frage: Wie verhält sich das Nachfolgemodell? Genauso? Dann wäre Rosberg plötzlich ein mehr als ernster Konkurrent im Kampf um die WM. Bis der Australien-GP 2016 erste Erkenntnisse liefert, bleiben noch 100 Tage Entwicklungs- und Testzeit.

Bis dahin kann Rosberg Mut und Angriffslust aus dem perfekten Saisonabschluss ziehen. In Abu Dhabi zeigte er Hamilton zum sechsten Mal in Folge im Qualifying dessen Grenzen auf und fuhr auf die Pole Position. Nach seinem herausragenden Start konzentrierte sich Rosberg darauf, das Rennen zu kontrollieren. Es gelang ihm trotz Graining im Mittelstint, schnell zu sein, als es wirklich darauf ankam. Der Sieg war verdient, die Topform fand er allerdings zu spät.

Platz 3, Sergio Perez: Schon am Freitag sorgte der Mexikaner für Aufsehen. Er war Drittschnellster, sein Rückstand auf den besten Mercedes: Nur sechs Zehntel. Perez glänzte zum wiederholten Male und ließ Nico Hülkenberg abermals in einem schlechten Licht dastehen. Der Deutsche verlor erstmals nach seiner Rookie-Saison bei Williams das Duell gegen seinen Teamkollegen nach WM-Punkten.

Perez leistete sich in Abu Dhabi nur einen kleinen Fehler: Er fuhr in Q3 etwas zu nah hinter Rosberg her. Sonst wäre der Angriff auf den verbliebenen Ferrari von Kimi Räikkönen möglich gewesen. Am Sonntag hatte der Mexikaner Pech: Weil Hamilton zick-zack fuhr, musste er den sicheren Platzgewinn beim Start abschreiben. Es wäre interessant gewesen, ob sich Perez sonst gegen den Iceman behauptet hätte.

Platz 4, Kimi Räikkönen: Der Finne ist die Enttäuschung der Saison. Darüber täuscht auch die sehr gute Leistung in den Emiraten nicht hinweg. Räikkönen holte für Ferrari gerade noch Platz 4 in der Fahrer-WM heraus. Er sammelte dabei allerdings weniger Punkte als Fernando Alonso in der Saison 2014, wobei der aktuelle SF15-T wesentlich besser ist als sein Vorgänger. Vettel fuhr fast doppelt so viele Zähler ein. In der Gesamtwertung des Driver-Rankings springt für den Iceman so nur Platz 13 heraus.

Beim Saisonfinale komplettierte Räikkönen dafür das Trio der Fahrer, die nach diversen Schwierigkeiten überzeugten. Er holte für Ferrari die Kohlen aus dem Feuer, nachdem das Team sich bei Vettel verkalkuliert hatte. Dritter Startplatz, Dritter im Ziel. Mehr war nicht drin. Der Iceman spulte sein Programm fehlerfrei ab und gewann so die finnische Meisterschaft gegen Williams' Valtteri Bottas.

Ein erfreuliches Wochenende für den Routinier. Zumal er nicht nur verhinderte, weniger als 50 Prozent der WM-Punkte von Vettel zu haben, sondern auch sicherstellte, dass die Top 10 der Fahrerwertung hübsch nach Teams sortiert sind: Zwei Mercedes vor den Ferraris, zwei Williams, Red Bulls und den Force Indias. Ordnungsfimmel beim Iceman.

Platz 5, Sebastian Vettel: Von 15 auf 4 - Vettels Rennen lief gut. Der Schlüssel war die Ausführung der alternativen Strategie: Auf den härteren Slicks gestartet, nutzte der Deutsche die durch die Boxenstopps der Konkurrenz entstehende freie Bahn und reihte schnelle Runden aneinander.

Den Pace-Vorteil des Ferrari nutzte er so aus und überholte nach dem zweiten Boxenstopp auf den superweichen Slicks noch schnell Daniel Ricciardo und Sergio Perez. Für das Ausscheiden im ersten Teil des Qualifying konnte Vettel nichts. Er musste sich auf die Berechnungen des Teams verlassen. So bleibt nur ein kleiner Verbremser vor dem ersten Reifenwechsel, der sein einziger echter Fehler war.

Seite 1: Die Sternstunde der Problemkinder

Seite 2: Hamiltons Fehler bei der Strategie

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