Formel 1

Formel 1 - 5 Fragen zu Sebastian Vettels Trennung von Ferrari: Wird das Vettels letzte F1-Saison?

Von Christian Guinin
Zukünftig beide für Mercedes aktiv? Lewis Hamilton und Sebastian Vettel.

Paukenschlag in der Formel 1: Ferrari und Sebastian Vettel gehen ab 2021 getrennte Wege. Der 32-jährige Deutsche verlässt die Scuderia zum Ende dieser Saison nach sechs gemeinsamen Jahren. Wie geht es danach weiter für Vettel? Wer wird sein Nachfolger bei Ferrari? SPOX blickt auf die zentralen Fragen zur Trennung zwischen Ferrari und dem Heppenheimer.

1. Wie kam es zur Trennung zwischen Sebastian Vettel und Ferrari?

Wenn im Sport von einvernehmlichen Trennungen die Rede ist, ist Skepsis angebracht. Im Fall von Ferrari und Sebastian Vettel erscheint das allerdings glaubhaft. Wie Vettel durchklingen ließ, fehlte zuletzt die "perfekte Harmonie" zwischen allen Parteien. Es gebe daher keinen gemeinsamen Wunsch mehr, "über das Ende dieser Saison hinaus zusammenzubleiben".

Schon in den vergangenen Wochen war von stockenden Vertragsverhandlungen zwischen den beiden Parteien berichtet worden. Die Gazzetta dello Sport schrieb, dass Ferrari Vettel zunächst einen Einjahresvertrag angeboten haben soll, jedoch mit stark reduziertem Gehalt. Finanzielle Gesichtspunkte, so betonte Vettel, hätten bei der Entscheidung aber keine Rolle gespielt.

Zumindest war das Gehalt wohl nicht der Hauptgrund für die Trennung. Vor allem die Wertschätzung, auch unter dem Gesichtspunkt, dass mit Teamkollege Charles Leclerc erst kürzlich bis 2024 verlängert worden war, soll dem Heppenheimer zuletzt gefehlt haben.

Der ehemalige Formel-1-Chef Bernie Ecclestone sagte jüngst zu F1-Insider, Vettel sehe in Ferrari-Teamchef Mattia Binotto "nicht den Unterstützer, den er in seiner Situation braucht".

2. Warum konnte Vettel die Erwartungen bei Ferrari nicht erfüllen?

Der sportliche Status Vettels bei der Scuderia war längst nicht mehr unumstritten. Lediglich 14 Siege konnte der 32-Jährige in den fünf Jahren in Rot einfahren, auch der Traum von einem WM-Titel mit Ferrari wird nun wohl nicht mehr in Erfüllung gehen.

In den ersten beiden Jahren der Liaison mit Ferrari, 2015 und 2016, war Vettel chancenlos. Das Auto konnte schlichtweg nicht mit den hohen Standards von Konkurrent Mercedes mithalten.

Dann aber machte der italienische Rennstall große Sprünge, stellte zeitweise das schnellste Auto im Feld. Dennoch gelang Vettel nie der große Coup. Viele taktische und handwerkliche Fehler der Boxencrew sowie zum Teil eklatante Aussetzer Vettels verhalfen Mercedes und Hamilton immer wieder zu Siegen. 2017 scheiterte Vettel nach langem Kampf im direkten Duell mit Hamilton, 2018 dominierte der Engländer wieder deutlicher.

Vettels selbstverschuldete Fehler nahmen zu. Trotz des starken Autos konnte Vettel nicht die erwünschten Ergebnisse liefern. Das war wohl der Bruch mit dem Team und auch den Fans.

In der vergangenen Saison lief ihm Youngster Leclerc zusehend den Rang als Nummer eins im Team ab. In seinem ersten Ferrari Jahr fuhr der Monegasse zwei Siege und zehn Podestplätze ein - Vettel kam nur auf einen Sieg und acht Podestplätze. Auch in der WM-Wertung landete der Deutsche hinter Leclerc.

Sebastian Vettels bisherige Bilanz bei Ferrari

SaisonEndplatzierungPunkteSiege
201532783
201642120
201723175
201823205
201952401

3. Was bedeutet die Trennung für Sebastian Vettel?

Wo und ob Vettel seine Formel-1-Karriere fortsetzen wird, ist aktuell noch fraglich. Dennoch bieten sich dem Heppenheimer einige Optionen.

Von den Topteams bleiben neben Ferrari nur Mercedes und Red Bull noch übrig. Der Rennstall aus Österreich hatte eine Rückkehr Vettels zuletzt jedoch ausgeschlossen. Dort will man sich voll und ganz auf Max Verstappen als Zugpferd konzentrieren. Zwei Superstars kann oder will sich Red Bull, so ließ es Motorsport-Chef Helmut Marko verlauten, "aus ganz simplen monetären Gründen" nicht leisten. Ob es sich dabei um ein Nein für immer oder nur um einen Poker von Marko handelt, ist unklar.

Bleibt vorerst noch Mercedes, bei denen jedoch Weltmeister Lewis Hamilton noch unter Vertrag steht. Beide Alphatiere als Teamkollegen in einem Rennstall fahren zu lassen, darf als sehr unwahrscheinlich eingestuft werden. Zudem ist noch unklar, ob Mercedes 2021 überhaupt noch mit einem eigenen Werksteam Grand-Prix-Sport betreiben wird.

Mercedes-Teamchef Toto Wolff heizte dennoch nur wenige Stunden nach der Bekanntgabe Gerüchte um ein mögliches Engagement Vettels bei seinem Team an: "Mit Blick auf die Zukunft sind wir in erster Linie gegenüber unseren aktuellen Mercedes-Fahrern zu Loyalität verpflichtet, aber wir können diese Entwicklung natürlich nicht außer Acht lassen", sagte er gegenüber der dpa.

Zudem verteidigte er Vettel gegen die Kritik der vergangenen Monate und erklärte: "Sebastian ist ein großartiger Fahrer, eine große Persönlichkeit und für jedes Formel-1-Team eine Bereicherung." Auch für Mercedes?

Abseits der drei Top-Teams berichteten italienische Medien zuletzt von einem konkreten Angebot Renaults. Dort scheint Daniel Ricciardo nach einem erfolglosen Jahr die Lust auf eine Fortsetzung der Zusammenarbeit verloren zu haben. Die Franzosen ließen aber erst kürzlich anklingen, dass man lieber auf junges Talent als auf alternde Ex-Weltmeister setzen würde.

Die wahrscheinlich beste Gelegenheit bietet sich bei McLaren. Dort könnte - als Folge von Vettels Abschied bei Ferrari - ein Cockpit frei werden, da Carlos Sainz bei Ferrari hoch im Kurs stehen soll. Wird der Platz des Spaniers bei den Engländern frei, könnte Vettel nachrücken.

Der Heppenheimer gilt außerdem als guter Freund von McLaren-Teamchef Andreas Seidl. Ein Wechsel wäre zumindest in den Augen des ehemaligen Formel-1-Chefs Bernie Ecclestone logisch: "Sebastian sollte aufhören oder sich nach Alternativen für 2021 umsehen. McLaren, dann wieder mit Mercedes-Motoren, könnte so eine sein", sagte Ecclestone kürzlich gegenüber F1-Insider.

Im äußersten Fall könnte Vettel seine Rennhandschuhe aber auch ganz an den Nagel hängen. "Was in den letzten Monaten geschehen ist, hat viele von uns dazu veranlasst, darüber nachzudenken, was unsere wirklichen Prioritäten im Leben sind. Man muss seine Vorstellungskraft nutzen und einen neuen Ansatz für eine Situation wählen, die sich verändert hat", gab sich Vettel in Sachen Zukunftsplanung kryptisch. Er wolle sich jetzt die Zeit nehmen, die er braucht, "um darüber nachzudenken, was wirklich wichtig ist, wenn es um meine Zukunft geht".

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