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Formel 1

Ferrari stiftet munter Unruhe

Von Christoph Köckeis
Red-Bull-Erfolgsduo Christian Horner (r.) und Adrian Newey (l.) sind bei Ferrari heiß begehrt
© Getty

Red-Bull-Sportdirektor Christian Horner ist in Maranello gesichtet worden. Wildern die Italiener bei den Österreichern? Oder geht es eigentlich um einen anderen Erfolgsmacher? Ein Ösi-Duo soll die Silberpfeile wieder an die Spitze dirigieren. Timo Glock fällt einem Paydriver zum Opfer und Adrian Sutil bangt um seine zweite Chance.

"Top Secret"-Mission:

Ferrari kann es einfach nicht lassen. Mal wieder versucht die Scuderia die Idylle bei den roten Bullen zu stören. Im konkreten Fall wurde das Gerücht allerdings in Deutschland gestreut. "Motorsport-Total.com" möchte von einem Geheimtreffen erfahren haben. Demzufolge wurde RBR-Teamchef Christian Horner in der Zentrale Maranello gesichtet.

Dort soll es zu Sondierungsgesprächen mit Personalchef Mario Mairano gekommen sein. Über den Inhalt wurde nichts öffentlich. Man vermutet, dass Ferrari Adrian Newey ködern möchte. Seit geraumer Zeit befindet sich dieser auf der Watchlist.

In Italien genießt der Stardesigner hohes Ansehen, Fernando Alonsos Seitenhieb im harten WM-Duell bestätigte die Einschätzung. "Im Moment kämpfen wir vor allem gegen das Auto", gestand der Spanier. Ob er damit die Leistungen Sebastian Vettels schmälerte, sei dahingestellt. Er adelte zumindest Newey. Nicht zuletzt deshalb nimmt Ferrari den taktischen Umweg.

Horner und den Design-Papst verbindet eine Freundschaft, schenkt man Insider-Informationen Glauben, ist gar ihre Zukunft bei Red Bull aneinander gekoppelt. Bis 2014 sollen die Verträge laufen. Vorher wird man sie kaum loseisen können. Darüber hinaus scheint alles offen.

Womöglich lediglich eines von vielen Ablenkungsmanövern in der entscheidenden Vorbereitungsphase...

Fest steht aber: Stefano Domenicali ist bei den Roten nach mauen Jahren nicht unumstritten. Ferrari hat neben Horner wohl auch mit weiteren Kandidaten auf den Teamchef-Posten gesprochen.

Rot-weiß-rote Übernahme:

22 Jahre war Norbert Haug das Gesicht der Silberpfeile. Als früherer Sportjournalist setzte er zum beispiellosen Werdegang an. Bis das Projekt Mercedes GP an seiner Souveränität kratzte. Ein Grand-Prix-Erfolg in drei Jahren. Das Comeback von Rekordweltmeister Michael Schumacher missglückt. Für das Image ein beträchtlicher Schaden. Folglich räumte Haug seinen Posten.

Seit Montag ist die Nachfolge geklärt: Gestatten, Torger Christian "Toto" Wolff. Hierzulande nur Kennern der Szene bekannt, steht der Österreicher fortan dem Motorsport-Engagement der Daimler AG vor. Selbst passionierter Rennfahrer, investierte er einst in Internet- und Technologie-Unternehmen. Bestens vernetzt ist er in der PS-Welt.

Der 43-Jährige sitzt im Aufsichtsrat der HWR AG, welche Mercedes in der DTM vertritt, und hält Anteile am britischen Traditions-Rennstall Williams. Dort bleibt Wolff Großaktionär, das Amt des geschäftsführenden Direktors legte er indes nieder. Interessenskonflikte verneint er vehement. Wie Aufsichtsratschef und Landsmann Niki Lauda beteiligt er sich zudem als Minderheitsgesellschafter.

"Wir werden gemeinsam mit ihnen die Motorsportaktivitäten vorantreiben, um die Silberpfeile in die nächste Ära zu führen", betont Dieter Zetsche, Vorsitzender des schwäbischen Autobauers. Aufgrund der Ösi-Doppelspitze vermutet die "Bild" einen Machtkampf mit "Superhirn" Ross Brawn.

Anders als Vorgänger Haug wird Wolff jedenfalls sein Büro in der englischen Fabrik beziehen. "Ich möchte analysieren, warum es nicht gelaufen ist. Ross wird sich um den technischen Bereich, ich um den kommerziellen kümmern." Derzeit verhandelt man mit Paddy Lowe, Techniker bei McLaren. Nicht unbedingt ein Vertrauensbeweis.

Zahlen statt bezahlt werden:

27. September 2009, Grand Prix von Singapur: Timo Glock fuhr mit Toyota auf Rang zwei. Es sollten die letzten WM-Punkte bleiben. Der japanische Hersteller verkündete seinen Rückzug aus der Königsklasse. Plötzlich war der Hesse arbeitslos. Trotz guter Ergebnisse. Bei Virgin Racing und später Marussia, einem Quereinsteiger, fanden sich schließlich Cockpits.

Nach drei Jahren mühseliger Entwicklung aber erfolgte Glocks überraschendes Aus bei Marussia: "Ich hatte eine tolle Zeit und die Chance, mich an den Bemühungen zu beteiligen. Obwohl es nicht der Weg ist, den ich erwartet hatte, freue ich mich auf meine zukünftigen Karrierechancen", reagierte er erstaunlich gelassen.

Für 2013 bestand ursprünglich ein Übereinkommen, das in beiderseitigem Einvernehmen aufgelöst wurde. Obwohl Glock noch Ende vergangenen Jahres jegliche Spekulationen abblockte: "Weil ich Vertrag habe und die Teams das respektieren." Die klammen Kassen gefährdeten schon damals die Planung.

Während ein Gros der Nachzügler auf Piloten angewiesen sind, die das nötige Kleingeld mitbringen, wurde der 30-Jährige für seinen Job fürstlich entlohnt. Nun muss er einem Paydriver weichen. Der Schmerz darüber hält sich in Grenzen. Glock hat bei BMW einen Drei-Jahres-Vertrag unterschrieben und testet bereits in Valencia.

Kurios: Eine Gratulation via Twitter durch BMW-Werksfahrer Dirk Müller ließ die Bombe vorzeitig platzen: "Willkommen im Club", hieß es da. Die Antwort: "ppssss danke."

Warten bei Force India:

Wochenlang war es ein offenes Geheimnis: Adrian Sutil kehrt zurück in die Formel 1. Nachdem ein Disco-Eklat mit anschließender Verurteilung zu 18 Monaten Bewährung die Karriere fast zerstörte, schien der 29-Jährige wieder bei Force India unterzukommen. Bei den Indern saß er von 2008 bis 2011 hinter dem Steuer, erarbeitete sich eine glänzende Reputation im Business.

Doch um die heiße Aktie wurde es still. Mitunter durch den eingangs erwähnten Zwischenfall: "Alle Probleme sind erledigt. Es wäre ein Neuanfang", gab Sutil im Dezember zu Protokoll. Seither nichts Neues. Zwar hält sich hartnäckig die These, er habe längst unterschrieben. Mit der Bekanntgabe wartet man aber ab.

Warum, darüber gehen die Meinungen auseinander. Im Zentrum, wie bei Marussia und Caterham, die monetäre Komponente. Milliardär Vijay Mallya wird mit einem Verkauf in Verbindung gebracht. Trotzdem versichert das Umfeld, dass die Wirtschaftskrise einiger seiner Unternehmen keinerlei Folgen auf den Geschäftszweig Motorsport hat.

Teamchef Robert Fernley erklärte, die endgültige Fahrerpaarung "wahrscheinlich vor dem ersten Test" zu verkünden. Finanziell betrachtet, wäre Sutil eine gewinnbringende Lösung. Er bringt wie in der Vergangenheit Sponsorenmillionen mit. Im Gegenteil zu Paul di Resta. Weshalb zuletzt der eigentlich gesetzte Brite angezweifelt wurde.

Der Formel-1-Kalender im Überblick

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