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Formel 1

"Nico kann die Welt erobern"

Von Interview: Alexander Mey
rosberg, nico, sonne
© Getty

München - Keke Rosberg ist zurück in der Formel 1. Nicht dass der Weltmeister von 1982 jemals wirklich weg gewesen wäre, immerhin war er bis Ende 2007 Manager seines Sohnes Nico. Aber in der kommenden Saison wird er als Premiere-Experte den Teams und Fahrern genau auf die Finger schauen. 

Vor allem natürlich Nico Rosberg. "Ich glaube, das hat er noch gar nicht realisiert. Ich bin mal gespannt, wie er nach den ersten kritischen Worten reagiert", scherzt Rosberg im Interview mit SPOX.com.

Doch Rosberg kann seinen Sohn nicht nur kritisieren. Er ist auch prädestiniert dafür, ein detailliertes Charakterbild des momentan hoffnungsvollsten deutschen Formel-1-Talents zu zeichen. Was macht Nico so stark? Wo liegen auf dem Weg zum Titelkandidaten noch seine Schwächen? Wie groß ist die Gefahr, dass er die Bodenhaftung verliert?

Wir wollten es genau wissen.

SPOX: Herr Rosberg, Experte für die Formel 1: Was reizt Sie daran?

Keke Rosberg: Mich reizt es ganz einfach, bei den Rennen vor Ort zu sein. Um das tun zu können, brauche ich eine Aufgabe. Ich kann nicht als nichts tuende Dekoration dahin gehen.

SPOX: Sie könnten als Vater von Nico hingehen.

Rosberg: Nein, bloß das nicht! Einen Vater im Motorhome, der nichts anderes zu tun hat als zu sehen, was der Sohnemann so treibt - genau das braucht Nico nicht.

SPOX: Wie hart und wie gerecht wird der Experte Rosberg sein?

Rosberg: Hart würde ich nicht sagen. Ich werde einfach das sagen, was ich weiß und was ich denke. Ob das dann hart ist, ist für mich zweitrangig.

SPOX: Werden Sie ihren Sohn Nico kritischer beurteilen als andere Fahrer?

Rosberg: Die Gefahr besteht, denn man versucht als Experte mit allen Mitteln, objektiv zu sein, obwohl man sich als Vater natürlich im Herzen nie komplett emotional abkoppeln kann. Dann denkt jeder Zuschauer: Jetzt ist sein Sohn da und er kann nicht mehr objektiv sein. Für Nico wäre es besser gewesen, er wäre Zahnarzt geworden, dann wäre unser Verhältnis einfach. Wir könnten uns uneingeschränkt unsere Liebe schenken (lacht).

SPOX: Werden Sie Nicos härtester Kritiker sein?

Rosberg: Das traue ich mich nicht. Das sorgt für keinen guten Familienfrieden.

SPOX: Wie hat Nico die Nachricht aufgenommen, dass Sie ihn ab sofort als Experte beurteilen werden?

Rosberg (lacht): Ich glaube, das hat er noch gar nicht realisiert. Ich bin mal gespannt, wie er nach den ersten kritischen Worten reagiert.

SPOX: Ist Nico erwachsen geworden?

Rosberg: Er hat sich eigentlich ganz normal entwickelt. Wenn man wie er als jüngster Fahrer in die Formel 1 kommt, erlebt man einen ganz natürlichen Reifeprozess. Denn die Formel 1 ist eine ganz andere Liga im Vergleich zu allem, was ein Rennfahrer vorher erlebt. Das wird in diesem Jahr auch ein Timo Glock erleben. Die Formel 1 hat eigene Gesetze. Schon zu meiner Zeit hat man gesagt, dass man zweieinhalb Jahre braucht, um aus einem Neuling einen GP-Sieger zu machen. Daran hat sich wenig geändert, glaube ich.

SPOX: Das Berufsbild hat sich aber deutlich verändert.

Rosberg: Natürlich. Mit all den Medien und PR-Terminen kommen die Fahrer in eine völlig andere Welt, die hundertmal komplizierter ist als die unsere. Darauf werden die Piloten zwar auch viel besser vorbereitet, aber die Hürde ist noch genauso hoch wie zu meiner Zeit.

SPOX: Würde es Ihnen heute noch genauso viel Spaß machen wie früher?

Rosberg: Wenn ich sehe, wie die jungen Fahrer heute ackern, um konditionell auf der Höhe zu sein, bin ich mir da nicht so sicher. Ich weiß noch, wie Nico zu seiner Anfangszeit in der Formel 3 gefragt hat, was er denn wohl zwischen den Rennen machen solle - da hatte er noch keine Ahnung, wo die Reise hingeht. Die Fahrer haben null Freizeit. Wenn sie einmal nicht im Auto sitzen, haben sie PR-Termine oder müssen sich fit halten. Und auch der Winter ist mit allen Testfahrten unglaublich intensiv geworden. Dazu müssen die Fahrer in diesen Monaten noch die Kondition aufbauen, von der sie dann die Saison über zehren.

SPOX: Fragt Sie Nico um Rat?

Rosberg: Nein. Ich traue mich nicht, ihm Ratschläge zu geben, und er fragt nicht. Er ist jetzt so weit in seiner Entwicklung, da kann ich nicht mehr helfen.

SPOX: Ist Nico charakterlich auf den Rummel um seine Person vorbereitet?

Rosberg: Der große Vorteil, den er hat, ist, dass er in einer Weltmeister-Familie groß geworden ist. Er kennt das Geschäft. Bei uns zuhause gingen Ron Dennis oder Mika Häkkinen ein und aus. Der Hype ist ihm nicht fremd. Es ist zwar etwas anderes, wenn man selbst mittendrin ist, aber ich denke, er hat sehr gute Voraussetzungen, um damit fertig zu werden. Er wird nicht abheben, und das ist das Wichtigste. Wenn er so bleibt, wie er ist, kann er die Welt erobern. Wenn er sich aber so verändert wie viele andere in der Formel 1, dann gute Nacht.

SPOX: Dann wären Sie gefordert, um ihn wieder auf den Boden zurückzuholen.

Rosberg: Ich glaube nicht, dass Elternteile das können. Ich glaube aber auch nicht, dass das bei Nico ein Problem wird.

SPOX: Wo liegen seine größten Stärken?

Rosberg: Er ist wahnsinnig fleißig, das ist seine größte Stärke. Talent haben alle, die Formel 1 fahren. Aber Nico ackert so viel, das habe ich noch nie gesehen.

SPOX: Welche Schwächen hat er noch?

Rosberg: Er ist jung. Es gibt schon noch einen großen Unterschied zu einem Michael Schumacher zum Beispiel. Junge Fahrer sind nicht so belastbar wie Piloten im Alter von 28 oder 29 Jahren. Das kann man nicht ändern, das ist der normale Lauf der Dinge.

SPOX: War es nach allen Gerüchten um einen möglichen Wechsel zu McLaren-Mercedes die richtige Entscheidung, bei Williams zu bleiben?

Rosberg: Es war die einzige Entscheidung. Nico hatte einen Vertrag bei Williams und Frank Williams hat ziemlich früh gesagt: Der Vertrag wird erfüllt.

SPOX: Wäre es für Nicos Karriere gut gewesen, das direkte Duell mit Lewis Hamilton zu suchen?

Rosberg: Prinzipiell ist es sicher keine Strafe, bei McLaren-Mercedes angestellt zu sein, egal, wie der Fahrer im anderen Auto heißt. Alles hat seine guten und seine schlechten Seiten. Wichtig ist nur, dass die guten Seiten überwiegen.

SPOX: Hätte er es mit Hamilton aufnehmen können?

Rosberg: Ganz sicher. Die beiden waren ja schon in meinem Kart-Team Kollegen.

SPOX: Was erhoffen Sie sich von der neuen Saison?

Rosberg: Ich hoffe, dass es irgendeinem Team gelingt, in die Vierergruppe der Ferrari- und McLaren-Fahrer einzudringen. Das kann eigentlich nur BMW-Sauber sein. Sonst sehe ich keinen, auch nicht Red Bull, obwohl die sehr stark sind.

SPOX: Was stört Sie am meisten an der Formel 1?

Rosberg: Die Politik. Aber die hat mich immer schon gestört. Das ist mein 30. Formel-1-Jahr, und Politik hat es immer gegeben. Anscheinend gehört das dazu.

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