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Basketball

Fener überrennt desolaten FCB

Jan Vesely und Co. waren eine Nummer zu groß für Alex Renfroe (l.) und den FC Bayern

Der FC Bayern (2-4) kommt in der Turkish Airlines Euroleague zuhause gegen Fenerbahce (5-1) mächtig unter die Räder und verliert nach einem katastrophalen ersten Viertel mit 67:84. Die Bayern stehen nach 6 Spieltagen damit auf dem fünften Platz in Gruppe A.

Der deutsche Vizemeister erwischte einen desolaten Start in die Partie und lag schon nach einem Viertel mit 20 Punkten hinten - ein Rückstand, der sich in der Folge als zu hoch für ein Comeback erwies. Vor allem Bobby Dixon sorgte mit 16 Punkten allein im ersten Viertel für den Blitzstart der Türken, am Ende stand der Point Guard bei 25 Zählern (7/13 3FG!) und war damit Topscorer für Fener. Auch Luigi Datome (17), Pero Antic und Ekpe Udoh (beide 10) punkteten zweistellig.

Für Bayern waren Nihad Djedovic (16), Paul Zipser, K.C. Rivers und Bryce Taylor (alle 10) noch die effektivsten Punktesammler, dennoch enttäuschte fast jeder der Leistungsträger. Nach dieser über weite Strecken peinlichen Vorstellung steht der FCB nun bei einer 2-4-Bilanz und braucht nun schon eine massive Steigerung, um die Chance aufs Top 16 noch irgendwie zu realisieren.

Am kommenden Donnerstag gastieren die Münchner bei Khimki Moskau. Fener hingegen ist mit 5-1 klar Gruppenerster und könnte mit einem Heimsieg in der kommenden Woche gegen Strasbourg schon alles klar machen.

Die Reaktionen:

Svetislav Pesic (Coach Bayern): "Gratulation an Istanbul. Sie haben den Ball exzellent bewegt, jeden Wurf getroffen. Ich habe noch kein Team erlebt, das die ersten zehn Minuten so gut gegen uns gespielt hat wie Fenerbahce heute Abend. Das war wie aus einer anderen Welt. Wir sind dann aufgewacht und haben uns verbessert, aber das Spiel haben wir in den ersten zehn Minuten verloren. Wir haben danach allerdings nicht aufgegeben und haben weiter gekämpft, das ist positiv."

Bryce Taylor (Bayern): "Wir haben das Spiel heute im ersten Viertel verloren. Fenerbahce hat von Anfang aggressiv aufgespielt und wir haben nicht unseren Rhythmus gefunden."

Zeljko Obradovic (Coach Fenerbahce): "Zuerst möchte ich beiden Fan-Gruppen gratulieren. Sie haben dem Spiel einen großartigen Rahmen gegeben, das ist sehr gut für den Basketball. Es war offensichtlich, dass wir sehr gut begonnen haben. Wir haben sehr aggressiv verteidigt und den Ball, besonders im ersten Viertel, sehr gut bewegt. Auch unsere Trefferquote im ersten Viertel war außergewöhnlich und ist sicher nicht normal. Ich wusste, dass die Bayern mit Trainer Pesic ein Team sind, das bis zum Ende kämpft, und so war es auch. Allerdings hat man den Bayern das Fehlen von Dusko Savanovic angemerkt."

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Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Tip-Off: Aufgrund der Terror-Anschläge in Paris wird vor der Partie wie bei allen Euroleague-Spielen dieser Woche eine Schweigeminute eingelegt.

Savanovic fehlt mit Knieproblemen, ansonsten sind die Bayern aber vollzählig: Es starten Renfroe, Taylor, Djedovic, Thompson und Bryant. Obradovic schickt zunächst Dixon, Kalinic, Datome, Udoh und Vesely auf den Court, der übliche Starting Point Guard Sloukas muss aussetzen.

3.: Ganz schlechter Start für Bayern. Kalinic punktet locker nach einem Backdoor-Cut, dann fängt Vesely den Einwurf (!) ab und stopft. Der erste echte Bayern-Angriff endet in einer Shotclock Violation, Vesely drückt auf der anderen Seite den Jumper rein. Dann setzt Dixon nach... 11:0 Fener!

5.: Das gibt's doch nicht! Bayern verteidigt wie eine überforderte Schulmannschaft. Die Pick'n'Roll-Defense passt überhaupt nicht - Dixon steigt schon wieder offen zum Dreier hoch und erzielt seine Punkte 9, 10 und 11. 19:6 Fener.

10.: Das war eines der schlechtesten Viertel, die man von Bayern seit langem gesehen hat - und gleichzeitig ein richtig gutes für die Türken. Vesely räumt Micic nochmal ab. Es steht 30:10! Pesic ist völlig bedient.

14.: Immerhin: Die Bayern-Offense ist nicht mehr völlig erbärmlich, Zipser trifft aus der Mitteldistanz. Defensiv ist der deutsche Vizemeister aber immer noch offen wie ein Schweizer Käse. Antic ist in der Ecke offen und netzt zum 41:19 ein.

20.: Bayern wird offensiv langsam zumindest kompetent, während Fener jetzt auch mal ein paar seiner diversen offenen Dreier danebenwirft. Udoh legt aus der Mitteldistanz trotzdem nochmal 2 Punkte nach und erhöht auf 50:30. Wow.

24.: Taylor trifft einen Dreier, dann holt Bayern ausnahmsweise mal einen Stop - obwohl sie erneut 2 Offensiv-Rebounds zulassen. Djedovic trifft dann auch endlich mal seinen ersten Wurf. 55:37 für die Gäste.

28.: Bayern knabbert am Comeback, leistet sich dann aber immer wieder blöde Fehler. Diesmal wirft Micic den Ball ins Aus, dann stopft Datome mit Foul - und auch der Freebie sitzt. 65:43.

32.: Hier passiert nicht mehr viel - Fener lässt sich im Angriff nun mehr Zeit und kommt trotzdem noch zu guten Abschlüssen. Antic netzt zum 71:48 ein.

38.: Die Garbage Time dauert heute mal ziemlich lange - im Prinzip fast die ganze zweite Halbzeit. Weil es so schön war, drückt Dixon seinen siebten Dreier der Partie rein - unfassbar. 80:61.

FC Bayern vs. Fenerbahce: Hier geht's zum BOXSCORE

Der Star des Spiels: Luigi Datome. Der Italiener mausert sich bei seinem neuen Team immer mehr zum Leader. In den entscheidenden Phasen wird Datome gesucht und in dieser Partie konnte er immer wieder liefern: Als Scorer, beispielsweise mit einem Dagger-Dreier im dritten Viertel, als Rebounder (5 Boards) und vor allem auch als Ballverteiler (6 Assists). Bockstarke Vorstellung des früheren Celtics. Ebenfalls überragend: Bobby Dixon.

Der Flop des Spiels: Alex Renfroe und John Bryant. Zwei Starter, zwei Leistungsträger - zwei Totalausfälle. Bryant war vor allem mit der Athletik seiner Gegenspieler völlig überfordert und kam in der Defense immer wieder zu spät. In der zweiten Halbzeit ließ ihn Pesic daher fast komplett draußen. Und auch von Renfroe war nichts zu sehen - der Aufbau kämpfte mit Foulproblemen und war auch in der Defense nicht so stark wie gewohnt.

Das fiel auf:

  • Fener nahm die Bayern zu Beginn mit einfachsten Mitteln auseinander. Die kräftigen Big Men Udoh oder Vesely stellten gute Blöcke, an denen Gavel oder Renfroe regelmäßig hängen blieben, Hilfe kam von Bryant oder Thompson nicht schnell genug. Dadurch musste Dixon bloß einen Schritt zur Seite machen und dann abdrücken. Da seine Quote zu Beginn des Spiels schlichtweg überragend war, stand er mit unter anderem vier Dreiern schon nach 6:30 Minuten (!) bei 16 Punkten.
  • Setzten Dixon oder auch Datome dann doch mal einen Wurf daneben, hatte Bayern auch beim Rebound größte Probleme - ein altes Thema. Die Athletik von Udoh und Vesely war wieder und wieder zu viel für Bayerns Bigs, zumal bei denen auch die Körpersprache nicht stimmte - sauberes Ausblocken suchte man vergeblich. Obwohl Pesic schon früh die ersten Auszeiten nahm, bekam sein Team einfach keinen Fuß auf den Boden.
  • Offensiv agierten die Bayern von Beginn an mut- und auch planlos. Man sah kaum Bewegung abseits des Balls oder Penetration, nicht einmal Pick'n'Rolls wurden konsequent gespielt. Als Folge endeten diverse Angriffe in Ballverlusten oder erzwungenen Würfen, die von den Herren Vesely und vor allem Udoh nur zu gerne aus der Luft gepflückt wurden.
  • Als Bayern im zweiten Viertel dann offensiv endlich besser ins Spiel fand, bestand so eben schon ein mächtiges Loch, aus dem man sich hätte herausgraben müssen - und dafür blieb die Defense einfach zu schlecht. Es war unglaublich, wie oft Fener weit offene Dreierwürfe bekam, indem sie einfach nur zwei, drei schnelle Pässe spielten. Sie waren gedanklich immer wieder zwei Schritte voraus. Die Dreierquote war am Ende mit 43 Prozent (14/32) sogar noch verhältnismäßig schwach, wenn man bedenkt, wie frei die meisten Versuche waren.
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