Fussball

Red-Bull-Salzburg-Trainer Jesse Marsch: "Nicht ein Spieler hat seine normale Leistung gebracht"

Von APA
Red-Bull-Salzburg-Coach Jesse Marsch

Red Bull Salzburg befindet sich in einer ungewohnt schwierigen Phase. Nach zwei Niederlagen in Folge sind sowohl die Tabellenführung in der Bundesliga als auch das Gros der Aufstiegschancen in der Europa League dahin. Kleine Hoffnungen machen sich die Bullen nach der 1:4-Pleite am Donnerstag bei Eintracht Frankfurt vor dem Rückspiel nächste Woche aber noch.

Primär sind die Salzburger nach ihrem Fehlstart ins neue Jahr aber mit sich selbst beschäftigt. "Unsere Leistung war nicht unser Maximum. Nicht ein Spieler auf dem Platz hat seine normale durchschnittliche Leistung gebracht", meinte Trainer Jesse Marsch. "Wir müssen überlegen, was unser nächster Schritt ist." Der US-Amerikaner verortete das Problem eher im Kopf als in den Beinen. "Wir müssen besser spielen und mutiger sein. Normalerweise ist das seine sehr mutige Gruppe."

DatumHeimGastErgebnis
20.02.2020Eintracht FrankfurtRed Bull Salzburg4:1 (2:0)
27.02.2020Red Bull SalzburgEintracht Frankfurt21.00 Uhr

Das Vertrauen in die eigenen Stärken scheint angeknackst. Frankfurt entzauberte das bedingungslose Pressing der Bullen, überspielte die erste Linie schnell und fand dann riesige Räume vor. Die vielen Gegentore - sieben in den jüngsten zwei Spielen - machte Marsch nicht nur an der überfordert wirkenden Abwehr fest. "Mit unserer Idee von Fußball geht es nicht nur um die letzte Kette, es ist die ganze Mannschaft."

Jesse Marsch fordert "Männer"

Diese gilt es wieder aufzurichten. "Wir brauchen in diesem Moment Männer", betonte Marsch. Für die Probleme sieht er sich selbst mitverantwortlich. "Ich bin auch mit mir selbst nicht zufrieden." Niederlagen als Salzburg-Trainer kannte der 46-Jährige bis vergangene Woche nur aus der Champions League. Im neuen Jahr scheint die Leichtigkeit dahin. Von den jüngsten fünf Pflichtspielen wurde nur eines - im Cup beim Zweitligisten Amstetten (3:0) - gewonnen.

"Wir müssen gewisse Dinge ändern und wieder zu unserem Fußball zurückkommen", forderte Salzburgs Sportdirektor Christoph Freund. Jeder Spieler müsse sich nach dem Auftritt in Frankfurt selbst hinterfragen. "So wie wir derzeit auftreten als Mannschaft waren wir nicht unbedingt tauglich, dass wir hier weiterkommen. Aber das ist auch nicht das wahre Gesicht unserer Mannschaft. Wir haben viel mehr Qualität."

Die Rückschläge sieht Freund als Teil des Entwicklungsprozesses seiner jungen, im Winter erneut stark veränderten Mannschaft. "Davon wird man erwachsen, daran werden wir wachsen." Trotz der Abgänge von Erling Haaland, Takumi Minamino und Marin Pongracic habe man eine "richtig gute Mannschaft" zur Verfügung. "Jetzt wollen wir zusammenstehen. Wir haben uns ein sehr stabiles Gerüst aufgebaut beim Verein, daher bin ich überzeugt, dass uns das nicht umhaut."

Christoph Freund: "Im Fußball ist schon vieles passiert"

Die Chance auf den Einzug ins Europa-League-Achtelfinale ist - realistisch betrachtet - allerdings nur noch klein. "Wenn wir so auftreten, ist es nicht zu drehen. Aber im Fußball ist schon vieles passiert", sagte Freund. Das Auswärtstor durch einen späten Elfmeter von Hwang Hee-chan lässt zumindest hoffen. "Mit einem 3:0 sind wir weiter. Die Chance lebt noch", sagte Torhüter Cican Stankovic. "Wir brauchen einen guten Start in Salzburg", ergänzte Marsch. "Aber wichtiger ist eine gute Leistung."

Von einer solchen war man in Frankfurt meilenweit entfernt. "Wir waren nicht scharf genug im Umschalten", kritisierte Marsch. Dazu kassierte man wieder ein Gegentor nach einem Einwurf - im Ligaschlager gegen den LASK (2:3) waren es sogar zwei gewesen. "Frankfurt war mit fast jedem Einwurf gefährlich", sagte Marsch. Auch Stankovic ärgerte sich darüber, sei doch in der Vorbereitung extra auf dieses Thema hingewiesen worden.

Der ÖFB-Teamtorhüter will den Kopf aber nicht in den Sand stecken. Am Sonntag (17.00 Uhr) gastiert sein Team bei der Wiener Austria. "Es läuft jetzt nicht gut. Wir bekommen viele Gegentore", erklärte Stankovic. "Wir durchleben zum ersten Mal so eine Phase. Wir müssen jetzt ruhig bleiben und dürfen uns nicht gegenseitig fertigmachen. Es ist eine sehr wichtige Phase für uns."

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