WWE Survivor Series 2018 - Analyse: Demontage auf hohem Niveau

Von Maurice Kneisel
Der frisch gekrönte WWE Champion Daniel Bryan forderte bei den Survivor Series Brock Lesnar.

Im Staples Center von Los Angeles, Kalifornien stieg mit den Survivor Series vergangene Nacht der finale Big-4-PPV des Jahres 2018. Im Fokus stand dabei das Kräftemessen zwischen Raw und SmackDown. Neben diversen traditionellen Survivor Series-Matches kam es auch zum Aufeinandertreffen der World Champs Brock Lesnar und Daniel Bryan. Weiterhin standen sich Raw Women's Champion Ronda Rousey und Charlotte Flair in Vertretung der verletzten Becky Lynch gegenüber.

10-on-10 Tag Team Traditional Survivor Series Elimination Match (Kickoff Match)

Sieger: Team SmackDown (The Usos als Sole Survivor). Trotz der sehr unterschiedlich starken Besetzung und der seit WrestleMania deutlich stärker präsentierten SmackDown Tag Team Division wurden beide Teams hier überraschend gleichwertig präsentiert. Der logische Schritt wäre nun, der Raw Division auch in den Wochenshows endlich mehr Raum zu bieten und insbesondere The Revival, die bis zum Schluss durchhielten und sogar The New Day eliminieren durften, endlich ihrem Talent entsprechend zu booken, statt sie mit belanglosen Start-&-Stop-Pushes lächerlich zu machen. Zumindest Jimmy & Jey sollten nach ihrem Sieg nun wieder in das Titelrennen zurückkehren.

Women's 5-on-5 Traditional Survivor Series Elimination Match

Siegerinnen: Team Raw (Nia Jax als Sole Survivor). Im Kickoff wurde noch mal munter an der Besetzung gefeilt: Mandy Rose füllte erwartungsgemäß den fünften Spot bei Team SmackDown, während nach einem Locker Room Brawl zwischen Natalya und Ruby Riott beide von Alexa Bliss durch Sasha Banks und Bayley ersetzt wurden. Jax wurde beim Entrance bereits in Grund und Boden gebuht, die aufgrund der Verletzung von Becky Lynch wütenden Fans machten mächtig Lärm und das gesamte Match über Stimmung gegen den Ex-Champ. Die WWE nutzte das Match, um Nia als Heel weiter over zu bringen, sie pinnte nicht nur am Ende Asuka, sondern verursachte zuvor auch das Ausscheiden ihrer Partnerin Sasha Banks, indem sie sie vom Top Rope direkt in den Asuka Lock schubste. Somit dürfte Jax als nächste Herausforderin für Rousey bei Raw feststehen, während die Empress of Tomorrow immerhin wieder etwas stärker dargestellt wurde und als nächste Herausforderin für Lynch Sinn ergeben würde.

Intercontinental Champion Seth Rollins vs. United States Champion Shinsuke Nakamura

Sieger: Seth Rollins. Kein Eingreifen von Dean Ambrose und entsprechend auch keine Chance für Nakamura. Das Match war erwartungsgemäß hochklassig, hat letztlich aber weder Nakamura - der jede Form von Push dringend gebraucht hätte - noch die Rollins vs. Ambrose Fehde vorangebracht. Wo die Logik sein soll, ausgerechnet den Lunatic Fringe, in seiner Promo bei Raw neulich noch großartig präsentiert, weder bei Crown Jewel noch bei den Series eingreifen zu lassen, wird nur die WWE wissen. Nun muss man die Fehde im Hinblick auf TLC in den Wochenshows dringend weiter aufbauen, während Nakamura bei SmackDown im Zweifel trotz seines US-Titels bei SmackDown wieder in der Belanglosigkeit verschwinden wird, bis man den Titel an jemand anderen weiterreicht.

Raw Tag Team Champions AOP vs. SmackDown Tag Team Champions The Bar (w/ Big Show)

SIeger: AOP. Ein wichtiger Sieg für Akam&Rezar, die nach ihrem Push aus dem Nichts diesen Erfolg gegen ein etabliertes Team dringend gebraucht haben, bevor sie sich wieder der schwach wirkenden Raw Tag-Division zuweisen. Mit dem Revival sowie Gable&Roode hat man immerhin zwei Teams an diesem Abend etwas stärker dargestellt, die zukünftig auf die AOP treffen dürften. The Bar werden derweil in Bälde auf The Usos treffen und ihre Titel sicherlich über kurz oder lang an die Zwillinge weiter reichen.

Die interessantere Story spielte sich allerdings im Publikum ab, wo Ex-WWE-Superstar Enzo Amore auftauchte, die Halle dazu brachte, seine alten Catchphrases zu chanten und anschließend vor der Security flüchtete. Dabei rannte er eine Frau um, die sich dabei am Arm verletzte. Amore hat mittlerweile Eintrittsverbot für das Staples Center erhalten und dürfte sich zudem einer Klage des Opfers gegenübersehen.

WWE Cruiserweight Champion Buddy Murphy vs. Mustafa Ali

Sieger und weiterhin Cruiserweight Champion: Buddy Murphy. In einem erwartungsgemäß hochklassigen Match durfte Murphy tatsächlich seinen Titel verteidigen, während Ali endgültig Cedric Alexanders Rolle als populärer Ultimate Underdog, der den Big One einfach nicht gewinnen kann, geerbt hat. Mustafas Jagd nach dem Titel sollte bei 205 Live weiter gehen und über kurz oder lang wird er den Australier wohl entthronen - einfach, weil er zu talentiert und populär ist, um keinen Run zu erhalten.

Men's 5-on-5 Traditional Survivor Series Elimination Match

Sieger: Team Raw (Survivor: Braun Strowman, Drew McIntyre & Bobby Lashley). Es folgte die deutlichste Demontage des Abends. Trotz Animositäten im Raw-Team zerlegte die rote Truppe ihre Gegner komplett und insbesondere Strowman sowie McIntyre wurden als unbesiegbare Monster gebookt. Samoa Joe flog nach seinem Push gegen AJ Styles in den letzten Monaten hier traurigerweise gleich als Erster raus, selbst für die Eliminierung von Bálor benötigte SmackDown die Animositäten zwischen Finn und Drew, der das Tag verweigerte und sich dafür einen Kick an den Kopf einfing. Am Ende eliminierte Braun Miz, Rey Mysterio, Jeff Hardy und Shane McMahon nacheinander, um den Squash perfekt zu machen. Lashley war auch anwesend, aber gewohnt irrelevant. Für Strowman war es nach den diversen Niederlagen gegen Lesnar mal wieder eine Monster-Performance, sein Booking ist weit weg von konsequent. Nach dem Match wurde das Monster among Men erneut von Baron Corbin attackiert, um deren Match bei TLC weiter aufzubauen.

Raw Women's Champion Ronda Rousey vs. Charlotte Flair

Siegerin per Disqualifikation: Ronda Rousey. Nach einem starken Match füllte Flair die Rolle aus, die vor ihrer Verletzung wohl für Becky Lynch geplant war: Sie tickte völlig aus und prügelte zunächst mit Kendo Sticks auf ihre Gegnerin ein. Anschließend verpasste sie Ronda Natural Selection auf einen Stuhl, bevor sie die hinzugeeilten Referees ausknockte und noch einen Knee Drop auf die mit dem Hals in einem Stuhl eingeklemmte Gegnerin folgen ließ. Nach ihrem Heel Turn steht Charlotte nun endgültig auf Lynchs Seite, was die kommenden Monate bei SmackDown sehr interessant gestalten dürfte, denn ein Face-Gegengewicht ist nach der monatelangen Demontage von Asuka kaum mehr zu erkennen. Gleichzeitig sollte es auch das Ende der Lynch/Flair-Fehde bedeuten und ein weiterer Schritt im Aufbau der geplanten Horsewomen vs. Horsewomen-Fehde darstellen. Für Rousey setzte es einige Buhrufe während des Matches und die WWE muss bei Raw gewaltig aufpassen, wenn sie die befürchtete X-Pac-/Roman-Heat für ihr neues Aushängeschild noch vermeiden will. Jax als nächste Gegnerin sollte hier aber sehr hilfreich sein.

Universal Champion Brock Lesnar vs. WWE Champion Daniel Bryan

Sieger: Brock Lesnar. Lesnar gewann letztlich per F-5, doch dem voraus ging ein Match, das völlig anders verlief als erwartet. Schon beim Entrance provozierte Bryan seinen Gegner und wirkte so, als können er es nicht erwarten. Nach weiteren Provokationen zu Matchbeginn folgte dann ein minutenlanger brutaler Beatdown durch Lesnar, der Bryan nach dem ersten F-5 selbst wieder aus dem Pin rausholte, bevor Bryan einen weiteren F-5 stand, dabei den Referee ausknockte, seinem Gegner einen Low Blow verpasste und ihn anschließend per Running Knee niederstreckte. In der Folge entstand ein extrem spannendes, stark gebooktes Match, das Lesnar letztlich aber doch noch für sich entscheiden konnte. Bryan hat hier nichtsdestotrotz definitiv gepunktet und wirkt nach seinem überraschenden Titelgewinn als Heel deutlich stärker, während Lesnar für das geplante nächste Match gegen Strowman beim Royal Rumble immerhin verletzbar wirkt.

Fazit

Eine komplette Demontage für SmackDown! Es wurde der dritte Sieg im dritten Jahr in Serie für den roten Brand, der per Grafik am Showende sogar als 6-0 Sweep präsentiert wurde. Wie üblich versuchte die WWE hier, ihre Zuschauer für dumm zu verkaufen, da SmackDown das Tag-Match im Kickoff gewonnen hat. Wenn dieses nicht einmal in die Wertung einfließt, zeigt das noch einmal deutlich, wie belanglos die Kickoff-Show tatsächlich ist. Wie dem auch sei, durch das Ergebnis wird Corbin jedenfalls gestärkt aus dem PPV heraus gehen, während Paige und der "Best in the World" Shane McMahon bei SmackDown einigen Erklärungsbedarf haben werden.

Man könnte dies nutzen, um beim Blue Brand den GM zu tauschen, doch im Zweifelsfall wird das Ganze einfach genutzt, um Shane weiter als Heel aufzubauen. Die Show wusste insgesamt trotz der deutlichen Darstellung pro Raw aber positiv zu überraschen, insbesondere der spannende Main Event zwischen Lesnar und Bryan sowie die starke Darstellung des WWE Champs waren so nicht absehbar. Rousey vs. Flair war ebenfalls stark gebookt und bringt mit dem Heelturn von Charlotte zusätzliche Spannung in die kommenden Monate. Hinzu kommen die erwartungsgemäß hochwertigen Matches zwischen den Midcard-Champs sowie den Cruiserweights.

Die extrem schwache Darstellung diverser SmackDown-Stars, wie Samoa Joe und Naomi, die früh ausschieden, hinterlässt zwar einen bitteren Nachgeschmack, doch angesichts der katastrophal schwachen letzten Wochen sind die Survivor Series ein klarer Schritt nach vorne und lassen zumindest auf den dringend benötigten Aufschwung Richtung WrestleMania hoffen.

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