WWE Hell in a Cell 2017, die Analyse

Ziemlich beste Freunde

Von Maurice Kneisel
Montag, 09.10.2017 | 08:33 Uhr
Kevin Owens gewann bei Hell in a Cell dank Eingreifens von Sami Zayn gegen Shane McMahon

WWE Champion Jinder Mahal vs. Shinsuke Nakamura

Sieger und weiterhin WWE Champion: Jinder Mahal per The Khallas. Nakamura wirkte überlegen, die Singh Brothers mischten sich immer wieder ein, bis der Referee sie in den Backstage-Bereich schickte, um ihn dann noch entscheidend abzulenken, und am Ende reichte Jinder der erste Finisher zur Titelverteidigung. Alles wie immer, im Prinzip ist jedes Mahal-Match gleich gebookt. Man kann für beide Männer und insbesondere für Nakamura nur hoffen, dass diese Fehde, in der es für ihn absolut nichts zu gewinnen gibt, somit beendet ist. Man hat sein Momentum bereits merklich beschädigt und der Japaner benötigt nun dringend eine gut gebookte Fehde gegen einen anderen Upper Carder, die er letztlich auch gewinnen darf, um im Main Roster ankommen zu können. Bei Jinder erscheint derweil immer wahrscheinlicher, dass er den Titel tatsächlich bis ins kommende Jahr und ggf. bis zu WrestleMania halten dürfen wird. Ein potentieller nächster Gegner könnte AJ Styles sein - im Zweifel mit identischem Booking und Ausgang.

Bobby Roode vs. Dolph Ziggler

Sieger: Bobby Roode per Roll-up mit Griff an die Tights. Kein sauberer Sieg für den Glorious One, wobei dem Ende mehrere Pin-Versuche beider Männer vorausgingen und Ziggler ebenfalls munter zu unfairen Mitteln griff. Dennoch hält man sich hiermit einen Heel-Turn von Roode offen, der bei NXT mehr als deutlich bewiesen hat, wie brillant er diese Rolle verkörpern kann. Dass er sein Main Roster PPV-Debüt gewinnen würde war ähnlich wahrscheinlich wie eine Ziggler-Niederlage - entsprechend gab es hier keine Überraschungen. Die Fehde könnte alleine schon deswegen noch einen Monat fortgeführt werden, um die spektakulären (geklauten) Entrances beider Männer weiter zu feiern. Anschließend sollte sich Roode eine Etage höher begeben, ggf. wird er auch ein weiterer Übergangsgegner für Mahal.

Shane McMahon vs. Kevin Owens (Hell in a Cell Falls Count Anywhere Match)

Sieger: Kevin Owens. Das Match begann mit einem wildentschlossenen Shane, der sofort auf seinen Gegner losging und generell im späteren Matchverlauf stark dargestellt wurde. Es wurde nicht der erwartete dominante Sieg für den gnadenlosen Owens der letzten Wochen, stattdessen rückte man überraschend Sami Zayn in den Mittelpunkt. Zunächst hatte McMahon Owens von der Seite der Zelle durch das spanische Kommentatorenpult geschickt. Anschließend kletterte er hinauf, um sich per Leap of Faith auf seinen Gegner zu stürzen. Allerdings tauchte plötzlich Zayn auf und rollte KO zur Seite, so dass McMahon ins Leere stürzte. Anschließend rollte Sami seinen (ehemaligen) besten Freund zum erfolgreichen Pin auf Shane-O-Mac. Der Abend endete damit, dass Shane auf einer Bahre aus der Halle transportiert wurde und Owens ihm ungläubig nachschaute. Die Story ergibt absolut Sinn, nachdem man dessen Wechsel zu SmackDown langfristig aufgebaut hatte, nur um ihn dann äußerst schwach darzustellen. In den letzten Wochen hatten sowohl Sami als auch Daniel Bryan immer wieder in Interviews und auf Social Media betont, wie enttäuschend der Run des Underdog from the Underground beim Blue Brand bislang verlief - nun wird der Grund dafür klar. Ein Wechsel von Owens zurück zu Raw dürfte somit vom Tisch sein und das wiedervereinte Duo Owens & Zayn könnte SmackDown kräftig aufmischen. Spannend wird zu sehen sehen, wie man Sami als Heel darstellt - gibt es vielleicht sogar das Match Shane vs. Sami? - und wie man diese Beiden weiter pusht, ohne sie in die Nähe des bei Mahal geparkten WWE-Titels zu bringen.

Fazit

Ein gelungener PPV für die SmackDown-Heel-Fraktion: vier der fünf relevantesten Matches wurden von Heels gewonnen, zudem verteidigte Natalya ihren Titel per DQ. Gekrönt wurde die Show von einem brutalen Hell in a Cell-Match, das mit gleich zwei Stürzen von der Zelle die 20-jährige Geschichte dieser Matchart - soweit das in der PG-Era möglich ist - würdigte. Der Heel-Turn von Zayn war die Krönung und lässt hoffen, dass Sami, der seit seinem Call-up deutlich unter Wert verkauft wurde, endlich gepusht und seinem Talent entsprechend dargestellt wird. Die Dynamik zwischen ihm und Owens ist offenkundig großartig und so könnte uns nach Owens & Jericho erneut ein großartiger Run bevorstehen, der idealerweise beide Männer weiter nach vorne bringen wird. Was Shane McMahon dafür einmal mehr bereit war, seinem Körper anzutun, ist mehr als löblich! Die Titelverteidigung von Mahal war weder in der Art und Weise, noch im Ergebnis in irgendeiner Form überraschend, während der Titelgewinn für Corbin die absolut richtige Entscheidung war. Styles ist viel zu stark für das Midcard-Rennen und hätte einen weiteren World-Title-Run mehr als verdient, während der Lone Wolf sich nun erstmals als Champion beweisen kann. Zweites Highlight neben dem Opener war natürlich das großartige Tag-Team-Match, für das man beide Duos einmal mehr in den Himmel loben muss. Einen falschen Sieger hätte es hier nicht geben können, doch die erneute Krönung der Usos war mehr als verdient. Die Frauenfehde wurde sinnvoll weitergeführt, Roode holte sich den erwartungsgemäßen Sieg dreckig ab und der Rest war Füllmaterial, bei dem die Faces auch mal feiern durften. Hell in a Cell wusste absolut zu unterhalten, die Booking-Entscheidungen wirkten fast durchgängig durchdacht und sinnvoll und mit den beiden Zellen-Matches sowie dem US-Three-Way wurde auch reichlich bockstarke Action geboten. Abseits des leider völlig unspannenden World-Title-Rennens ist SmackDown somit erstmals seit dem letzten Roster-Shakeup wieder auf einem guten Weg.

Seite 1: Gable/Benjamin vs. Type Bros, The New Day vs. The Usos

Seite 2: Mahal vs. Nakamura, Roode vs. Ziggler und das Fazit

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung