The Miz im Interview

"Ich wurde sofort von allen gehasst"

Von Interview: David Digili
Mittwoch, 17.07.2013 | 09:56 Uhr
Am 22. November 2010 gewann The Miz zum ersten und bislang einzigen Mal die WWE Championship
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Vom Ex-Reality-TV-Star zum WWE Champion - The Miz polarisiert die Fans auch Jahre nach seinem Debüt. Am Sonntag unterlag "The Awesome One" bei Money in the Bank Intercontinental Champion Curtis Axel im Match um seinen dritten IC-Titel. SPOX traf The Miz in Berlin für ein Gespräch über Gut und Böse, Vorbilder, Karrierehighlights und Väter.

SPOX: Auf der letzten Tour durch Deutschland haben Sie mit dem Publikum gespielt und es ganz schön gegen sich aufgebracht...

The Miz: Ah, ich weiß schon, was Sie meinen. Ich kam mit dem Mikro in die Halle, habe schon auf dem Weg zum Ring die ganze Zeit darüber gesprochen, wie toll ich bin, und dann laut "Schnauze halten" gesagt. So habe ich das immer gemacht: Einen Satz auf Englisch aufschreiben, backstage übersetzen lassen - und los. Die Aussprache ist oft aber ziemlich schwer. Als großer Rammstein-Fan habe ich dann auch noch versucht, so eine Tonart hinzukriegen und bin dabei kläglich gescheitert.(lacht)

SPOX: Damals waren Sie noch ein "Bad Guy" - bevorzugen Sie es, Heel oder Face zu sein?

The Miz: Wissen Sie, was? Ich selbst habe mich immer als "Good Guy" gesehen. Aber der Rest der Welt sah das am Anfang anders. (lacht) Wenn die Fans mich ausbuhen wollen, dann buhe ich zurück. Wenn sie jubeln, dann genieße ich das. Ich bin einfach ich selbst und bleibe mir treu. Gefällt es dem Publikum, dann freut es mich, wenn nicht, kann ich auch nichts daran ändern.

SPOX: In diesem Jahr hatten Sie auch ein ganz besonderes In-Ring-Segment mit WWE Hall of Famer Ric Flair...

The Miz: Oh Mann, das war einer der größten Momente meiner Karriere. Immer, wenn man etwas mit Ric Flair, dieser lebenden Legende, diesem zweifachen Hall of Famer, mit dem man quasi aufgewachsen ist, machen kann, wirkt es einfach wie ein Traum. Da musste ich mich schon mal kneifen, um sicher zu sein: Das passiert wirklich!

SPOX: Wo wir schon bei Legenden und Idolen sind - wer war Ihr Favorit in der Jugend?

The Miz: Ganz im Ernst: Der Ultimate Warrior! Ich habe mich genauso angemalt wie er, ich hatte eine Jacke, die auf dem Rücken sein Gesicht hatte, ich war ein riesiger Fan! Obwohl ich mich selbst als guten Techniker sehe und weiß, wie ich mich im Ring bewege - die Matches mit dem Warrior kann ich mir immer wieder ansehen, auch wenn ihm viele die großen technischen Fertigkeiten absprechen. Ich bin sofort gefesselt und fühle mich großartig unterhalten, wenn ich den Warrior im Ring sehe, und darauf kommt es an.

SPOX: Sie sind seit knapp zehn Jahren in der WWE, wenn man Ihre Zeit in den verschiedenen Developmental-Programmen miteinrechnet - welcher Moment ist Ihnen bisher besonders im Gedächtnis geblieben?

The Miz: Dass ich im Main Event bei WrestleMania 27 stand. Einfach unvergesslich. Mein Vater - der ein großer, großer WWE-Fan ist - hat aber einen ganz persönlichen Lieblingsmoment, und da muss ich immer wieder mit dem Kopf schütteln...

SPOX: Einen anderen als Ihr Mania-Match?

The Miz: Es ist kaum zu glauben: Er findet es noch immer wahnsinnig toll, dass ich in ein Wortgefecht mit Komiker Pee Wee Herman verwickelt war. Das muss man sich mal vorstellen: Ich war im WrestleMania Main Event, ich habe den WWE-Championtitel verteidigt - und der eigene Vater erinnert sich am liebsten an Pee Wee Herman. (lacht)

SPOX: Wie gehen Sie damit um?

The Miz: Ich kann vor Verzweiflung nur noch lachen. Dazu kommt auch noch: Wir telefonieren jeden Montag Abend direkt nach Raw. Da sagt er dann Sachen wie "Ja ja, Dein Match war ganz nett - aber dieser Kofi Kingston, Mann, der ist ja fantastisch!". Toll, danke, Dad. (lacht)

SPOX: Sie hatten einen ungewöhnlichen Karrierestart - als Reality-TV-Star, ohne familiären Wrestling-Hintergrund, Sie sind kein "Second-Generation-Superstar"...

The Miz: ...und das hat sich auch sofort bemerkbar gemacht.

SPOX: Wie meinen Sie das?

The Miz: In den WWE-Umkleideräumen wurde ich sofort von allen gehasst. Es fühlte sich so an, als wäre die WWE wie ein exklusiver Klub - und ich gehörte nicht dazu. Von Anfang an musste ich mich mehr beweisen, meinen Platz rechtfertigen, bis heute!

SPOX: Keine einfache Situation...

The Miz: Aber ich denke, dass mir gerade das sehr geholfen hat. Ohne die Tatsache, dass ich wusste "Du musst immer noch etwas mehr geben als die anderen, immer an Dir arbeiten" wäre ich mit Sicherheit nicht so weit gekommen. Diese Situation hat mich richtig gepusht und motiviert, es allen zu zeigen.

SPOX: Wann genau war für Sie klar: "Ich werde Wrestler"?

The Miz: Ich war gerade mit den Drehs zu meiner ersten Reality-Show "The Real World" fertig, kam nach Hause und dachte mir: Entweder gehe ich zurück aufs College, oder suche mir irgendeinen Job, oder gehe nach Los Angeles, um Schauspieler zu werden. Aber dann sah ich in den Spiegel und fragte mich selbst: "Was willst Du, Mike?" Und auf dem Regal direkt neben dem Spiegel stand eine Actionfigur von The Rock, die mir meine Co-Stars vom Dreh zum Abschied geschenkt hatten.

SPOX: Das war wohl wie ein Zeichen...

The Miz: Genau. Ich war schon immer ein großer Fan, das musste einfach etwas bedeuten. In diesem Moment wusste ich: Das ist es, was ich will. Ich will WWE-Superstar werden.

SPOX: ...und ein paar Jahre später stehen Sie selbst im Ring mit The Rock.

The Miz: Mann, das war einfach unglaublich. Ich hatte sogar die Gelegenheit, mich am Mikro mit ihm zu messen - so schlecht habe ich mich da doch gar nicht geschlagen, oder? Ich kann dieses Erlebnis gar nicht beschreiben. Es ist wie ein Traum, von dem man immer dachte, er würde niemals wahr werden - und plötzlich wird er es doch. Völlig surreal. Wären nicht so viele Kameras am Ring gewesen, ich hätte mich am liebsten mal gekniffen, um festzustellen, ob das gerade wirklich passiert.

SPOX: Mit Superstars wie Big Show oder R-Truth hatten Sie schon sehr erfahrene Tag-Team-Partner. Gibt es noch Situationen, in denen Sie "alte Hasen" im WWE-Lockerroom um Rat fragen?

The Miz: Ich lerne immer dazu, bis heute. Wir haben einfach eine tolle Crew, die immer ein offenes Ohr hat. Wenn es um meine Technik geht, dann spreche ich oft mit Arn Anderson, Dean Malenko oder Finlay, die ja backstage als Producer ständig dabei sind. Man muss sich immer verbessern, auch mal neu erfinden - denn so überzeugt man auch davon sein mag, selbst der Beste zu sein, es gibt immer unterschiedliche Meinungen. Für viele ist Shawn Michaels der größte WWE-Superstar aller Zeiten, für andere ist es The Rock, oder Hulk Hogan, oder sogar John Cena, was ich überhaupt nicht verstehen kann. (lacht) Man wird immer angetrieben und unterstützt, das Maximum aus sich herauszuholen. Das macht diese besondere Atmosphäre in der WWE aus.

SPOX: Mit welcher WWE-Legende würden Sie gerne einmal im Ring stehen?

The Miz: Mit The Rock, ohne Frage. Okay, wir standen uns schon bei der Survivor Series 2011 gegenüber, er und Cena gegen mich und R-Truth. Aber ein Einzelmatch ist doch das Größte. Am besten in einer richtig großen Storyline, die darauf hinführt. Das wäre cool. Und natürlich auch mit dem Undertaker - ich weiß, mit dem stand ich schon mal im Ring, aber so in ganz großem Rahmen, ich als Herausforderer für den "Streak", das wäre ein Traum.

SPOX: 2011 hatten Sie Ihren großen Durchbruch. Wie schwer fällt es, auf genau diesen Moment zu warten - und den Status zu erhalten?

The Miz: Wissen Sie, ich hatte zum Jahreswechsel ein paar Tage frei, und da konnte ich alles noch einmal Revue passieren lassen. Im Moment bin ich vielleicht nicht dort, wo ich sein möchte, aber ich will einfach jede Gelegenheit nutzen, ob bei Monday Night Raw, bei Smack Down oder Pay-per-Views. Ob ich wieder ein Main-Eventer sein will? Na klar. Aber ich weiß, dass es harte Arbeit ist, habe es ja selbst erlebt, und ich bin ganz bestimmt nicht verbittert über meinen aktuellen Status oder beschwere mich. Es liegt an mir.

SPOX: Kommt mit der größeren Rolle auch eine größere Verantwortung?

The Miz: Als WWE-Superstar ist man immer ein Vorbild, Kinder schauen zu Dir auf. Es ist aber auch unser Job, unseren jungen Fans zu zeigen: Es gibt Entertainment im Ring, und es gibt die Realität. Wir sind für das Entertainment zuständig, und das, was für sie der Alltag ist, das ist das echte Leben. Deswegen haben wir ja auch die "Be-a-Star"-Kampagne, um ihnen zu helfen, die Schwierigkeiten des Alltags zu meistern. Jeder hat Träume und sollte sie verfolgen. Ich zum Beispiel weiß auch, dass ich besser sein muss, um mir meinen Traum zu erfüllen.

SPOX: Was für ein Traum wäre das?

The Miz: World Heavyweight Champion werden - und den Titel bei WrestleMania gegen den Undertaker verteidigen. Ich will meinen ersten Heavyweight-Titel - und der "Eine" sein, der den "Streak" bricht. Ich will als einer der ganz Großen in die WWE-Geschichte eingehen. Bis dahin ist es noch ein langer Weg, aber ich werde alles dafür tun, das zu schaffen. Vielleicht erinnert sich dann auch mein Dad mal an einen wirklich großen Moment von mir - und nicht an Pee Wee Herman. (lacht)

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