Tennis

Porsche Tennis Grand Prix: Angelique Kerber hofft, dass sie "schnell" wieder fit wird

Von Ulrike Weinrich
Angelique Kerber
© Jürgen Hasenkopf

Die emotionale Achterbahnfahrt von Angelique Kerber endete bei ihrem Heimspiel mit einer schmerzhaften Aufgabe. Als letzte deutsche Spielerin schied die 30-Jährige beim Porsche Tennis Grand Prix im Achtelfinale aus. Zuletzt hatten in Stuttgart vor vier Jahren keine einheimischen Profis im Viertelfinale gestanden. Kerber und der Sand - es bleibt eine komplizierte Beziehung. Nach einer Untersuchung am Freitag steht fest: "Angie" muss wegen der muskulären Verletzung eine Trainingspause einlegen, die Turnierplanung liegt auf Eis.

Von Ulrike Weinrich aus Stuttgart

Angelique Kerber war die Enttäuschung über das abrupte Ende ihrer ersten Standortbestimmung auf der ungeliebten Asche deutlich anzusehen. Mit gesenktem Blick, die Haare zum Dutt gebunden, lief sie den langen Gang hoch droben über dem Centre Court entlang, der in der Porsche Arena direkt in den Interview-Bereich führt.

Kerber: "Ich wollte am Ende nicht meine Gesundheit gefährden"

Die Augen waren gerötet - deutlicher hätten die Spuren eines bitteren Abends mit traurigem Ausgang kaum sein können. Statt in ihrem Wohnzimmer, der Stätte ihrer Stuttgarter Titelgewinne 2015 und 2016, weiter Selbstvertrauen für die folgenden Wochen der Sandplatzsaison zu sammeln, musste sich Kerber ihrem Körper geschlagen geben.

"Ich bin keine Spielerin, die oft aufgibt, aber ich wollte am Ende nicht meine Gesundheit gefährden. Ich hoffe, dass ich schnell wieder fit werde", sagte die Weltranglistenzwölfte, nachdem sie rund eine Stunde zuvor beim Stand von 0:6, 0:2 im Achtelfinale gegen Anett Kontaveit (Estland) entschieden hatte, nicht weiterzumachen. Schweren Herzens, das merkte man an jeder ihrer Gesten und am Mienenspiel.

Fed Cup als Ursache der Verletzung? "Das ist Theorie"

Beim Abgang vom Centre Court hatte sie noch einmal kurz ins Publikum gewunken, die Gedanken kreisten aber bereits zu diesem Zeitpunkt um andere Dinge. Eine medizinische Untersuchung am Freitagvormittag ergab, dass sie an einer muskulären Verletzung im Oberschenkelbereich laboriert. Eine Trainingspause ist notwendig, wie ihr Manager Aljoscha Thron tennisnet bestätigte, die weitere Turnierplanung sei "unklar".

Ob sie - wie geplant - am Premier-Mandatory in Madrid (ab 6. Mai) teilnehmen kann, ist mehr als fraglich. Mit Verletzungen dieser Art hatte die zweimalige Grand-Slam-Siegerin in ihrer Karriere bislang noch nicht oft zu tun. Großes Ziel sind die French Open in Paris (ab 27. Mai).

Ob die Blessur auf die Belastungen im Fed Cup am vergangenen Wochenende (1:4 im Halbfinale gegen Tschechien) zurückzuführen ist, darüber wollte sie nicht spekulieren. "Das ist Theorie!" Allerdings besteht kaum ein Zweifel, dass die Beschwerden eine Folge der Umstellung von Hart- auf Sandplatz sind. Kerber hatte trotz ihres starken Auftritts im Erstrundenmatch gegen die Tschechin Petra Kvitova (6:3, 6:2) noch sichtbare Probleme mit der Adaption.

Das Rutschen fühlt sich für "Angie" nicht natürlich an

Das letzte Quäntchen Mut zum Rutschen fehlt noch. Dabei ist dies die charakteristischste und eigentlich auch intuitivste Bewegung auf dem roten Untergrund. Doch Kerber, in ihren Jugend-Trainingstagen viel auf Teppich unterwegs, machte auch in diesen Tagen keinen Hehl daraus, dass das "Sliden" für sie "nicht natürlich" sei.

"Ich fühle mich eben auf Sand nicht allzu gut. Und ich brauche immer viele Matches, um mich an diesen Belag zu gewöhnen. Speziell, was die Bewegungen angeht", gab Kerber zu bedenken. Trotzdem durfte sie die Schwabenmetropole mit einem großen Hoffnungsschimmer im Gepäck verlassen. "Ich werde versuchen, auf dem Match gegen Kvitova aufzubauen - und dann genau so in die nächsten Sandplatzturniere zu gehen", kündigte die ehemalige Weltranglistenerste an, die ab Montag wieder die deutsche Nummer eins sein wird.

Beim Porsche Tennis Grand Prix ging eine Ära zu Ende

Durch die Kerber-Aufgabe ging in Stuttgart auch eine kleine Ära zu Ende. In den vergangenen drei Jahren hatten in Laura Siegemund (2017) und eben Angelique Kerber (2015 und 2016) deutsche Spielerinnen triumphiert und waren nach ihren berauschenden Finals mit dem Sieger-Sportwagen über den Centre Court gekurvt. In den drei Jahren davor hatte in Maria Sharapova, Markenbotschafterin von Porsche, ebenfalls eine Athletin mit einem besonderen Bezug zum Event gewonnen.

Und 2011 hatte sich Julia Görges in die Liste der Champions eingetragen. Apropos "Jule": Die Wahl-Regensburgerin hatte am Dienstag nach ihrem überraschenden Erstrunden-Aus gegen die tschechische Qualifikantin Marketa Vondrousova (2:6, 2:6) offen ausgesprochen, dass sie sich "mental leer" von den Fed-Cup-Tagen zuvor gefühlt habe: "Ich war fertig".

Dass der Termin Mitte April wegen der vorgelagerten Fed-Cup-Runde durchaus seine Tücken hat, bekamen die Veranstalter am Donnerstag wieder vor Augen geführt. Nach Kerber und der Russin Veronika Kudermetova (Oberschenkelblessur) in den Stunden zuvor musste auch die an Position zwei gesetzte Garbine Muguruza wegen Problemen im unteren Rückenbereich ihr Auftaktmatch gegen die Russin Anastasia Pavlyuchenkova (5:7) am Abend aufgeben.

Es war am vierten Turniertag das dritte Match in Serie auf dem Hauptplatz, das nicht beendet werden konnte. Auch Wimbledonsiegerin Muguruza war am vergangenen Wochenende für ihre spanische Nationalmannschaft im Einsatz gewesen - und hatte beim 3:1-Sieg gegen Paraguay in Murcia ihre beiden Einzel gewonnen.

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