Tennis

WTA Finals Singapur: Angelique Kerber - "Ich habe absolut alles gegeben"

Von Jörg Allmeroth
Angelique Kerber spielt am Freitag um das Halbfinale
© getty

Angelique Kerber hat vor ihrem letzten Gruppenspiel bei den WTA-Finals in Singapur ihr Schicksal selbst in der Hand. Selbst bei einer Niederlage könnte die deutsche Nummer eins in das Halbfinale einziehen.

Singapur/Frankfurt. Es war ein Kraftakt, ein auszehrender Marathon über lange zweieinhalb Stunden. Aber nach dem nächsten WM-Krimi voller Turbulenzen und Spannungsmomente bleibt Wimbledon-Königin Angelique Kerber im großen Spiel um den letzten Titel dieser denkwürdigen Saison 2018: Mit dem schwer erkämpften 6:4, 5:7, 6:4-Sieg über US Open-Überraschungsgewinnerin Noami Osaka darf die Deutsche wieder auf einen Halbfinal-Platz beim Championat in Singapur hoffen.

"Ich habe absolut alles gegeben, was möglich war", sagte Kerber nach dem Thriller, in dem sie schon beim Stand von 6:4 und 5:4 einmal zum Sieg serviert hatte, dann aber noch einmal einen Umweg über einen dritten Entscheidungssatz nehmen musste.

Sloane Stephens Sieg gegen Kiki Bertens noch nicht genug

Der 7:6, 2:6, 6:3-Sieg der Amerikanerin Sloane Stephens gegen Kiki Bertens (Niederlande) im zweiten Gruppenmatch läßt das Qualifikationsrennen vor dem letzten Spieltag am Freitag wieder einmal zum Fall für die höhere Tennis-Mathematik werden. Klar ist, dass bis jetzt überhaupt nichts klar ist, alle vier Spielerinnen können sich noch ins Halbfinale vorkämpfen. Kerber hat die Qualifikation dabei in der eigenen Hand: Gewinnt sie im dramatischen Schlussakt in zwei Sätzen gegen die bisher ungeschlagene Stephens, steht sie in der Vorschlussrunde. Rein theoretisch könnte sich Kerber sogar eine knappe Niederlage erlauben, bräuchte dazu aber auch siegreiche Schützenhilfe von Osaka in deren abschließendem Duell mit Bertens.

Bei drei Spielerinnen mit je einem Sieg und zwei Niederlagen würde das bessere Satz- oder sogar Spielverhältnis entscheiden. Selbst Osaka, bisher sieglos, könnte so noch ins Halbfinale vorpreschen.

Kerber mit Charakterstärke

Anders als in der abenteuerlichen Achterbahnfahrt gegen Bertens am Montag, als Kerber einen 1:0-Satzvorsprung noch unnötig verspielt hatte, zeigte die Weltranglisten-Zweite nun gegen Osaka deutlich mehr Standfestigkeit und Charakterstärke.

Auch, als Osaka urplötzlich ihre Nervosität und Befangenheit abgelegt und einen fulminanten Zwischenspurt zum 1:1-Satzausgleich hingelegt hatte, erlebte die 30-jährige Kielerin keinen fatalen Einbruch und fightete mit wilder Leidenschaft um den dringend benötigten Sieg. "Es tut richtig gut, so gewonnen zu haben", sagte Kerber hinterher, "ich musste ans Limit gehen, um im Turnier zu bleiben."

Intakte Moral im Abnutzungskampf

Allerdings hatte Kerber im dritten Satz immer wieder kritische Situationen zu überstehen, mehr als einmal drohte ihr der bittere und womöglich schon vorentscheidende Aufschlagverlust. Doch mit intakter Moral und mit schnellen Füßen auch am Ende dieses grimmigen Abnutzungskampfes entnervte Kerber die Japanerin, holte sich selbst zum 4:3 das wichtige Break.

Und diesen Vorsprung verteidigte sie zwar mühsam, aber nicht mehr entscheidend gefährdet bis ins Ziel. "Es waren nur ein paar Punkte hier und da, die die Entscheidung gebracht haben", sagte Kerber, die sich gut erholt von der Auftaktniederlage gegen die WM-Debütantin Bertens zeigte.

Den Sieg gegen Osaka aktiv herausgespielt

Kerber schaltete als Trainerin in eigener Sache auch in den richtigen Momenten taktisch um, bewahrte sich als selbstbewußte Strategin damit ihre WM-Möglichkeiten. Nach dem Zwischentief Ende des zweiten und Anfang des dritten Satzes operierte die Wimbledonsiegerin auf der Zielgeraden des Matches wieder deutlich offensiver und zupackender - es war die unabdingbare Grundlage für den Sieg.

"Ich wußte: Ich muss diesen Erfolg aktiv heraussspielen", sagte Kerber später. Im Gegensatz zu Osaka, die ihren Coach Sascha Bajin zwei Mal auf den Centre Court der Singapore Indoor Arena beorderte, ließ Kerber ihren Aushilfstrainer Andre Wiesler aus Bad Nauheim in der Ehrenloge sitzen bleiben - vielleicht auch ein demonstrativer Akt, um zu zeigen, dass sie auch selbst klar kommt mit der schwierigen, kritischen WM-Herausforderung.

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