WTA Finals: Anna-Lena Grönefeld im Interview

"Noch ein Jahr, dann mal schauen"

Donnerstag, 26.10.2017 | 08:01 Uhr
Anna-Lena Grönefeld
© Instagram @annagroenefeld

Anna-Lena Grönefeld ist die einzige deutsche Starterin bei den WTA Finals in Singapur. Wir haben mit ihr kurz vorm Start gesprochen.

Anna-Lena Grönefeld (32) ist Deutschlands aktuell erfolgreichste Doppelspielerin. Sie ist auf Rang 20 notiert, im Porsche Race to Singapore steht sie mit Partnerin Kveta Peschke auf Platz 7. Im Einzel schaffte es Grönefeld im Jahr 2006 bis auf Platz 14 der Welt, seit 2011 spielt sie ausschließlich Doppel und Mixed. Im Doppel gewann Grönefeld 16 WTA-Titel, im Mixed holte sie mit Wimbledon 2009 und den French Open 2014 sogar zwei Grand-Slam-Siege.

In Singapur treffen Grönefeld/Peschke direkt auf die topgesetzten Martina Hingis/Chan Young-jan (Donnerstag, zweites Match nach 13.30 Uhr MESZ).

tennisnet: Frau Grönefeld, herzlichen Glückwunsch - Sie sind zum ersten Mal für die WTA Finals qualifiziert. Im Gegensatz zu den Einzeln geht's hier gleich in die Vollen, es gibt kein Round-Robin-Format, es steht gleich ein Viertelfinale gegen ein Top-8-Duo an. Gut oder schlecht?

Grönefeld: Ich kenne es ja nicht anders. Es gab mal eine WM im Round-Robin-Format, die habe ich leider nicht miterlebt. Klar: Das erste Match wird direkt sehr schwer, man muss von Anfang an gut spielen.

tennisnet: Konnten Sie auf dem Hauptplatz trainieren? Der soll sich doch ziemlich von den Trainingscourts unterscheiden, vom Licht, vom Tempo. Das sagen zumindest die Einzel-Spielerinnen.

Grönefeld: Ja, wir hatten bereits zwei gute Einheiten. Der Platz ist tatsächlich nicht sehr schnell, da kommen viele lange Ballwechsel zustande, wie im Einzel auch. Mir gefällt er.

tennisnet: Wie trainieren Sie als reine Doppelspielerin: Spielt man sich nur cross ein, übt man in erster Linie Cross-Volleys und spezifische Doppelsituationen?

Grönefeld: Man spielt natürlich keine Einzelmatches oder -punkte, es gibt viele spezielle Doppelübungen. Da sind viele Cross-Duelle dabei, weil das eben viel vorkommt. Was großen Spaß macht: Wenn man schnell angeschossen wird und die Reaktionen trainiert.

tennisnet: Sie sind neben Doppel auch im Mixed aktiv und dort fast noch erfolgreicher. Im Doppel haben Sie sieben Grand-Slam-Halbfinals erreicht, im Mixed zwei Grand-Slam-Titel geholt, dazu kommen zwei Finals gespielt. Wie kommt das? Zumal Mixed ja nur bei den Majors gespielt wird.

Grönefeld: Schwer zu sagen... Ich hatte immer sehr nette, sehr gute Partner, mit denen ich mich gut verstanden habe. Im Mixed ist es offener, da kann jeder jeden schlagen. Schon zwei Mal ein Grand-Slam-Turnier gewonnen und zwei Finals gespielt zu haben, war natürlich toll.

tennisnet: Wie ist's im Mixed - gibt's bei den männlichen Gegner welche, von denen man weiß, dass die voll auf einen ziehen? Kennt man da seine Pappenheimer?

Grönefeld: (lacht) Ja, die kennt man. Nicht, wenn sie einen leichten Ball haben, aber sonst ziehen die schon voll durch.

tennisnet: Sie haben 2011 Ihre Einzelkarriere beendet. Gab es mal Gedanken an ein Comeback?

Grönefeld: Ich spiele ja im Sommer noch Bundesliga, aber da weiß ich im Anschluss jedes Mal, warum ich auf der Tour aufgehört habe. Der Spaß war nicht mehr da. Ich fühle mich wohl, so wie es jetzt ist. Und Doppel macht mir nach wie vor sehr viel Spaß.

tennisnet: Sie waren jahrelang eine große Stütze im Fed Cup - zuletzt hatte Barbara Rittner aber statt Ihnen eine Einzelspielerin mehr nominiert. Haben Sie mit dem neuen Chef Jens Gerlach gesprochen, wie er plant?

Grönefeld: Wir hatten ein erstes Gespräch und werden uns in den nächsten Monaten noch mal treffen. Ich denke, dann wird er mir mitteilen, wie er das Ganze sieht und angehen möchte. Ich spiele sehr gerne Fed Cup, ich bin also jederzeit bereit.

tennisnet: Hier in Singapur spielen Sie mit Kveta Peschke, die mittlerweile auch schon 42 Jahre alt ist. Können Sie sich vorstellen, ähnlich lange zu spielen?

Grönefeld: Das habe ich nicht geplant. Zunächst will ich noch ein Jahr spielen, aber dann muss ich schauen, wie es weitergeht. Ich möchte gerne eine Familie haben, das ist bei uns nicht so leicht wie bei den Männern, die nebenher noch spielen können...

tennisnet: Man kann ja wieder einsteigen...

Grönefeld: Das möchte ich eigentlich nicht. Klar: Man soll niemals nie sagen, aber es ist nicht mein Plan. Ich würde dann schon gerne zu Hause sein.

tennisnet: Zum Abschluss noch eine Leser-Frage von einem Ihrer größten Fans: Wenn Sie sich's aussuchen dürften - mit wem würden Sie am liebsten mal Mixed oder Doppel spielen?

Grönefeld: Mit Roger Federer! Der wäre ein Traum-Mixed-Partner. Bei den Damen hatte ich die Chance, mit Martina Navratilova zu spielen. Sie war damals 49 Jahre alt und hatte immer noch den Biss, die Beste sein zu wollen. Das war unglaublich mitzuerleben.

Das Gespräch führte Florian Goosmann in Singapur.

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