Tennis

Kiki Bertens überrascht Simona Halep und gewinnt "Cincy"-Finale

Von Ulrike Weinrich
Kiki Bertens kann neuerdings auch Hartplatz
© getty

Kiki Bertens hat gut eine Woche vor Beginn der US Open (ab 27. August) ein Ausrufezeichen gesetzt und ihr erstes Premier-5-Event gewonnen. Die Weltranglisten-17. aus den Niederlanden besiegte im Finale von Cincinnati die topgesetzte Simona Halep nach der Abwehr eines Matchball mit 2:6, 7:6 (8:6), 6:2. Die Rumänin verpasste nach dem Triumph in Montreal in der Woche zuvor ihren zweiten Turniersieg in Folge und verlor auch ihr drittes "Cincy"-Endspiel.

Nach 2:05 Stunden verwandelte die zweimalige Nürnberg-Siegerin ihren ersten Matchball mit ihrem sechsten Ass und kassierte für ihren bislang wertvollsten Titel (den insgesamt sechsten auf der WTA-Tour) ein Preisgeld in Höhe von 530.000 Dollar sowie 900 Weltranglistenpunkte.

Damit klettert sie am Montag auf Rang 13 der Weltrangliste - besser stand Bertens noch nie. Auch die gleichaltrige Halep (26), die die Nummer eins der Welt bleibt, darf optimistisch dem letzten Grand-Slam-Event der Saison in Flushing Meadows entgegenblicken.

Simona Halep beginnt stark und zeigt keine Schwächen

Auf ihrem Weg zum anvisierten zehnten Sieg in Serie in den vergangenen knapp zwei Wochen wirkte Halep am Anfang noch spritzig und steckte die Strapazen der vergangenen beiden Wochen scheinbar mühelos weg. Zu Beginn war sie im Endspiel der Western & Southern Open bei schwülwarmen Temperaturen die aktivere Spielerin und dominierte zunächst die Ballwechsel im Lindner Family Tennis Center vor den Toren von Cincinnati.

Gleich im ersten Spiel gelang Halep das Break, nachdem eine Vorhand von Bertens weit hinter der Grundlinie landete. Auch danach vermied es "Simo", sich zurückfallen zu lassen und suchte bei den Ballwechseln stets den Weg ins Feld. Bei einer 4:2-Führung nahm die Favoritin der Wimbledon-Viertelfinalistin zum zweiten Mal das Service ab.

Im zweiten Satz nutzt Bertens ihre Chance eiskalt

Nach einer guten halben Stunde holte sich die äußerst effizient agierende Halep mit ihrem ersten Satzball den Auftaktdurchgang, nachdem ein Vorhandreturn von Bertens, die in den vergangenen beiden Wochen insgesamt fünf Top-Ten-Spielerinnen geschlagen hatte, im Netz hängen blieb.

Danach allerdings schwächelte Halep und zeigte Ermüdungserscheinungen. Der Aufschlag kam nicht mehr und die Schläge verloren deutlich an Dynamik. Das erste Break der aufschlagstarken Bertens zum 3:1 war folgerichtig. Haleps kurz darauf herbeizitierter Trainer Darren Cahill, einer der besten Analytiker der WTA-Tour, riet seinem Schützling, geduldig zu bleiben.

Halep vergibt sogar einen Matchball

Und Halep produzierte von diesem Zeitpunkt an deutlich weniger Fehler. Sie, die immer wieder und wie fast überall auf der Welt von den rumänischen Fans im Stadoon mit "Siiimooonaaaa"-Rufen angefeuert wurde, glich zum 4:4 aus. Doch wenig später sah sich die Nummer eins beim Stand von 4:5 einem Satzball gegenüber.

Bertens aber schlug den Ball ins Aus - verlor aber dennoch nicht den Glauben an die Überraschung. Im Tiebreak steckte sie einen 0:2-Rückstand weg, wehrte sogar einen Matchball von Halep ab und rettete sich in Satz drei.

Dort fiel die Entscheidung, als Bertens in einem Break-Festival auf 5:1 davonzog. Halep war besonders am Ende anzumerken, dass sie auch körperlich nichts mehr entgegenzusetzen hatte. Fraglich, ob sie beim Turnier in New Haven in der nächsten Woche an den Start gehen wird. Dort ist Halep topgesetzt und hat in der ersten Runde immerhin ein Freilos.

Bertens hatte 2014 eine schlimme Diagnose bekommen

Auch Bertens, die 2018 bereits beim Mandatory-Turnier in Madrid im Finale stand, kann zuversichtlich Richtung New York blicken. Doch für sie erscheint seit einiger Zeit vieles in einem anderem Licht: Vor gut vier Jahren hatte die Strohblonde aus Wateringen vor ihrer Abreise zu den French Open die Diagnose erhalten, dass sie einen Tumor an der Schilddrüse hat.

Trotzdem kämpfte sich Bertens beim weltweit bedeutendsten Sandplatzturnier ins Achtelfinale und schied dort erst gegen Andrea Petkovic (Darmstadt) aus. Es folgten Monate der Angst und Ungewissheit - Krebs oder nicht? "Es war eine schlimme Zeit. Ich konnte nicht schlafen", berichtete Bertens. Zudem nahm sie rund 15 Kilogramm zu, bekam Bestrahlung. Letztlich stellte sich heraus, dass das Geschwür gutartig war.

"Kiki" dank Sluiter fit wie nie - mit gutem Gefühl nach NYC

Auch dank dieser Erfahrungen hat Bertens inzwischen längst ihre Balance gefunden. Seit Oktober 2015 arbeitet sie mit Coach Raemon Sluiter zusammen, der es in seiner Karriere selbst auf Platz 46 der Weltrangliste geschafft hatte. Bertens hat ihre Ernährung umgestellt und trainiert hart wie nie. "Ich spüre, dass ich so fit wie noch bin", sagte sie jüngst.

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