Tennis

Vom Wimbledonsieger zum Business-Angel: Der Spieler Stich wird 50

Von SID
Michael Stich
© Jürgen Hasenkopf

Wimbledon-Champion, Olympiasieger, Davis-Cup-Gewinner - und doch stets nur die Nummer zwei: Der frühere Tennisstar Michael Stich wird am Donnerstag 50.

Auf dem Höhepunkt ihrer Rivalität wollte Boris Becker seine tief empfundene Abneigung nicht mehr verstecken. Für Deutschlands Liebling war sein Antagonist aus dem Norden nur noch "der Spieler Stich" - ein Tennisprofi unter vielen. Dabei war der Lange aus Elmshorn viel mehr als das: Wimbledon-Champion, Olympiasieger, Davis-Cup-Gewinner, ATP-Weltmeister, die Nummer zwei der Welt. Michael Stich trug mehr zum deutschen Tennisboom bei, als Becker lange lieb war.

Großes Lob von Pete Sampras

Der Respekt der Tenniswelt war Stich sicher, der große Pete Sampras behauptete gar: "Wenn alle ihr bestes Tennis spielen, ist Michael Stich der Beste." Dass er in seiner Heimat hinter Becker dennoch die ewige Nummer zwei blieb, störte Stich schon, ändern konnte er an den Verhältnissen jedoch wenig. Selbst als er Becker 1991 im Finale von Wimbledon schlug, sprach Schiedsrichter John Bryson ins Mikrofon: "Game, Set, Match Becker!"

Ein Irrtum, der sinnbildlich für Stichs Karriere steht. Er galt als unnahbar und unterkühlt, Becker dagegen als mitreißend und heißblütig. Dabei war Stich durchaus zu großen Emotionen fähig. Beim Drama in Moskau, als er 1995 im Davis Cup gegen den Russen Andrei Tschesnokow neun Matchbälle und damit den Einzug ins Traumfinale gegen die USA vergab, saß Stich minutenlang auf der Bank und heulte in ein Handtuch, das ihm ausgerechnet Becker fast fürsorglich über den Kopf gelegt hatte.

Carl-Uwe Steeb: "Michael hat zwei Seiten"

"Michael hat zwei Seiten. Nach außen wirkt er kühl, aber er ist auch sensibel. Besonders im Team kam das zum Vorschein", sagte sein langjähriger Weggefährte Carl-Uwe Steeb dem SID: "Auf dem Platz hat er auch oft emotional reagiert." Aus Beckers langem Schatten befreite sich Stich jedoch nie. Auch, weil der Triumph in Wimbledon sein einziger Majortitel blieb.

"Natürlich hätte ich gern mehr Grand-Slam-Turniere gewonnen. Aber dann hätte ich mich noch stärker allein auf das Tennis fokussieren müssen und wäre wohl nicht der Mensch geworden, der ich heute bin", hat Stich einst gesagt. Über seinen 50. Geburtstag am Donnerstag wollte er öffentlich nicht sprechen, Stich genießt die Ruhe in seiner Heimat Hamburg - im Jahr 2018 hat es schließlich schon genug Aufregung um ihn gegeben.

2018: Emotionale Momente für Stich

Da war zum einen die Aufnahme in die Hall of Fame, die Auszeichnung für sein sportliches Lebenswerk, die Stich im Sommer zu Tränen rührte. Wenig später nahm er mit feuchten Augen und brüchiger Stimme Abschied von seinem Heimturnier am Rothenbaum, das er 1993 als bislang letzter Deutscher gewann und für das er zuletzt zehn Jahre als Turnierdirektor arbeitete. Er hätte gerne weitergemacht, doch der Deutsche Tennis Bund (DTB) entschied sich für einen Neuanfang. "Die Entscheidung habe ich akzeptiert und abgehakt", sagte Stich.

Aufgaben hat er genug, auch wenn sein Leben nicht so öffentlich stattfindet wie das seines einstigen Gegenspielers Becker. Seine Stiftung, die sich für mit HIV infizierte oder an Aids erkrankte Kinder und deren Familien einsetzt, ist ein großer Teil seines Lebens. Dank ihr trägt Stich das Bundesverdienstkreuz. Zudem sitzt er im Aufsichtsrat des von ihm mitgegründeten Rückenzentrums am Michel in Hamburg und tritt immer wieder als Investor in Erscheinung. Stich selbst nennt sich "Business-Angel".

Stich war immer so ganz anders als Boris Becker

Große Risiken scheut er dabei, ein Spieler war Stich zwar immer, aber nur selten ein Zocker. Auch da unterscheidet er sich grundlegend von Becker. Nur einmal ging der Hasardeur in ihm durch. 250.000 D-Mark investierte Stich seinerzeit in eine Firma, die Goldschätze in Schiffswracks suchte. "Da hätte jemand mehr von gehabt, wenn ich ein paar Goldmünzen ins Meer geworfen hätte", gab er später zu. Den Verlust konnte der Spieler Stich jedoch gut verkraften.

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