Tennis

Damentennis oft im Schatten der Herren: Wimbledon regiert, wie es ihm gefällt

Garbine Muguruza
© getty

In Wimbledon ist kein guter Trend in Richtung Gleichberechtigung ersichtlich.

Ein Kommentar von Jörg Allmeroth aus Wimbledon

Als die Titelverteidigerin der Offenen Englischen Tennis-Meisterschaften am Donnerstagabend einigermaßen kläglich ihre Hoffnungen auf einen neuen Pokalgewinn begraben musste, spielte sich die Niederlage von Spaniens Star Garbine Muguruza keineswegs auf dem Centre Court ab - der größten, der berühmtesten Bühne dieses Sports weltweit. Im letzten Licht des vierten Wettkampftages, gerade noch rechtzeitig vor einem drohenden Abbruch, war Muguruza auf Platz 2 gegen die überglückliche Gewinnerin Alison van Uytwanck aus Belgien beschäftigt.

Es war ein Affront auf mehreren Ebenen, und beileibe kein Einzelfall bei den "Championships" im Südwesten Londons. Denn von Gleichbehandlung bei Männern und Frauen kann bei diesem Turnier, das alle anderen Turniere mächtig überstrahlt, keine Rede sein. Gerade erst wurde eine Langzeitstatistik veröffentlicht, wonach Frauenspiele auf den sogenannten Showcourts nur einen knapp 40-prozentigen Anteil haben. In den letzten Jahren gaben sich die Organisatoren des Turniers zwar mehr Mühe, eine bessere Balance zu finden - auch nach massiven Beschwerden der Spielerinnengewerkschaft WTA. Aber es gab immer wieder Rückfälle in eine Wimbledon-Epoche, in der die Frauen zuweilen wie das fünfte Rad am Grand Slam-Wagen behandelt wurden.

Wimbledon steht zugleich für einen anderen, unguten Trend. Obwohl die Grand Slam-Turniere sozusagen ein Besitztum des globalen Tennissports sind, universelle Leistungsmessen der Besten der Besten, platzieren die Turniere gnadenlos ihre Lokalmatadore auf die Spitzenplätze. Am Tag, als Championspielerin Muguruza auf Platz 2 ausschied, spielten auf dem Centre Court die Britin Johanna Konta und der Brite Kyle Edmund - wahrlich keine Attraktion für die versammelte Internationale der Fernsehanstalten. Das Problem seit eh und je ist: Wimbledon regiert schlicht so, wie es ihm gefällt.

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