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NFL

Der neue Weg der Green Bay Packers: aggressiv wie nie zuvor

Aaron Rodgers spielt seit 2006 für die Green Bay Packers.

Die Green Bay Packers haben nach dem wiederholten Verpassen der Playoffs einen ganz neuen Weg eingeschlagen. Sie agierten unter ihrem noch recht frischen General Manager auf dem Free-Agent-Markt aggressiver als je zuvor und machten Moves, die eine klare Handschrift erkennen lassen.

Die Green Bay Packers sorgten in diesem Jahr bereits früh in der Offseason für Aufsehen, investierten sie doch - für ihre Verhältnisse - extrem uncharakteristisch viel Geld in Free Agents. Mehr noch: In den vier Stunden, in denen Green Bay die bisherigen Deals am Dienstag vorm Start des neuen Ligajahres eingefädelt hat, verteilten sie mehr Geld an Free Agents anderer Teams als in den vorherigen acht Free-Agency-Perioden insgesamt.

Dieser gravierende Paradigmenwechsel in der Transferpolitik der Packers ist das Produkt eines weitreichenden Umdenkens, das bereits Ende der Saison 2017 eingesetzt hatte. Damals noch war Green Bay drauf und dran, erstmals seit acht Jahren mal wieder die Playoffs zu verpassen. Ein Misserfolg, der sich auch 2018 wiederholen sollte.

Saison-Bilanzen der Green Bay Packers seit 2010

JahrSiegeNiederlagenRemisDivision-RangPlayoffs
201010602. (Wildcard)Super Bowl Champ
201115101.Divisional Game
201211501.Divisional Game
20138711.Wildcard Game
201412401.Championship Game
201510602. (WC)Divisional Game
201610601.Championship Game
20177903.-
20186913.-

Während jedoch 2017 noch die lange Verletzung von Quarterback Aaron Rodgers als Ausrede herhalten konnte - er machte nur sieben Spiele -, absolvierte Rodgers in der abgelaufenen Spielzeit alle 16 Spiele und dies durchaus kompetent (97,6 Passer Rating, 25 Touchdowns, 2 Interceptions). Die enttäuschende 6-9-1-Bilanz war somit in erster Linie durch eine klar überforderte Defensive zu erklären.

Laut Football Outsiders belegte die Packers-Defense 2018 Platz 29 der Liga (10,1 Prozent DVOA). Es war somit der Tiefpunkt eines stetigen Verfalls dieser Unit - 2016 und 2017 war man wenigstens noch jeweils auf Platz 20 anzutreffen. Die Offense hingegen belegte Rang 7 (11 Prozent DVOA).

Die dominante Defense der Green Bay Packers 2010

Es musste also einiges verändert werden in diesem Bereich des Teams, der zu Beginn dieses Jahrzehnts noch zu den dominantesten Units der Liga zu zählen war. Unvergessen die Truppe um Nose Tackle B.J. Raji, Defensive Back Charles Woodson und Edge-Rush-Maschine Clay Matthews, die großen Anteil am Gewinn des Super Bowls nach der Saison 2010 hatte.

Die Zeiten sind vorbei, schon länger. Ein Neuaufbau war nötig, denn mit Rodgers verfügte man weiterhin über einen Quarterback, der das Titelfenster mit dem richtigen Personal noch weit aufreißen kann. Doch am weiteren Personal hakte es nun schon seit längerem.

Ein Grund dafür war letztlich die Personalpolitik vom damaligen General Manager Ted Thompson, der lange als Vater des Erfolgs gehandelt worden war. Erfolg, der mittlerweile zu weit in der Vergangenheit verortet werden muss. Die Packers zogen die Reißleine und lobten den langjährigen GM in eine andere Aufgabe - nun fungiert er als "Special Advisor", wird also noch bezahlt, hat aber nichts mehr zu sagen.

Der neue starke Mann wurde Brian Gutekunst, der das Ruder langfristig rumreißen sollte - und seine Handschrift war schon früh zu erkennen. Zunächst mal steckte er große Ressourcen in den Wiederaufbau der Secondary, die länger schon eine Achillesferse des Teams war. Mit den Cornerbacks Jaire Alexander (18. Pick) und Josh Jackson (45. Pick) investierte er gleich seine ersten beiden Draft-Picks in die Secondary.

Packers: Draft 2018 war nur der Anfang

Das aber war nur der Anfang. Im Laufe des Jahres nämlich schickte er auch noch Safety Ha Ha Clinton-Dix weg, der auch so seine Schwierigkeiten in der Coverage hatte. In der Free Agency 2019 schließlich eskalierte Gutekunst völlig und schlug auf dem Free-Agent-Markt zu - etwas, was sein Vorgänger per se nie wirklich gern getan hat.

Thompsons Philosophie bestand stets darin, seine Teams über den Draft und organisch aufzubauen, nicht durch teure Free Agents, die vielleicht dann doch nicht ins Gesamtgefüge passen könnten - als mahnendes Beispiel sei hier etwa Tight End Jimmy Graham genannt, der sich nie so richtig wohlfühlte in Wisconsin.

Eine Philosophie, die Gutekunst in seinen früheren Eigenschaften als Director of College Scouting sowie Director of Player Personnel durchaus mittrug. Doch in diesem Jahr war es an der Zeit, etwas zu ändern: "Ich denke, wir würden immer gerne über den Draft aufbauen. Aber die Free Agency ist ein sehr wichtiges Mittel, um Spieler zu bekommen. Meiner Meinung nach war das immer so und wird sich auch nicht ändern", sagte Gutekunst noch Ende 2018.

"Es ist ein kleinerer Kreis von Spielern, aber wir werden den Prozess durchlaufen und wenn ich denke, dass wir Bereiche haben, in denen wir uns verbessern können, werden wir keine Angst davor haben, das auch zu tun", betonte Gutekunst.

Green Bay Packers: Große Investitionen in der Front Seven

Also attackierte Gutekunst gezielt die Front Seven in erster Instanz. Mit Preston Smith und Za'Darius Smith kamen gleich zwei Edge Rusher, die die wohl scheidenden Clay Matthews und Nick Perry hochwertig ersetzen sollten. Anschließend kam mit Adrian Amos ein Safety - eine weitere Ergänzung für die Secondary und der Ersatz für Clinton-Dix.

Bemerkenswert in diesem Zusammenhang war schließlich auch die Entscheidung, Linebacker Jake Ryan, der 2017 noch drittbester Tackler seines Teams war und 2018 mit einem Kreuzbandriss verpasste, gewissermaßen kampflos nach Jacksonville ziehen zu lassen. Bemerkenswert ist es deshalb, weil somit auch der letzte Überlebende der Packers-Draft-Klasse von 2015 von Bord gegangen war.

Er war der Viertrundenpick, zuvor schon sprangen Namen wie Damarious Randall, Quinten Rollins oder Ty Montgomery ab, die in den ersten drei Runden gezogen worden waren.

Green Bay Packers: Draft-Klasse von 2015

Draft-PositionSpielerPositionCollege
30.Damarious RandallSafetyArizona State
62.Quinten RollinsCornerbackMiami (OH)
94.Ty MontgomeryWide ReceiverStanford
129.Jake RyanLinebackerMichigan
147.Brett HundleyQuarterbackUCLA
206.Aaron RipkowskiFullbackOklahoma
210.Chistian RingoDefensive EndLouisiana-Lafayette
213.Kennard BackmanTight EndUAB

Kein "Überlebender" des Packers-Drafts 2015 übrig

Nur vier Jahre nach dem Draft keinen Spieler einer Draftklasse mehr zu beschäftigen, ist kein gutes Zeichen, heißt es doch, dass man gewissermaßen einen kompletten Draft versenkt hat. So etwas kennt man sonst eher von Teams wie den Browns, die bekanntermaßen schon länger auf so etwas wie Erfolg warteten.

Draft-Selections sind per se immer ein Münzwurf, doch bringen gute Picks eben in erster Linie günstige Arbeitskräfte ein, die den Grundstock für erfolgreiche Teams bilden. Ohne die bleibt nur die zuweilen teure Free Agency, wie Green Bay in diesem Jahr demonstriert.

Teuer wurde es indes auch im vergangenen August. Gutekunst stellte den Mann zufrieden, mit dem alles steht und fällt bei den Packers: Aaron Rodgers. Rodgers erhielt eine gigantische Vertragsverlängerung: Vier Jahre, 134 Millionen Dollar, 57,5 Millionen Dollar davon garantiert. Mit Rodgers auf lange Zeit gebunden fiel es Gutekunst freilich leichter, sich um den Rest des Konstrukts zu kümmern.

Ein eminent wichtiger Schritt in diese Richtung war zugleich der Wechsel des Head Coachs. Nach insgesamt fast 13 Jahren war Schluss für Mike McCarthy, dessen zu unkreatives Play-Calling seit längerem für Kritik gesorgt hatte. Mit Matt LaFleur soll nun wieder mehr Abwechslung und Finesse in die Offensive Green Bays kommen. Das System soll wieder mehr auf die Stärken Rodgers' ausgerichtet werden.

Gutekunst verstärkt auch die Offensive Line der Packers

Ebenfalls zur Sicherung des Wohles von Rodgers wurde Guard Billy Turner verpflichtet, um die zuletzt löchrige Offensive Line - Rodgers kassierte fast 50 Sacks und die O-Line hatte eine Adjusted Sack Rate von 7,9 Prozent, Platz 21 in der Liga - zu stärken. Und das, obwohl es Left Tackle David Bakhtiari sogar ins All-Pro First Team geschafft hatte.

Das einst so dominante Team der NFC North musste sich zuletzt hinter den Bears und Vikings anstellen, was so gar nicht ins Selbstverständnis der Packers passt. Um diesen Missstand zu beheben, steht Gutekunst auch jede Menge Munition für den Draft zur Verfügung: bei vier Top-100-Picks, davon zwei in Runde eins, verfügen die Packers über insgesamt zehn Picks. Zehn Chancen also, um die Qualität weiter zu steigern.

Verfügt man über einen Quarterback der Güteklasse von Rodgers, dann ist jedes Jahr eines im Titelfenster. Doch mit seinen 35 Jahren droht sich das Fenster langsam doch zu schließen. Verlorene Jahre wie die letzten beiden kann man sich also nur noch schwerlich leisten.

Zeit also, aggressiver zu agieren und die noch verbleibenden Chancen beim Schopf zu packen.

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