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Philadelphia Eagles: Big Dick Nick - die Magie hält an

Nick Foles gilt als absoluter Leistungsträger in den Playoffs.

Auf den letzten Drücker in die Playoffs gekommen sorgten die Philadelphia Eagles beim Auswärtserfolg in der Wildcard-Runde bei den Chicago Bears für ein Ausrufezeichen. Einmal mehr stand dabei letztlich Quarterback Nick Foles als Held da - und zunehmend werden ihm fast schon magische Kräfte nachgesagt.

Die Philadelphia Eagles galten als einer der großen, vielleicht als der größte Favorit. Doch dann der Schock: Quarterback Carson Wentz, seinerzeit auf MVP-Kurs, verletzte sich schwer am Knie und fiel den Rest des Jahres aus. Backup Nick Foles, der gewissermaßen als Reklamationsprojekt galt, sprang ein und führte sein Team, für viele ohne Wentz nur noch ein Außenseiter, letztlich zum ersten Super-Bowl-Erfolg in der Klub-Geschichte.

Das war 2017 aus Eagles-Sicht im Schnelldurchlauf. 2018 dann musste Foles zu Saisonbeginn nochmals ran, nachdem über den Sommer hinweg nie ganz klar war, wie schnell sich Wentz von seiner Knieverletzung erholen würde. Foles begann wenig vielversprechend und sah im Grunde wieder aus wie der Quarterback, den keiner so wirklich wollte - wie ein Backup.

Generell war es keine sonderlich ideale Situation, in der Philly die Titelverteidigung startete. Vom nahezu genialen Trainerstab, der Foles' vermeintliche Schwächen so gekonnt verschleierte, war nur noch Head Coach Doug Pederson übrig - Offensive Coordinator Frank Reich übernahm die Indianapolis Colts, QB-Coach John DeFilippo heuerte als Offensive Coordinator in Minnesota an.

Dass der Umbruch schwierig verlief, zeigte dann auch Wentz, der sich ebenfalls wacklig präsentierte, als er dann doch endlich aufs Feld zurückkehrte. Die Eagles brauchten eine Weile, ehe sie wieder in die Spur fanden und dem Playoff-Rennen näher kommen konnten. Doch dann verletzte sich Wentz am Rücken - eine Problematik, die ihn bis heute aus dem Spielbetrieb hält, obwohl er immer noch nicht auf Injured Reserve gesetzt wurde.

Foles sprang ab Woche 15 ein - und wie. Wo die Offense in den Wochen davor mehrfach größere Probleme hatte, schlugen die Eagles mit Foles die Rams und Texans, zwei Playoff-Teams. Der Week-17-Shutout über Washington ebnete letztlich, dank der Niederlage der Vikings parallel, den Weg zurück in die Playoffs. Die Eagles hatten sich das letzte Postseason-Ticket gesichert.

Und im Wildcard Game führte Foles - trotz schmerzender Rippen - sein Team dann zum vierten Playoff-Sieg in Serie; selbstredend per heroischem Last-Second-Comeback gegen die vielleicht beste Defense der NFL, die Chicago Bears.

Philadelphia Eagles: Big Dick Nick als Playoff-Held

Für "Big Dick Nick", wie er seit dem Super-Bowl-Erfolg über New England genannt wird, ist dies nur der nächste Nachweis dafür, wie "clutch", wie der Amerikaner so gerne sagt, er doch ist, wenn es wirklich zählt.

Nach dem Bears-Spiel hat Foles das beste Passer Rating (105,2) und die höchste Passquote (69,8 Prozent) aller Quarterbacks in der Geschichte der NFL-Playoffs mit mindestens 150 Pässen. Darüber hinaus hat Foles das beste Passer Rating bei dritten und vierten Versuchen (146,5) in der Playoff-Geschichte (40/52, 522 YDS, 6 TD).

Wer unter der Woche "Good Morning Football" im NFL Network verfolgt hat, wird es vernommen haben: Journalist Peter Schrager beschwört mittlerweile regelmäßig die Magie von Nick Foles und hält ihn für eine nicht zu stoppende Macht. Damit ist er sicherlich nicht der einzige, gerade in Philly denkt man längst ähnlich.

Und Magie scheint nicht die abwegigste Erklärung zu sein für das, was Foles in letzter Zeit geleistet hat. Schaut man auf seine bisherige Karriere, machen seine herausragenden Vorstellungen als Notlösung in Philly wenig Sinn.

Nick Foles: Beeindruckene Zahlen in den Playoffs

Seit 2012 ist er in der Liga, doch bis auf 2013 steht für ihn eigentlich keine herausragende Saison zu Buche. Damals führte er die Liga in 10 Starts (13 Spiele insgesamt) mit einem Passer Rating von 119,2 an und ließ in der damals brandheißen Offense von Chip Kelly aufblicken, zu was er fähig ist.

Dieses Potenzial jedoch rief er anschließend bis Ende 2017 einfach nicht mehr ab. Als Backup in St. Louis und Kansas City war er zwischenzeitlich schlichtweg gescheitert und kam dann letztlich als günstige Ersatzoption zurück nach Philly. Und der Rest ist bekannt - wiederholt sich Geschichte in diesem Fall sogar?

Natürlich gehört mehr zum Eagles-Erfolg, als nur Foles selbst. Es ist ein Team, das ähnlich wie im Vorjahr wieder von einer starken Offensive und einer starken Defensive Line lebt, was viele Dinge vereinfacht. Doch Foles' beachtliche Gelassenheit in den kritischsten Momenten eines Spiels sticht ohne Frage heraus.

"Es ist eine erschreckende Art der Ruhe", beschrieb es Coach Pederson unter der Woche bei 94WIP. "Manchmal fragt man sich, ob er überhaupt einen Puls hat und den Moment überhaupt als solchen wahrnimmt. Aber ich weiß, dass es so ist, selbst wenn wir während des Spiels kommunizieren. Er ist mental voll da, und in diesen Momenten hat er einfach abgeliefert."

Eagles vs. Saints: Duell mit einem alten Bekannten

Wenn die Eagles das Divisional Weekend zu Gast beim haushohen Favoriten New Orleans (So., ab 22.40 Uhr live auf DAZN) abschließen, dann trifft Foles mit Drew Brees auf einen alten Bekannten. Beide sind Absolventen der Westlake High School in Austin/Texas. Und beide standen sich bereits vor vier Jahren in den Playoffs gegenüber. Damals siegten die Saints auf fremdem Platz 26:24 und damit hauchdünn - es war im Übrigen der einzige Auswärtserfolg überhaupt für die Saints in den Playoffs.

Unabhängig vom Ausgang der Partie, und auch davon, ob es Foles tatsächlich nochmal schafft, den Super Bowl zu gewinnen: danach dürfte tatsächlich Schluss sein für Foles und die Eagles. Wentz kommt zurück, dieses Mal wahrscheinlich sogar zum Saisonstart und geht man nach allen möglichen Anzeichen, dann will man weiter an seinem früheren Erstrunden-Pick festhalten.

Unter normalen Gesichtspunkten ist er auch einfach der bessere Quarterback - wenn auch ohne Magie. Und auch mit einer erneuten Anhebung der Salary Cap auf annähernd 190 Millionen Dollar macht es schwierig, einen Backup mit einer derart hohen Cap Number zu halten.

Foles spricht von emotionalem Abschied aus Philadelphia

Nach seinem womöglich letzten Heimspiel im Lincoln Financial Field in Week 16 gegen die Houston Texans (32:30) sagte Foles: "Es ist emotional. Ich liebe es, in Philly zu spielen. Ich weiß, dass dies das Ende gewesen sein könnte." Foles gab aber auch zu verstehen: "Ich denke nicht an die Zukunft, aber es ist mir bewusst, denn diese Stadt und dieses Team bedeuten mir so viel. Ich konzentrierte mich aber auf den Moment."

Zudem bezeichnete Foles das Tragen des dunkelgrünen Trikots als einen der besondersten Momente in seinem Leben.

Aber die Sachlage ist klar: Foles' Vertrag enthält eine Klub-Option in Höhe von 20 Millionen Dollar. Eine Option, die aber nicht zwingend bindend ist, denn für eine Summe von 2 Millionen Dollar kann sich Foles gewissermaßen seine Freiheit erkaufen.

Nun könnten die Eagles ihn einfach ziehen lassen, doch zögen sie die Option und Foles lehnte ab, dann wären sie in der Lage, ihn per Franchise Tag zu halten. Die Tag Number für Quarterbacks dürfte in dieser Offseason nördlich von 23 Millionen Dollar liegen. Der Hintergedanke ist klar: Wenn man Foles abgibt, dann doch bitte für eine Entschädigung, also via Trade.

Nick Foles eine begehrte Option auf dem Transfermarkt

Ob nun via Trade oder doch als Free Agent, der Markt für Foles wird robust sein. Realistisch betrachtet dürften mindestens mal die Giants, Jaguars, Dolphins und Broncos nach einem neuen Quarterback Ausschau halten. Die Raiders und vielleicht auch Redskins - wer weiß, wann und ob Alex Smith zurückkehrt - werden auch als potentiell QB-suchend gehandelt.

Und die Konkurrenz? Der sieht überschaubar aus. Neben Foles, der potenziell mit zwei Super-Bowl-Ringen angeben könnte, scheinen die Top-Optionen Teddy Bridgewater, Joe Flacco und - ja, tatsächlich! - Blake Bortles zu sein. Foles dürfte also - selbst wenn es wider erwartend nicht zum erneuten großen Wurf reichen sollte - ziemlich attraktiv sein für suchende Teams; zumal auch der Draft nicht eben tief besetzt ist in diesem Jahr.

Foles mag über seine komplette Karriere hinweg keine ganz große Konstanz an den Tag gelegt haben, doch wenn es zählte, wenn die Lichter am grellsten waren, dann war er zumindest in Philadelphia da und vollbrachte große Taten. Wie sehr er den Rest der NFL damit beeindruckt hat, sehen wir in Kürze.

Zunächst gilt es, die Magie, die ihn ausmacht, ein weiteres Mal zu beschwören.

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