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NFL

Die Jaguars nach dem Championship Game: Das war nur der Anfang!

Von Pascal De Marco
Leonard Fournette war schon in seiner Rookie-Saison der Fokus-Punkt der Jaguars-Offense

Die bemerkenswerte Saison der Jacksonville Jaguars ist mit einer bitteren 20:24-Niederlage bei den ewigen New England Patriots zu Ende gegangen. Trotz der Enttäuschung bleibt eine ganze Menge Stolz ob einer unerwartet starken Saison, sowie Zuversicht aufgrund einem hervorragenden Fundament für die Zukunft. Quarterback Blake Bortles hat seinen Standpunkt, und zwar den, ein Starting-Quarterback eines Sieger-Teams zu sein, durchaus respektabel vertreten. Doch entspricht dies auch den Plänen der Franchise?

Es waren Tränen der Enttäuschung, die mit ablaufender Spielzeit auf dem Gesicht von Bortles zu erkennen waren. Zu bitter war das Ende eines Traumes, der wie schon so viele in der NFL durch die schiere Genialität von Tom Brady und den Patriots zerstört wurde. Zu greifbar war die Belohnung für eine genauso starke wie unerwartete Saison der Jaguars, die erstmals in der Franchise-Geschichte in den Super Bowl hätten einziehen können - und gleichzeitig und mit nur einem Schlag die Phalanx in der AFC gebrochen hätten.

Doch nur weil die Reise nicht im U.S. Bank Stadium Anfang Februar endet, heißt es nicht gleich, dass es keine erfolgreiche Reise war!

Fans in Jacksonville waren das, was sie in dieser Saison erleben durften, aufgrund einer kontinuierlichen Erfolgs-Allergie in der jüngeren Vergangenheit keineswegs gewohnt. Europaweit prägte man seine Marke eher aufgrund der jährlichen London-Auftritte als aufgrund von Einzel-Übertragungen im Januar. In den Staaten derweil fungierten Bortles und die Jaguars als metaphorischer Boxsack in den sozialen Medien, für die man sich nun aber womöglich anderweitig nach einem dankbaren Fußabtreter umsehen muss.

Grund dafür ist der Turnaround, den Tom Coughlin seit seiner Ankunft in der Rolle des Beauftragten für Football-Angelegenheiten im Sonnenstaat eingeleitet hat. Die neue Arbeitseinstellung machte sich schon in den Sommer-Camps bemerkbar. Personalentscheidungen stellten sich nach nur einer Saison als hervorragend heraus: Leonard Fournette lief in seiner Rookie-Saison für über 1.000 Yards, Free Agent Calais Campbell legte einen Karrierebestwert von 14,5 Sacks hin und Corner-Neuzugang A.J. Bouye war nahezu ein Spiegelbild der Verlässlichkeit, auf die man auf der anderen Seite des Spielfelds bei Jalen Ramsey zählen konnte.

Die Defense ebnete den Weg für die magischen Reise, auf der man mit den zwei Playoff-Siegen gegen Buffalo und Pittsburgh in dieser Saison insgesamt mehr Siege einfahren konnte, als in den vergangenen drei Jahren zusammen. Das Run Game entlastete den fehleranfälligen Bortles, der vor der Saison in seiner Karriere genauso viele Pick-Sixes geworfen hatte, wie er Spiele gewinnen konnte. Endgültig jedoch untermalte man erst mit dem Sieg gegen die Steelers in der Divisional-Runde seine Relevanz. Ein Sieg, mit dem man das vielerorts als einzig logische Möglichkeit geglaubte ewige Rivalen-Duell zweier Hall-of-Fame-Quarterbacks im AFC Championship Game verhinderte.

"Sind ziemlich angepisst, dass wir nicht gewonnen haben"

Was es mit diesen Jaguars auf sich hat, bekamen dann auch die Patriots zu spüren. Der schon in der Vorwoche hervorragend funktionierende Game Plan schien wieder voll aufzugehen. New Englands Defense hatte gegen die Kombination aus Lauf und Play Action über weite Strecken der ersten Halbzeit keine Antwort parat. In Jacksonvilles beiden Scoring-Drives erlaubte Offensive Coordinator Nathaniel Hackett Bortles bei acht der elf First Downs zu werfen - eigentlich undenkbar, wenn man sich die vermeintliche Abhängigkeit von Fournette in dieser Saison ins Gedächtnis ruft.

Die Jaguars dominierten das Duell in Sachen Ballbesitzzeit mit 35:08 zu 24:52 und hielten Brady und die Pats über die ersten drei Viertel bei einer von acht möglichen Third-Down-Conversions. Sogar bei einem der sonst so effektiven Trick-Plays von Belichick zog man noch den Kopf aus der Schlinge, als Myles Jack bei seinem Tackle gegen Dion Lewis den Ball eroberte. Und doch sollte es am Ende nicht reichen. Im finalen Drive scheiterte die Offense in Nöten eines Touchdowns bei einer 4th-Down-Conversion.

Am Ende waren waren Bradys Fähigkeiten, in den wichtigsten Momenten sein bestes Spiel aufzulegen und selbst nach dem Ausfall von Rob Gronkowski Receiver ideal in Szene zu setzen, zu viel. Am Ende waren sechs Penalties über 98 Yards, darunter zwei Pass-Interference-Calls, sowie eine zugelassene 3rd-and-18-Conversion auf den bärenstarken Danny Amendola zu viel. Vor allem aber war ein mangelnder Plan B entscheidend, als die Patriots den Druck in der zweiten Halbzeit stark erhöhten und mit mehreren Rushern die Play-Action-Komponente aus dem Spiel nahmen.

"Wir hatten ein größereres Ziel, größere Ambitionen", resümierte ein enttäuschter Ramsey nach dem Spiel. "Wir sind gerade ziemlich angepisst, dass wir nicht gewonnen haben. Am Ende des Tages müssen wir aber die Saison reflektieren und Stolz auf uns sein. Wir sind als Gruppe näher zusammen gewachsen und haben einen Weg gefunden, der uns bis hier her gebracht hat."

Verzichten die Jaguars trotzdem auf Bortles?

Der Weg, den man bis zu diesem Zeitpunkt abgespult hat, war in der Tat ein weiter. Keiner jedoch musste einen weiteren gehen als der im Football doch immer zentrale Quarterback. Bortles absolvierte die beste Saison seiner Karriere mit einem absoluten Hoch im Dezember. In den Playoffs lief er in einem schwierigen Spiel gegen die Bills für mehr Yards, als das er passte. In Pittsburgh verantwortete er zwei enorm wichtige Touchdown-Drives im vierten Viertel, die das Spiel für die Steelers außer Reichweite brachten.

Der Auftritt gegen die Patriots ist jedoch als der vielleicht stärkste einzuordnen. Der so häufig in der Kritik stehende und belächelte Bortles brachte 64 Prozent seiner Pässe für 293 Yards und einen Touchdown an den Mann. Er zeigte - von akkuraten Back-Shoulder-Throws bis zu einem geretteten Play dank Rollout nach einem Flea-Flicker - auch unter Druck stehend Ungeahntes aus seinem Repertoir.

"Im Moment ist es schwer, sich über irgendetwas zu freuen", so Bortles. "Aber ich bin sicher, dass wir zu einem gewissen Zeitpunkt auf die Saison zurück blicken und an all die guten Dinge denken können, die passiert sind."

Ob er selbst zu diesem Zeitpunkt noch ein Mitglied der Jaguars ist, ist auch trotz seiner guten Saison nicht sicher. Diskussionen, ob Bortles der richtige Mann ist, die Jaguars irgendwann bis zu der Lombardi-Trophy führen, gab es nämlich mehr als genug.

Die Jaguars haben die Option im Vertrag für ein fünftes Jahr des ehemaligen Erstrundenpicks gezogen. Bortles steht dadurch 2018 mit 19,1 Millionen Dollar, dem Durchschnittsgehalt der zehn bestverdienenden Quarterbacks in der Liga, in den Büchern - falls er nicht noch entlassen wird. Über Optionen in Alex Smith, Kirk Cousins, Case Keenum, Sam Bradford, dem Coughlin-vertrauten Eli Manning oder einem Trade nach oben im Draft wurde bereits und wird auch nach dieser Postseason fleißig spekuliert werden.

"Haben uns eine Menge Respekt verschafft"

Eines scheint nämlich klar. Ob mit oder ohne Bortles ist dieses Team für die Zukunft bestens aufgestellt. Die großartige Defense bleibt erhalten und ist in allen Teilen, mit Ausnahme von Calais Campbell, 27 Jahre oder jünger. Campbell und Ramsey sind First-Team All Pros und Myles Jack sowie Bouye auf einem guten Weg dorthin. "Wir haben uns für das nächste Jahr auf jeden Fall eine Menge Respekt verschafft", erklärte Campbell. "Ich habe den Jungs gesagt, dass wir dieses Spiel als Motivation für die Zukunft sehen müssen!"

Und auch auf der offensiven Seite hat man den Grundstein für die Zukunft gelegt. Fournette zählt bereits zu den absoluten Top-Backs, Hackett zu den besseren Koordinatoren der Liga. Coughlin hat in seinem gerade einmal ersten Jahr einen gewaltigen Stein ins Rollen gebracht und im Team ist man sicher, dass dieser noch einen weiten Weg vor sich hat. "Wir lassen unsere Köpfe nicht hängen", so Marqise Lee. "Wir wissen, wie gut wir sind und wollen nur noch besser werden. Wir wissen wo wir stehen und wo wir hinwollen."

Die Jaguars scheiterten im AFC Championship Game um Haaresbreite am vielleicht konstantesten und erfahrensten Team aller Zeiten. Schon diese Reise bis hierher war in jedem Fall eine erfolgreiche, denn den Respekt der Liga hat man sich ohne Frage gesichert. Und so scheint eines jedem klar: Das war nur der Anfang!

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