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"Ich wurde beim Draft reingelegt!"

Donnerstag, 21.04.2016 | 18:34 Uhr
Björn Werner wurde 2013 in der ersten Runde von den Indianapolis Colts gedraftet
© getty
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Björn Werner steht ein spannender Sommer bevor: Der 25-jährige Pass Rusher will sich nach der Entlassung von den Indianapolis Colts bei einem neuen Team beweisen und erklärt im Interview, worauf es ihm ankommt. Auf den deutschen Receiver Moritz Böhringer setzt der gebürtige Berliner beim anstehenden Draft große Hoffnungen, außerdem blickt er auf seinen eigenen Draft-Tag zurück - und kann mit einer unglaublichen Geschichte aufwarten.

SPOX: Guten Morgen! Bei Ihnen in den USA ist es ja noch relativ früh - ich hoffe, ich habe Sie nicht geweckt?

Björn Werner: Nein, nein, alles gut. Wenn man ein kleines Kind hat, ist man früh wach. (lacht)

SPOX: Abgesehen vom täglichen Vater-Job: Wie sieht das Offseason-Programm aus? Sind Sie schon wieder voll im Training?

Werner: Ja, ich bin aktuell in Indianapolis. Hier gibt es sehr gute Trainingseinrichtungen, wo ich mit anderen Profis arbeite. Man darf auf keinen Fall außer Form sein, wenn ein Team anruft und du vorspielen sollst.

Die Björn Werner Kolumne: "Habe mir die Saison so nicht vorgestellt"

SPOX: Dennoch ist genau das Trent Richardson passiert, der vor einigen Wochen schwerer als gedacht zum Probetraining bei den Baltimore Ravens erschien und zugegeben hat, dass es leicht ist, in der NFL faul zu werden...

Werner: ...und er hat total Recht! Pro Jahr hast du grob gesagt sechs Monate, in denen du auf dich gestellt bist. Da braucht es Selbstdisziplin, man muss sein Training durchziehen, auf seine Ernährung achten und so weiter. Aber es gibt mehr Leute in der NFL als man denkt, die in der Offseason nichts machen, und es dann nicht schaffen. Und manche haben eben so viel Talent, dass sie mit weniger Arbeit durchkommen.

SPOX: Wie streng kann man sich die Ernährungsvorschriften denn vorstellen?

Werner: Ich will es mal so sagen: Wenn ich zwei Snickers esse, würde ich etwa zehn Kilo zunehmen. (lacht) Ich muss da sehr genau drauf achten und auch die ganze Zeit trainieren. Aber ich liebe es, ins Studio zu gehen und zu arbeiten. Ich muss mich eher selbst stoppen. Wichtig ist unter dem Strich aber, dass du deine Leistung bringen kannst. Dann fragt niemand, wie deine Offseason war. Wenn du gute Leistung bringst, kannst du fast machen, was du willst.

SPOX: Machen wir doch einen kleinen Cut und schauen auf das nächste NFL-Großereignis, den Draft. Wann fiel bei Ihnen die Entscheidung, den Schritt in die NFL zu wagen?

Werner: Ich bin ja schon als Junior, also ein Jahr vor meinem Abschluss, vom College gegangen. Wir haben mit Florida noch am 1. Januar im Orange Bowl gespielt und gleich am 2. Januar bin ich nach Tampa, um mich vorzubereiten. Ich hatte mich bereits früher entschieden, in den Draft zu gehen. Allerdings wussten das damals nur meine Frau und mein Agent.

SPOX: Und dann muss man sich tatsächlich gezielt auf die Combine-Übungen vorbereiten?

Werner: Genau, es ging dann direkt los. Die Combine-Drills genießen einen extrem hohen Stellenwert, da ist auch viel Hype dabei. So hieß es dann: Fitnessstudio und Training für die Übungen. Zudem gibt es noch andere Einheiten, denn bei der Combine kommen ja auch die Interviews dazu...

SPOX: ...da hört man ja immer wieder die verrücktesten Fragen, die den Prospects gestellt werden.

Werner: Das Ding ist: Du hast immer nur 15 Minuten mit einem Team. Ich war damals ein hoch gehandeltes Prospect, das heißt ich hatte Interviews mit fast jedem Team - und die wollten alles Mögliche von mir hören. Meine Geschichte, ob ich englisch kann, einfach alles. Allerdings bist du von morgens 5.30 Uhr bis um 23 Uhr beschäftigt. Es gibt zwar einen Schedule, aber der wird letztlich nie befolgt. Da kommt immer irgendwas durcheinander.

SPOX: War das bei Ihnen auch der Fall?

Werner: Ja. Beispielsweise muss man extrem viel Zeit im Krankenhaus verbringen, um MRTs und andere Tests über sich ergehen zu lassen. Und man kann vorher nicht einschätzen, wie lange das dauert. Ich hatte alleine vier MRTs! Die Reihenfolge innerhalb der 20er-Gruppe ist alphabetisch, das heißt ich war immer als Letzter dran. Letztlich war es dann sogar so, dass ich fast die Hälfte der angesetzten Team-Treffen absagen musste. Das sind drei komplett vollgepackte Tage.

SPOX: Kann man diese abgesagten Meetings irgendwie nachholen? Hat man einen Einfluss auf den Ablauf?

Werner: Nein, da hat man gar keinen Einfluss drauf. Wenn du bei der Combine ankommst, erhältst du sofort einen Plan, auf dem alle deine Termine draufstehen. Die Meeting-Times sind von 20 Uhr bis 23 Uhr. Man kann sich das so vorstellen: Du kommst in dieses alte Hotel in Indianapolis, und jedes Zimmer im Erdgeschoss "gehört" einem anderen Team, während in den Stockwerken darüber die Spieler schlafen. Wenn dann deine Viertelstunde bei einem Team vorbei ist, ertönt ein Signal und du musst aus dem Zimmer raus - um direkt in den nächsten Raum zu gehen. Aber ich war beispielsweise an einem Tag bis um 21.30 Uhr im Krankenhaus und musste die Meetings absagen, die von 20 bis 21.30 Uhr angesetzt waren. Da gibt es dann auch keine neue Chance.

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SPOX: Wie fällt vor diesem Hintergrund rückblickend Ihr Fazit aus?

Werner: Ich will es mal so sagen: Es ist schon ein sehr großer Hype. Klar, du willst eingeladen werden. Aber wenn du ein guter Spieler bist, wirst du trotzdem gedraftet, auch wenn die Combine-Zahlen vielleicht nicht perfekt waren. Ich glaube, das hilft vor allem den Spielern, die eher über wenig College-Videomaterial verfügen, auf den Radar zu kommen. Es ist vor allem auch eine Chance für die Teams, dich medizinisch unter die Lupe zu nehmen - irgendwo also auch eine Fleischbeschau. Außerdem ist es natürlich ein Medien-Event in der Offseason, mit dem man Geld verdienen kann und mit dem die NFL im Gespräch bleibt. Aber ich bin froh, dass ich das hinter mir habe.

SPOX: Immerhin gibt's dann ja das Highlight: der Draft! Sie waren damals selbst mit Ihrer Familie in New York und abends auch in der Radio City Music Hall. Ein ziemlich verrücktes Erlebnis, könnte ich mir vorstellen.

Werner: Ja, das passt. Man wird für zwei Tage mitten in Manhattan in einem Fünf-Sterne-Hotel untergebracht und da als Student mit deiner Familie hinzukommen - da staunt man schon mal nicht schlecht! Dazu gibt es ESPN-Partys für den Draft, man ist überall als VIP eingeladen. Das ist alles wirklich beeindruckend.

SPOX: Und dann wird es ernst.

Werner: Genau. Du sitzt in deinem Hotelzimmer, wirst immer nervöser, bis es irgendwann auf den Roten Teppich geht. Für die Spieler wird das schon enorm rausgezögert, es ist eine riesige Show. Irgendwann sitzt du endlich an deinem Tisch, der Draft startet und man wartet, bis man endlich angerufen wird. Ich musste über drei Stunden warten, bis ich schließlich an Nummer 24 dran war.

SPOX: Das zieht sich dann am Ende wahrscheinlich auch, oder?

Werner: Ich weiß noch: Irgendwann hatten die Leute überhaupt keine Lust mehr, zwei, drei, vier Stunden nervös zu sein. Danach ist man erstmal komplett kaputt. Wir sind gegen Mitternacht endlich los, um noch etwas zu essen, als so ziemlich alles schon zu war. (lacht) Meine Familie und Freunde sind noch feiern gegangen, ich war aber einfach platt - und bin ins Bett. Am nächsten Tag werden die Erstrunden-Picks dann gleich vom Team per Privatjet eingeflogen.

Seite 1: Werner über den verrückten Draft-Prozess und verpasste Team-Gespräche

Seite 2: Der Draft-Day-Schock, Böhringers Chancen und seine eigene Zukunft

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