Montag, 11.01.2016

Hangover, Wildcard-Runde

Vier verliert

Aus zwölf mach' acht! Zum ersten Mal in der Playoff-Geschichte setzen sich in der Wildcard-Runde alle vier Auswärtsteam durch. Zurück bleiben gebrochene Gestalten, die der Hangover unter die Lupe nimmt: Blair Walsh im Ace-Ventura-Stil, Brian Hoyer auf Jobsuche und ein Bengals-Duo im Selbstzerstörungsmodus. Dazu hat Captain Kirk den Schaden und den Spott, sein Backup räumt auf. Aber wie sagt man so schön: Es war nicht alles schlecht!

Für Brian Hoyer, Vontaze Burfict, Kirk Cousins und Blair Walsh (v.l.n.r.) ist die Saison vorbei
© getty
Für Brian Hoyer, Vontaze Burfict, Kirk Cousins und Blair Walsh (v.l.n.r.) ist die Saison vorbei

Sündenbock der Wildcard-Runde: Blair Walsh

"Es ging alles so schnell, ich habe keine Ahnung, was passiert ist. Ich muss es mir noch einmal anschauen, aber eines ist sicher: Es war mein Fehler." Sprach's und weinte danach in der Umkleidekabine bittere Tränen: Blair Walsh, Kicker der Minnesota Vikings. Er hatte sein Team mit einem völlig verpatzten Field-Goal-Versuch aus 27 Yards den Sieg gegen die Seahawks gekostet. "Es ist eine Schande. Mein Kick war einfach inakzeptabel. Ich hatte so hart gearbeitet und war das ganze Jahr über konstant, aber in diesem Moment, in den sie mich am meisten gebraucht hätten, war ich es nicht. Das tut weh."

Wie oft wird ein Field Goal aus dieser Distanz neben die Stangen gesetzt? Fast nie: 189 von 191 Kicks aus ähnlicher Distanz waren in der Regular Season erfolgreich, Walsh hatte in seiner Karriere überhaupt erst einmal (von 34) aus weniger als 30 Yards daneben gezielt, war mit 34 Field Goals der beste Kicker der Saison - und hatte die Seahawks mit Field Goals aus 22, 43 und 47 Yards an den Rand einer Niederlage gebracht. Am Ende blieb nur die Enttäuschung, auch wenn Holder Jeff Locke ebenfalls die Schuld auf sich nahm: Er hatte die Nähte des Footballs nicht zur Seite gedreht. Während Walshs Mitspieler ihn trösteten - und sich Running Back Adrian Peterson über seinen späten Fumble ärgerte -, reagierte Head Coach Mike Zimmer nach dem Spiel nicht gerade souverän: "Der Snap war vielleicht ein bisschen hoch, aber das ist ein Chip Shot. Den muss er machen."

PS: Erinnert sich noch jemand an Ace Ventura? Der tierische Detektiv aus der Jim-Carrey-Klamotte von 1994? Für alle Football-Fans ob des Gastauftritts von Dan Marino ohnehin Pflicht, doch an diesem Abend erlebten alle Fans ihr Deja-vu: Im Film dreht Marino als Holder eines entscheidenden Kicks die Nähte ebenfalls nicht nach außen. Das Field Goal geht natürlich fehl und... naja, seht selbst.

Zweiter Sieger: Bengals-Running Back Jeremy Hill. Nach der Interception von Roethlisberger-Backup Landry Jones musste Hill nur noch den Ball festhalten, die Uhr herunterspielen und vielleicht ein paar Yards holen. Schließlich war man schon in Field-Goal-Reichweite - beim Stand von 16:15 und kaum noch Zeit auf der Uhr schon mehr als die halbe Miete. Aber bei seinem ersten Laufversuch fumbelte Hill, the Comeback was on! "Unentschuldbar", ärgerte sich Hill später. "Ich dachte, ich hatte den Ball sicher weggesteckt." Dummerweise wurde das Leder von Verteidiger Ryan Shazier aber wieder entsichert - und das Unheil nahm seinen Lauf.

Flop der Wildcard-Runde: Brian Hoyer

Hey, das nächste Deja-vu: Erinnert sich noch jemand an Week 1? Da hatte Brian Hoyer als Starting Quarterback der Texans beim 20:27 gegen die Chiefs so große Probleme, dass er während des Spiels durch Ryan Mallett ersetzt wurde. Knapp vier Monate später hatte Hoyer, der nach seiner zweiten Gehirnerschütterung der Saison erst kürzlich wieder zum Team gestoßen war, offensichtlich nicht dazugelernt: 15/34, kein Touchdown, ein verlorener Fumble - und vier teilweise einfach nur grauenhafte Interceptions. Vier Ballverluste in der ersten Halbzeit, das hatte zuletzt Dan Marino - schon wieder Dan Marino! - im Jahr 2000 geschafft.

"Ich muss einfach besser spielen. Das ist es", bewies Hoyer im Anschluss Selbsterkenntnis. "Es war der falsche Zeitpunkt, um das schlechteste Spiel abzuliefern. Das ist hart." So schwer tat sich Hoyer in einem der wahrscheinlich schlechtesten Playoff-Spiele eines Quarterbacks überhaupt, dass sich an der Seitenlinie schon Brandon Weeden warmmachte. Für den Starting Job im nächsten Jahr durfte er sich dann aber nicht mehr empfehlen - und der dürfte nach diesem 0:30-Debakel ganz sicher zur Disposition stehen. Fünf QB-Turnover, fünf Punts. Weniger geht wirklich nicht.

Comeback der Wildcard-Runde: Ben Roethlisberger

Die Saison der Steelers war so gut wie vorbei: Nach einem konzentrierten Auftritt in Cincinnati führte man nach drei Vierteln mit 15:0, doch dann kassierte Ben Roethlisberger einen üblen Sack von Votaze Burfict, der ihn mit einer Schulterverletzung zurückließ. Plötzlich wurde Big Ben vom Feld gefahren (was einige Bengals-Fans übrigens mit Flaschenwürfen in seine Richtung feierten - stay classy...) und Backup Landry Jones musste rein.

Das Spiel kippte, denn während Jones in drei Drives nur eine Interception zustande brachte, wachte die Offense von AJ McCarron plötzlich auf. 16 Punkte in Folge, der Sieg war nah. Doch dann folgte Hills Fumble - und plötzlich stand die Steelers-Nemesis wieder an der Seitenlinie. Ein Bluff? Nein! Zum letzten Drive war der 1,96-Meter-Mann plötzlich wieder drin. "Good God, that's Roethliberger's music!" hätte man bei der WWE geschrien.

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"Es sah übel aus. Wir haben uns angeschaut und sagten: Jetzt oder nie", verriet Head Coach Mike Tomlin. Also ging sein Quarterback wieder ins Spiel - doch viel ging nicht. "Der Coach hat einen tiefen Pass durchgesagt, was natürlich auch nötig war, weil uns die Zeit weglief. Also bin ich zur Seitenlinie gegangen und sagte: Coach, das geht nicht mehr. Ich kann nicht so weit werfen." Trotzdem reichte es, den Bengals-Dummheiten sei Dank. Die Frage ist nun: Kann in Roethlisberger in einer Woche aufschlagen? Die Meldungen reichen von "nicht so schlimm" über gezerrte Schulter bis hin zu Eckgelenkssprengung. Die Fans können nur hoffen, dass es zum Aufeinandertreffen der beiden Comeback-Könige reicht. Passend dazu:

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Glückspilz der Wildcard-Runde: Denver Broncos

Nur wenige Sekunden hatten zum Duell Broncos-Chiefs gefehlt. Hätten die Bengals das Spiel nach Hause gebracht, wären sie nach Foxboro gereist und Kansas City nach Denver. KCs Defense hatte die Broncos vor einigen Wochen im wahrsten Sinne des Wortes auseinandergenommen und Peyton Manning mit vier Picks und einer Auswechslung einen der schlimmsten Tage seiner Karriere beschert. Ein derart schnelles Wiedersehen hatten sich Gary Kubiak und Co. wohl eher nicht gewünscht.

Nun reisen also die Steelers an. Die haben die Broncos zwar im Laufe der Saison ebenfalls geschlagen, bringen aber keine gute Defense mit. Dafür jede Menge angeschlagene Leistungsträger: Selbst wenn Big Ben, Antonio Brown (Gehirnerschütterung) und Running Back DeAngelo Williams (Fuß) spielen können, wären sie nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte. Peyton Manning mit seinen 39 Jahren der fittere QB? Das perfekte Szenario für die Broncos.

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Stefan Petri

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Stefan Petri(Redaktion)

Stefan Petri, Jahrgang 1983, ist seit 2012 für SPOX.com tätig. Aufgewachsen in Hemsbach an der schönen Bergstraße, verschlug es ihn nach seinem Anglistik- und Geschichtsstudium in Heidelberg nach München. Festes Mitglied im NFL- und im NBA-Ressort, kümmert sich als Sports-Allrounder u.a. auch um Tennis, Baseball, Snooker, Wintersport, etc.

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