Dienstag, 15.12.2015

Hangover: Week 14

"Was is mit de Kohlen?"

Ja, das interessiert! Star Wars dominiert die Schlagzeilen, doch diese Woche feiert der Hangover andere Helden unserer Kindheit - nämlich die mit flotten Sprüchen, dicken Bohnen und 'nem gepflegten Satz heißer Ohren für alle stotternden Bösewichte. Mit dabei: "Landvogt" Khalil Mack, Colts-Schrottarbeiter und ein bäriger Supermann Cam Newton. Außerdem: Russell Wilson kneift Ärsche, Blaine Gabbert stürzt ab - und bei Johnny Manziel dreht sich mal wieder alles nur um das Eine.

Johnny Manziel kümmerte sich vor dem Spiel gegen San Francisco liebevoll um de Kohlen
© getty
Johnny Manziel kümmerte sich vor dem Spiel gegen San Francisco liebevoll um de Kohlen

"Mach schon Platz, ich bin der Landvogt."

Für Khalil Mack, Pass-Rusher der Oakland Raiders. Es ist nicht überliefert, ob er die bemitleidenswerte Offensive Line der Broncos mit dieser Zeile begrüßte, sie schien sich das Motto aber zu Herzen zu nehmen. Fünf Sacks, darunter einen zur Safety, sammelte Mack in Denver ein, allesamt in der zweiten Halbzeit. Franchise-Rekord, außerdem führt er die Liga nun mit 14 Sacks an. Seit 2012 hatte kein Spieler mehr fünf Sacks in einer Partie geschafft.

"Er war unglaublich", lobte Head Coach Jack Del Rio. "Er wird einfach immer besser, er ist ein toller junger Mann." Brandon Marshall von den Broncos drückte es etwas drastischer aus: "Der Typ ist ein Tier." Und mit erst 24 Jahren in seiner zweiten Saison in der NFL noch lange nicht am Ende seiner Entwicklung angelangt.

"Ja wie soll ich sagen ..." "Lass aus der Lippe fallen!"

Für LeSean McCoy, Running Back der Bills. Der hatte nach seinem überraschenden Abgang - Eagles-Coach Chip Kelly hatte ihn ohne Vorwarnung getradet - nur böses Blut für Kelly übrig. Ein Rassist sei dieser, ließ er gleich mehrmals durchblicken, die Beziehung sei nie wirklich gut gewesen, und miteinander gesprochen hätten sie nach dem Trade auch nicht.

Während sich Kelly seinerseits für sein Verhalten in Bezug auf den Trade entschuldigte, schmollte Shady fleißig vor sich hin. Das brachte ihm bei seiner Rückkehr nach Philly laute Buhrufe ein, als er sich nach der knappen Niederlage schnell in die Kabine verkrümelte. Dort soll es dann zu einem Wutanfall gekommen sein. Für die Presse hatte er schließlich nur folgendes Bonmot übrig: "Ich habe euch nichts zu sagen."

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Kelly dementierte nach dem Spiel übrigens einen Bericht des Inquirer, wonach McCoy einfach aufgelegt hatte, als dieser ihn anrief, um die Wogen zu glätten. Es hätte wohl ohnehin nicht viel gebracht - schließlich antwortete McCoy auf die Frage, ob Kelly ihm die Hand schütteln könnte, mit: "Eine Scheiß kann Chip."

Das Roundup zum Sonntag: Cam siegt weiter - Dalton verletzt

"Ein Spiel in enger Freundesrunde soll Freude bringen zu jeder Stunde!"

Für die Cincinnati Bengals und die Pittsburgh Steelers, die sich ja offensichtlich so richtig sympathisch finden. Man kennt sich in der AFC North. Und schätzt sich ganz und gar nicht. Schon vor dem Kickoff hatten sich beide Teams in der Aufwärmphase an der Mittellinie zu einer Rudelbildung entschlossen, auch wenn wohl keine Fäuste flogen. Die Stimmung während des Spiels war dann nicht weniger aufgeladen.

Der Grund sollen, wenn man Bengals-OT Andrew Whitworth glauben will, Drohungen von Steelers-Linebacker Vince Williams gewesen. "Ich kriege jetzt Ärger, aber daran ist die NFL Schuld", so Whitworth. "Ich mag die Steelers und Mike Tomlin, aber sie hatten einen Spieler, der nach unserem letzten Spiel Todesdrohungen ausgestoßen hatte, er wollte Blut auf den Straßen vergießen. Alle haben es gesehen, nichts ist passiert."

Offenbar hatte Bengals-Linebacker Vontaze Burfict im Hinspiel seinen Hit gegen Running Back Le'Veon Bell zu sehr gefeiert - Bell hatte sich dabei bekanntlich eine schwere Verletzung zugezogen. Williams hatte sich dann auf Twitter mehr als ominös geäußert. Wir halten es da mit Tackle Marcus Gilbert, der tweetete: "Zu Weihnachten wünsche ich mir nur die Bengals. Würde sie gerne in den Playoffs sehen, wo sie ja immer versagen." Shots fired - aber eben zivilisierter Natur!

"Sie sind eine richtige Supermann, Wilbur!" "Und tanzen tut er wie ein Bär!"

Für Cam Newton, Quarterback der Carolina Panthers. Unglaublich, mit welcher Leichtigkeit sich der 26-Jährige an die Spitze des MVP-Leaderboards geschoben hat. Längst glänzt er nicht mehr nur als Athlet, sondern als Pocket Passer, der das Leder scheinbar mühelos sowohl durch die ganz engen Fenster feuern kann - siehe sein Touchdown-Pass zu Ed Dickson -, sondern auch den Deep Ball an den Mann bringt. Newton scheint sogar aus Flutschfinger Ted Ginn Jr. einen kompetenten Receiver gemacht zu haben. Allein das ist einen Award wert!

Mit saisonübergreifend nun schon 17 Siegen in Folge haben "Superman" Newton und die Panthers bereits ein Freilos in der ersten Playoff-Runde sicher, die perfekte Saison ist mehr als greifbar. Cam schickt sich derweil an, America's QB-Darling der neuen Generation zu werden: Blitzendes Zahnpasta-Lächeln, seine Routine, den Touchdown-Ball an kleine Kinder weiterzureichen - und natürlich die auffälligen Tänzchen.

Wobei das Rumgehopse gegen die Falcons vielleicht doch eher einem Bären glich. Ob Chicago ihn wohl gegen Jay Cutler tauschen würde? Kleiner Scherz...

"Gar nichts? Das ist nicht viel. Und danach?"

Für die Atlanta Falcons, die sich gegen Papa-Bär Cam Newton 60 Minuten lang zusammenkauerten und das Schauspiel widerspruchslos über sich ergehen ließen. "Kein Zweifel", es sei die schlechteste Vorstellung der laufenden Saison gewesen, polterte Coach Dan Quinn. Alle müssten sich mehr reinhängen, und irgendwie sei seine Message ans Team wohl nicht durchgedrungen.

Er hat nicht ganz unrecht - wobei man bemängeln könnte, dass es nicht das schlechteste Spiel des Jahres wahr, sondern des Jahrzehnts. Zum ersten Mal in 41 Spielen gegen Carolina blieb man ohne Punkt, in der Liga zum ersten Mal seit 2004 - und hätten die Panthers nicht den Fuß vom Gas genommen, es wäre noch viel schlimmer gekommen. Hey, immerhin gibt es für Matt Ryan und Co. eine Chance im Rückspiel in zwei Wochen. Da ist die Freude sicher extrem groß in der Umkleide...

"Hat er Bums gemacht und unten isser. Nun siehst du mal, wie leicht man abstürzen kann."

Für Blaine Gabbert, Quarterback der San Francisco 49ers. Der fand sich gegen die Browns nämlich unangenehm oft auf seinem Hosenboden nieder. Erst 17 Sacks hatte Cleveland vor diesem Spiel in der kompletten Saison geschafft, gegen die Niners kamen mal eben neun dazu! Mehr hatten die Niners in der Franchise-Geschichte noch nie zugelassen. "Peinlich, die Art und Weise wie wir verloren haben", redete NaVorro Bowman nicht um den heißen Brei herum. "Vielleicht haben wir sie auf die leichte Schulter genommen", gab Linebacker Ahmad Brooks zu.

Es war zumindest eine schmerzhafte Bruchlandung auf dem Boden der Realität für Gabbert. Er hatte seit seiner Beförderung zum Starter phasenweise geglänzt und Siege gegen die Falcons und Bears in Overtime gesichert. Immerhin fasste sich der 26-Jährige an die eigene Nase: "Ich muss den Ball einfach schneller loswerden. Ich muss vorne einen besseren Job machen, keine Frage." Gegen die Bengals wird es kommende Woche nicht gerade einfacher.

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Stefan Petri

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Stefan Petri(Redaktion)

Stefan Petri, Jahrgang 1983, ist seit 2012 für SPOX.com tätig. Aufgewachsen in Hemsbach an der schönen Bergstraße, verschlug es ihn nach seinem Anglistik- und Geschichtsstudium in Heidelberg nach München. Festes Mitglied im NFL- und im NBA-Ressort, kümmert sich als Sports-Allrounder u.a. auch um Tennis, Baseball, Snooker, Wintersport, etc.

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