Freitag, 06.03.2015

Legenden-Serie: Joe Montana

The Catch, The Drive - The Best

Nichts los in der ewig langen NFL-Sommerpause? Von wegen: SPOX startet die Legenden-Serie. Und wer wäre für den Auftakt besser geeignet als QB-Legende Montana? Kein Quarterback kann auf eine bessere Super-Bowl-Bilanz zurückblicken als Joe Montana. Zwischen Comeback-King und Draft-Steal: die Geschichte des geborenen Quarterbacks und seinen vielen Signatur-Momenten.

Legende: Joe Montana hat die beste SB-Bilanz aller Quarterbacks.
© getty
Legende: Joe Montana hat die beste SB-Bilanz aller Quarterbacks.

NFC-Championship-Game 1981. Die Dallas Cowboys, America's Team und Serien-Division-Champion der letzten Jahre, waren im Candlestick Park zu Gast und der Favorit führte spät im Schlussviertel mit 27:21. Doch die 49ers hatten Joe Cool in ihren Reihen. Montana führte das Team 83 Yards von der eigenen 11-Yard-Line bis zur 6-Yard-Line der Cowboys und dann gelang ihm der Wurf, der auch Jahre später noch sinnbildlich für seine Karriere stehen sollte.

51 Sekunden vor Schluss mit drei Pass-Rushern direkt vor ihm wich Montana zurück und warf einen hohen Ball in die Endzone, wo Dwight Clark sich das Ei aus der Luft schnappte - The Catch war geboren. "Ich dachte eigentlich daran, den Ball wegzuwerfen. Aber dann sah ich, wie er sich frei lief und wusste, ich musste nur kurz noch aushalten", berichtete er später.

Dabei hatte er zunächst überhaupt nicht gesehen, was passiert war, denn die drei Cowboys begruben den schmalen Quarterback unter sich. Der Jubel im Stadion ließ allerdings schnell erahnen, was geschehen war. Der 28:27-Sieg brachte San Francisco in den Super Bowl.

The King of Comeback

Wenngleich dieser Moment die Wahrnehmung Montanas in der Öffentlichkeit enorm prägen sollte und ihn endgültig zum Superstar machte, blieb es längst nicht das einzige spektakuläre Comeback. Montana besaß eine unglaubliche Ruhe in großen Momenten und wo andere in Panik verfielen, blühte er immer wieder auf. 31 Spiele gewann Montana noch im Schlussviertel nach Rückstand und vor allem im Super Bowl gab es nie einen besseren und konstanteren Quarterback.

Eine Erklärung hat er selbst dafür nie wirklich bereitstellen können: "Am ehesten könnte man es vielleicht damit erklären, dass ich mich in allem gerne mit anderen Messe. Ich bin nicht in Panik verfallen, weil ich den Wettkampf geliebt habe. Je härter die Lage schien, desto stärker konzentrierte ich mich auf das, was ich schaffen musste."

"Zum Quarterback geboren"

So waren oft eher sein Kopf, die innere Ruhe und das Verständnis für das Spiel die Gründe für Montanas Erfolge. Rein physisch war das in West-Pennsylvania, wo auch QB-Größen wie Johnny Unitas, Dan Marino, Joe Namath oder George Blanda herstammen, aufgewachsene Einzelkind mit italienischen Wurzeln wenig beeindruckend. Montana war nicht besonders schnell oder groß und überzeugte auch nicht mit einem sonderlich starken Wurfarm.

Und doch sagte schon sein High-School-QB-Trainer Jeff Petrucci einst: "Joe wurde dafür geboren, Quarterback zu sein. Das hat man schon früh gesehen - die Spannung im Huddle wenn er dabei war. Es war, als würde er das Spiel in Zeitlupe sehen. Ob später in Notre Dame oder auch bei den 49ers, Montana war der Chef im vierten Viertel."

Anfangs lenkte sich Montana noch mit Baseball und Basketball ab, wo ihm ebenfalls ein Stipendium angeboten wurde, doch nachdem er sein High-School-Senior-Jahr als All-American-Quarterback beendet hatte, entschied er sich für Football und ging, wie sein Vorbild Terry Hanratty, ans College von Notre Dame.

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Montana-Magie nach Stotterstart

Doch bei seiner Wunschschule angekommen merkte der Youngster schnell, dass er nicht mehr der Star des Teams war. Zwischenzeitlich war Montana, trotz bereits eines Comeback-Sieges 1975, nur der siebte Quarterback im Kader und eine schwere Schulterverletzung verdammte ihn die komplette 1976er Saison über zum zuschauen. Zwar blieb er im Team, startete ins kommende Jahr aber noch immer nur als dritter Quarterback. Und doch sollte es nicht lange dauern, bis auch der College-Football ein Stück Montana-Magie zu spüren bekam.

Im dritten Saisonspiel, Notre Dame lag mit 14:24 gegen Purdue zurück, wurde Joe Cool eingewechselt. 154 Yards und ein Passing-TD später hatten die Fighting Irish das Spiel gedreht und gewannen mit 31:24. Montana führte Notre Dame zur National Championship, gab seinen Startplatz nie wieder her und ging mit einem Knall. Sein letztes College-Spiel vor dem Draft war der Cotton Bowl 1979 gegen die University of Houston. Notre Dame lag mit 12:34 hinten, 7:37 Minuten vor Schluss.

Ein eigentlich nahezu ausgeschlossenes Comeback, zumal Montana die ganze Woche über mit der Grippe zu kämpfen hatte. Doch er führte sein Team bei seinem größten Fourth-Quarter-Comeback mit dem letzten Spielzug der Partie zum 35:34-Sieg, was Coach Dan Devine zu einer rückblickend schon fast prophetischen Äußerung brachte: "Mit Joe Montana in deinem Team ist das Spiel niemals vorbei."

Der perfekte QB-System-Fit

Auch nach der illustren College-Karriere wurde Montanas Geduld aber zunächst auf die Probe gestellt. Die NFL-Scouts hatten an dem oft schlaksig wirkenden Quarterback Zweifel und befürchteten, dass er die Hits von NFL-Defendern auf Dauer nicht verkraften würde. So musste er bis zur dritten Runde warten, ehe ihn die 49ers schließlich erlösten - und damit ihren Wunsch-Quarterback bekamen.

"Wir hatten unsere Hausaufgaben gemacht und sind davon ausgegangen, dass Joe in den ersten fünf Runden nicht genommen werden würde", erinnerte sich der damalige Niners-Coach Bill Walsh: "Viele typische Scouts damals waren Ex-Linemen, die keine Ahnung hatten, was einen guten Quarterback ausmacht. Sie schauten nur auf die Stärke des Wurfarms. Aber Joe hatte alles, was ein Quarterback in unserem System brauchte. Ein guter, beweglicher Athlet mit guter Körperkontrolle."

Kein Produkt des Systems

Die Entscheidung war schon beim Pre-Draft-Workout gefallen: "Als ich ihn mir das erste Mal angeschaut habe war mir klar, dass das der beste Quarterback ist, den ich gesehen hatte. Ich wusste, dass er in unserer Offense großartig werden würde." Walshs West-Coast-Offense baute auf viele kurze Pässe, diverse Formationen und viel Bewegung.

Es war ein komplexes, anspruchsvolles System, das einen intelligenten, aufnahmefähigen Quarterback brauchte. Perfekt für Montana, der keineswegs ein Produkt des Systems war. "Seine brillanten Leistungen haben uns alle erfreut und mein neues Haus bezahlt", grinste Walsh viele Jahre später.

Zudem leisteten sich die Niners den Luxus, Montana langsam aufzubauen. In den ersten eineinhalb Jahren kam er nur sehr vereinzelt und ausgewählt zum Einsatz, alles penibel geplant: "Wir wollten ihn nicht den Wölfen zum Fraß vorwerfen. Wir dachten es wäre wichtig, dass er langsam Selbstvertrauen gewinnt." Mitte seiner zweiten NFL-Saison war es schließlich soweit. Joe Montana war Starting-Quarterback der 49ers und sollte mit Walsh die Liga revolutionieren.

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Adrian Franke

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Adrian Franke(Redaktion)

Adrian Franke, Jahrgang 1989, ist seit 2013 bei SPOX.com tätig. Nach dem Abitur 2007 in Mannheim sammelte er erste Praxiserfahrungen im Printjournalismus. Anschließend war er 2010 bereits für einige Monate als Praktikant bei SPOX und kehrte 2013 parallel zu seinem Geschichts- und Anglistikstudium in Heidelberg zurück. Seit Herbst 2015 ist sein Kernressort die NFL.

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