NFL

Dallas glückt Thanksgiving-Revanche

Von Adrian Franke
Dez Bryant (M.) und die Cowboys grüßen von der Spitze der NFC East
© getty
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Tennessee Titans (2-12) - New York Jets (3-11) 11:16 (3:0, 2:3, 6:7, 0:6) BOXSCORE

Für viele Fans der beiden Teams stand das Duell, in dem es möglicherweise letztlich um den Top-Draftpick ging, unter dem Titel: "Suck for the Duck". Gemeint war Oregons Quarterback Marcus Mariota, für die meisten Experten der Topmann im anstehenden Draft. Insofern wollten nicht wenige Anhänger eine Niederlage des eigenen Teams sehen - doch die Jets waren im erwartet schwachen Spiel das stärkere Team. Ein 9-Yard-TD-Pass von Geno Smith (16/28, 179 YDS, TD) zu John Conner sowie ein 1-Yard-TD-Run von Chris Ivory machten am Ende den Unterschied aus.

"Wir haben Herz", konstatierte Jets-Coach Rex Ryan anschließend. Insgesamt kontrollierte New York die schwache Titans-Run-Defense mit dem eigenen Run Game (29 ATT, 114 YDS), defensiv profitierte man von einer erneut schwachen Titans-Offense. Quarterback Jake Locker, der den verletzten Zach Mettenberger vertrat, musste noch vor der Halbzeit ebenfalls verletzt raus, Charlie Whitehurst (10/24, 203 YDS) übernahm seinen Platz.

Im Run Game brachte Tennessee einmal mehr wenig zustande, dennoch hatten die Hausherren mit einer Sekunde vor Schluss von der 50-Yard-Line noch die Chance auf den Sieg: In einem Verzweiflungsspielzug passten sich die Titans den Ball mehrfach quer zu, wurden aber kurz vor der Endzone schließlich gestoppt. Allerdings hatte das Spiel auch einen Negativhöhepunkt: Nach einem zurückgepfiffenen Touchdown versuchten einige Titans-Spieler Smith zu provozieren - eine Schlägerei brach aus bei der Smith einen heftigen Schlag auf den Helm abbekam.

San Diego Chargers (8-6) - Denver Broncos (11-3) 10:22 (0:3, 3:6, 0:7, 7:6) BOXSCORE

Sind die Zeiten von Peyton Manning als Stat-Monster und MVP-Kandidat vorbei? Die Partie in San Diego bot sowohl für Optimisten als auch für Pessimisten einiges an Futter: Der Pessimist sah insgesamt nur 20 Passversuche, dabei schenkte Coach John Fox zum Beispiel gleich im ersten Drive einen third-and-long per Laufspielzug ab. Zudem scheiterte man in der Redzone ein ums andere Mal und musste auf Kicker Connor Barth ausweichen. Die Optimisten dagegen sahen einen Flatterball, der regelmäßig bei den Receivern ankam (14/20) und dabei für großen Raumgewinn sorgte (insgesamt 233 Yards).

Der Realist wird bemerken, dass Manning mit Grippe-Symptomen und nicht im Vollbesitz seiner Kräfte ins Spiel gegangen war. Das führte zu einer kuriosen Szene: Zwei Minuten vor der Pause wollte Running Back C.J. Anderson (85 Yards) aus kurzer Distanz in die Endzone durchschlüpfen - und Manning höchstpersönlich stellte den Block. Dabei verletzte der sich jedoch am Oberschenkel und bekam gar nicht mit, dass der Touchdown nicht zählte. Also musste Brock Osweiler ran, vergeigte eine Serie vor dem Seitenwechsel - und so stand es lediglich 9:3.

Nach der Pause legte Manning dann einen Zahn zu, fand Demaryius Thomas für einen 28-Yard-TD und sah insgesamt etwas erholter aus. Philip Rivers fand gegen die starke Defense nur selten seinen Groove, obwohl er kein einziges Mal gesackt wurde. Aqib Talib und Rahim Moore schnappten sich im letzten Viertel zwei Picks und erstickten so eine Aufholjagd des Heimteams. Da spielte es auch keine Rollte, dass den Broncos zu diesem Zeitpunkt die Linebacker ausgingen: Sowohl Brandon Marshall als auch Danny Trevathan konnten nicht mehr mitwirken, auch Left Tackle Ryan Clady war angeschlagen draußen. Mit dem Sieg macht Denver den Division-Title perfekt, San Diego hat ein Spiel Rückstand auf die Wildcards.

Detroit Lions (10-4) - Minnesota Vikings (6-8) 16:14 (0:7, 10:7, 3:0, 3:0) BOXSCORE

Die Detroit Lions haben Green Bays Ausrutscher in Buffalo genutzt und sind neuer Spitzenreiter der NFC North - dank des Sieges über die Vikings hat Detroit, das am letzten Spieltag noch nach Lambeau muss, sein Schicksal komplett selbst in der Hand. Allerdings sah es zunächst ganz anders aus: Minnesota und vor allem Quarterback Teddy Bridgewater (31/41, 415 YDS, TD, 2 INTs) begannen stark, Running Back Matt Asiata brachte die Vikes früh in Führung.

Per TD-Pass auf Greg Jennings erhöhte Bridgewater kurz darauf, Detroit hatte zu diesem Zeitpunkt noch kein einziges First Down herausgeholt. Doch dann wendete sich das Blatt: Bridgewater warf innerhalb kürzester Zeit zwei Picks, was Detroit mit insgesamt zehn Punkten bestrafte. Die Vikings erholten sich davon auch nach der Halbzeitpause nicht mehr, vergaben einen zweiten FG-Versuch (sowie einen dritten Verzweiflungsversuch aus fast 70 Yards eine Sekunde vor Schluss) und Detroit sicherte sich den denkbar knappen Heimsieg.

Dabei konnten sich die Lions einmal mehr bei ihrer starken D-Line bedanken, die insgesamt vier Sacks verzeichnete und die Vikings-Offense immer wieder empfindlich störte. Zudem verhinderte sie, dass Minnesota ohne den verletzten Jerick McKinnon ein Run Game aufziehen konnte - lediglich 76 Rushing Yards standen bei 21 Versuchen zu Buche. "Wir haben heute unglaublich gekämpft", war Vikes-Coach Mike Zimmer dennoch nicht unzufrieden: "Es gibt einiges, worauf wir heute stolz sein können."

Seattle Seahawks (10-4) - San Francisco 49ers (7-7) 17:7 (3:0, 0:7, 7:0, 7:0) BOXSCORE

Eigentlich begann alles so gut aus Sicht der Niners. San Francisco ließ zunächst nur ein Field Goal zu und marschierte wenig später das Feld herrunter - Frank Gore drückte das Ei aus zehn Yards mit Urgewalt in die Endzone. Das Run Game der 49ers wirkte so explosiv wie schon seit Wochen nicht mehr und auch Quarterback Coline Kaepernick (11/19, 141 YDS) durfte deutlich mehr mit dem Ball laufen als zuletzt (9 ATT, 46 YDS). Doch das Glück war gegen eine erneut herausragende Seahawks-Defense schlicht nicht auf San Franciscos Seite.

Zunächst zog sich Gore eine Gehirnerschütterung zu und musste raus, kurz nach der Pause erwischte es auch noch seinen Backup Carlos Hyde (Knöchel). Die Run-Offense war damit empfindlich dezimiert und Seattle übernahm ab dem dritten Viertel zunehmend das Kommando. Marshawn Lynch (21 ATT, 91 YDS, TD) spielte auch ohne den zwischendurch verletzten Tackle Russell Okung (Brust) gewohnt stark und die Seahawks verzeichneten defensiv insgesamt sechs Sacks. Neben den Verletzungen hatte San Francisco auch bei einer sehr zweifelhaften Roughing-the-Passer-Strafe Pech, welche Seattles zweiten und vorentscheidenden Touchdown ermöglichte.

"Unsere Defense war wirklich stark heute. Aber in der Pass Protection hatten wir Schwierigkeiten", analysierte Niners-Coach Jim Harbaugh, dessen Team mit der Pleite offiziell aus dem Playoff-Rennen eliminiert ist, anschließend. Mit Blick auf seine seit Monaten diskutierte Zukunft fügte Harbaugh erstaunlich offen hinzu: "Ich bin jederzeit bereit, um mich mit dem Eigentümer oder dem Geschäftsführer zusammen zu setzen. Keine Frage." Für die Seahawks steigt damit am kommenden Sonntagabend in Arizona (11-3) das direkte Duell um die Division.

Philadelphia Eagles (9-5) - Dallas Cowboys (10-4) 27:38 (0:14, 10:7, 14:7, 3:10) BOXSCORE

Die Thanksgiving-Revanche ist geglückt! Nach der 10:33-Pleite Ende November behielten diesmal die Cowboys im Division-Duell mit den Eagles die Oberhand. Allerdings machte sich Dallas das Leben selbst ein bisschen schwer.

Der Grund: 21:0 führten die Texaner Mitte des zweiten Drittels, alles deutete auf ein relativ entspanntes Sunday Night Game hin. Vor allem der überragende Dez Bryant war kaum zu halten und fing in der ersten Hälfte zwei TD-Pässe von Tony Romo.

Doch die Cowboys wären auch irgendwie nicht die Cowboys, wenn es das schon gewesen wäre. Ganz im Gegenteil: Philly zeigte Moral und drehte mit 24 Punkten in Folge die Partie. Aber auf Mister Bryant war an diesem Abend schlicht und ergreifend Verlass.

Der Receiver sorgte nach einem Murray-TD mit seinem dritten TD-Catch (Career-High) zu Beginn des letzten Viertels für eine kleine Vorentscheidung. "Uns allen war klar, was auf dem Spiel steht. Ich war richtig heiß. Wir müssen niemandem etwas beweisen, sondern einfach unseren Weg gehen", so der Matchwinner, der insgesamt auf 114 Yards (6 REC) kam.

Auch Romo lieferte eine starke Leistung ab, leistete sich keine einzige Interception und beendete die Partie mit 265 Yards bei 22/31. Ebenfalls nicht zu vergessen: DeMarco Murray (31 CAR, 81 YDS, 2 TD). Die Cowboys übernahmen mit dem Sieg die alleinige Tabellenführung in der NFC East. Philly verlor dagegen nach zehn Regular-Season-Heimsiegen in Folge zum zweiten Mal hintereinander.

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