Donnerstag, 09.09.2010

NFL-Star Adrian Peterson im Interview

Peterson: "Gott hat mich auf die Probe gestellt"

Adrian Peterson ist einer der besten Running Backs der NFL. In der kommenden Saison will er mit Star-Quarterback Brett Favre und den Minnesota Vikings den Super Bowl gewinnen. Der Auftakt gegen die New Orleans Saints ging allerdings in die Hose. SPOX stand er zuvor Rede und Antwort.

Adrian Peterson will mit Brett Favre und den Minnesota Vikings den Super Bowl gewinnen
© Getty
Adrian Peterson will mit Brett Favre und den Minnesota Vikings den Super Bowl gewinnen

Als Kind war Adrian Peterson hyperaktiv. Heute ist er einer der besten Running Backs der NFL. Mit acht Jahren musste er mit ansehen, wie sein Bruder von einem betrunkenen Autofahrer überfahren wurde. Heute sagt er: mit jedem Spiel will er das Andenken an seinen toten Bruder in Ehren halten. Einen Tag vor dem NFL-Combine wurde sein Halbbruder erschossen. Heute sagt er: diese Tragödien haben ihn stark gemacht.

mySPOX-Preview: Die Minnesota Vikings in der Analyse

Im Interview spricht der 25-jährige Star der Minnesota Vikings außerdem über die Rückkehr von Brett Favre, die härtesten Verteidiger der NFL und den Traum vom Super Bowl. Auch einige Fragen der mySPOX-User hat der NFL-Superstar beantwortet.

Record Breakers: Die NFL-Rekordhalter
Die Pro Football Hall of Fame in Canton, Ohio. Warum wir sie zeigen? Weil die meisten unserer Rekordhalter entweder schon drin sind - oder bald sein werden
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Die Pro Football Hall of Fame in Canton, Ohio. Warum wir sie zeigen? Weil die meisten unserer Rekordhalter entweder schon drin sind - oder bald sein werden
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Die meisten Touchdowns hat Peyton Manning auf dem Konto - schon über 520 sind es, Tendenz steigend. Den Rekord in einer Saison hält er mit 55 ebenfalls (2013)
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Die meisten Touchdowns hat Peyton Manning auf dem Konto - schon über 520 sind es, Tendenz steigend. Den Rekord in einer Saison hält er mit 55 ebenfalls (2013)
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Mehr als 5477 Yards hat übrigens noch kein QB geworfen - der Rekord geht also auch an Manning. Oh, und fünf MVP-Awards sind ebenfalls Rekord
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Die meisten Playoff-Spiele als Quarterback gewonnen hat Tom Brady mit bisher 18. Zudem bringt es niemand auf mehr Passing Yards in einem Quarter als er (252)
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Brett Favre ist schon einige Rekorde los. Ihm bleiben die meisten Fumbles (166) und Interceptions (176) aber auch insgesamt 298 Spiele und unglaubliche 71.838 Passing Yards
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Vor ihm hatte jeder Quarterback Respekt: Bruce Smith. Spitzname: The Sack Man. Seine 200 Karriere-Sacks für Buffalo (1985-1999) und Washington (2000-2003) sind NFL-Rekord
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Michael Strahan ist der Mann, der den Rekord für die meisten Sacks in einer Saison hält. 22,5 waren es in der Saison 2001 für die NY Giants
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Der beste Receiver heißt Jerry Rice. Die 49ers-Legende fing in seiner Karriere 197 Touchdown-Pässe. Außerdem hat er die meisten Receptions (1549) und Receiving Yards (22895)
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Die meisten All-Purpose-Yards in einer Saison - also Rushes, Pässe und Returns zusammengerechnet - sammelte Darren Sproles in der Saison 2011 für die Saints. Er brachte es auf 168,5 pro Spiel - Respekt!
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Der fleißigste Running Back der NFL-Geschichte ist Emmitt Smith: 18.355 Yards sammelte der ehemalige Cowboys- und Cardinals-Star von 1990 bis 2004
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Der fleißigste Running Back der NFL-Geschichte ist Emmitt Smith: 18.355 Yards sammelte der ehemalige Cowboys- und Cardinals-Star von 1990 bis 2004
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Barry Sanders ist Mr. Konstanz. 1997 erlief der Lions-Running-Back in 14 Spielen hintereinander mehr als 100 Yards, bis heute unerreicht!
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404 Yards in einem Spiel. Dabei kam Glyn Milburn für die Broncos als Running Back (131 Yards), Receiver (45 Yards), Punt (95 Yards) und Kick Returner (133 Yards) zum Einsatz
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Der Return-Mann schlechthin ist Devin Hester. Auf 19 Kick- und Punt-Return-Touchdowns insgesamt bringt er es
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An ihm kommt allerdings niemand vorbei: Kicker Morten Andersen. Der Däne hält den Rekord für die meisten Karriere-Punkte 2544 (Punkte), Spiele (382) und Field Goals (565)
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SPOX: Zuerst einmal: Herzlichen Glückwunsch.

Adrian Peterson: Wozu?

SPOX: Na zur Rückkehr von Brett Favre. Die meisten NFL-Experten hatten Ihr Team nach seinem erneuten Rücktritt schließlich vom Super-Bowl-Kandidaten zum Mitläufer degradiert. Jetzt ist er wieder da und die Vikings zählen damit erneut zum Favoritenkreis.

Peterson (lacht): Na dann... danke. Nein, mal im Ernst. Brett ist ein großartiger Spieler. Eine lebende Legende des American Football. Es ist also gut, dass er wieder da ist.

SPOX: Aber die unsichere Wartezeit war doch sicher schwierig. Wie ist das Team mit der Situation umgegangen? Besonders Tarvaris Jackson und Sage Rosenfels - seine beiden Ersatzmänner? Die wussten schließlich nie, ob sie spielen werden oder nicht...

Peterson: Tarvaris und Sage haben sich stets professionell verhalten. Und so muss es auch sein. Denn selbst wenn man mit einer Situation unzufrieden oder unglücklich ist, so bleibt Football doch ein Teamsport - und wir müssen deshalb immer das tun, was für das Team am besten ist.

SPOX: Wo wir gerade bei Favre sind... Er wurde in Green Bay zur Legende. Bei Ihrem größten Rivalen. Könnten Sie sich vorstellen, jemals für die Packers zu spielen?

Peterson: Man weiß nie, was die Zukunft bringt. Welchen Weg man mal einschlägt. Aber es wäre schon ziemlich verrückt, zu den Packers zu gehen. Mir gefällt es hier sehr gut.

SPOX: Dabei gibt es auch hier in Minneapolis immer wieder Kritik. Etwa wegen Ihrer häufigen Ballverluste. Haben Sie in der Offseason besonders daran gearbeitet?

Peterson: Trainieren konnte ich da nicht viel. Jedenfalls nicht körperlich. Das ist bei mir alles reine Kopfsache. Ich muss mir einfach noch bewusster werden, wo ich mich auf dem Feld befinde und wo die Verteidiger sind, die gleich versuchen werden, mir den Ball abzunehmen.

SPOX: Ihr Kollege Chris Johnson von den Titans hat in der vergangenen Saison die 2000-Yard-Marke geknackt. Können Sie das in diesem Jahr noch überbieten?

Peterson: Ich stecke mir hohe Ziele, wie in jedem Jahr. Und seit ich als Rookie in die NFL kam, waren die 2000 Yards mein Ziel. Jetzt hat es Chris geschafft. Davor ziehe ich meinen Hut. Er hatte eine großartige Saison, die den Menschen gezeigt hat, was möglich ist. Aber für mich sind Siege mittlerweile wichtiger als Yards. Wenn ich wählen müsste, zwischen dem Super Bowl und dem Titel "Bester Running Back", dann wäre es der Super Bowl.

Experten-Check: Wer hat die besten Chancen auf den Titel?

SPOX: Im Kampf um den Titel gibt es viele Bräuche. Haben Sie ein Ritual vor dem Spiel?

Peterson: Ich bin nicht so abergläubisch wie viele andere Spieler. Deshalb habe ich kein richtiges Ritual. Eher einen kleinen Tick im Bezug auf meine Socken und Schuhe. Die müssen einfach perfekt sitzen. Sonst gehe ich nicht aufs Feld. Kein Witz. Es muss sich einfach alles richtig anfühlen, bevor ich ins Stadion einlaufe.

SPOX: Gegen die harten Hits der Gegner helfen solche mentalen Tricks aber sicher nicht. Einige Verteidiger haben es angeblich auf Sie abgesehen. Wer teilt in der NFL die härtesten Hits aus? Gibt es einen, der besonders im Gedächtnis haften geblieben ist?

"Ich bin immer gerannt, wollte einfach nicht aufhören. Den ganzen Tag. All Day."

Adrian Peterson zu seinem Spitznamen

Peterson: Puh, da gibt es eine Menge. Aber den härtesten Hit meiner Karriere hat mir wohl Cleveland-Browns-Lineman Shaun "Big Baby" Rogers verpasst. Obwohl ich mir auch mit Patrick Willis von den 49ers gute Schlachten geliefert habe. Es gibt so viele großartige Verteidiger in der NFL. Ray Lewis, Brian Urlacher. Es sind einfach viele.

SPOX: Kommen wir zu den angenehmeren Dingen: dem schönsten Moment Ihrer Karriere?

Peterson: Den hat es bisher noch nicht gegeben. Aber es wird soweit sein, wenn ich nach dem Super-Bowl-Sieg die Lombardy-Tropy in den Nachthimmel stemme.

SPOX: Werden Sie in diesem Moment auch an Ihren Bruder denken, der vor Ihren Augen von einem Betrunkenen überfahren wurde, als Sie gerade acht Jahre alt waren?

Peterson: Ich denke auch jetzt die ganze Zeit an ihn und versuche ihn mit meiner Spielweise zu ehren. Football hat mir schon immer dabei geholfen, mit meinen Emotionen fertig zu werden. Es war - und ist - für mich eine große Befreiung, wenn ich ein Football-Feld betrete.

SPOX in Action: Football gegen die Straubing Spiders

SPOX: Und der Sport musste noch einmal helfen. Denn in der Nacht vor dem NFL-Combine ereilte Sie der nächste Schicksalsschlag. Ihr Halbbruder wurde ermordet...

Peterson: Gott wird dir nie mehr auferlegen, als du verkraften kannst. Aber er wird dich auf die Probe stellen. Daran glaube ich. Und ich bin mir sicher, dass mich erst die Tragödien zu dem Menschen gemacht haben, der ich heute bin. Der Umgang damit hat mich stark gemacht.

SPOX: Stark wurden Sie gemacht, schnell waren Sie schon immer. Heißt es jedenfalls. Denn weil Sie als Kind hyperaktiv waren, gab Ihnen Ihr Vater den Spitznamen "All Day"...

Peterson: Oh ja. Seit ich zwei Jahre alt bin, habe ich diesen Namen. Ich bin damals immer gerannt, wollte einfach nicht aufhören. Den ganzen Tag. All Day eben. Also haben mich meine Eltern so gerufen und der Name blieb haften. Noch heute nennen sie mich so. Auch beim Football sagten die Trainer später immer nur: das kann der den ganzen Tag machen.

SPOX: Die Fans in Minneapolis haben Ihnen aber noch einen anderen Spitznamen gegeben...

Peterson: "Purple Jesus", das stimmt. Und ich weiß das zu schätzen. Aber ehrlich gesagt mag ich den Vergleich nicht. Ich bin ein religiöser Mensch - und ich finde es nicht richtig, einen normalen Mann mit Jesus zu vergleichen. Ich bin doch auch bloß ein Mensch.

NFL@SPOX: Alle NFL-Previes im Überblick

Interview: Jan-Hendrik Böhmer

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