Dirk Nowitzki und seine Rolle bei den Dallas Mavericks

Man lebt nur zweimal

Von Martin Gödderz
Dienstag, 22.10.2013 | 10:27 Uhr
Sind die Waffen noch geladen? Dirk Nowitzki hat noch einige NBA-Jahre vor sich
© getty
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In einem Jahr läuft der Vertrag von Dirk Nowitzki aus. Der deutsche Superstar wäre Free Agent, wird aber wohl in Dallas bleiben. Was können die Mavs noch von ihm erwarten? Wartet ein zweites Leben als Rollenspieler auf ihn? Ein Blick in seine und andere Karrieren.

Dirk Nowitzki wirkt wieder heiß. Seine Körpersprache, seine bestechende Frühform, seine Aussagen vor der Saison - das alles stimmt optimistisch. Nach einer gefühlten Ewigkeit konnte der Deutsche wieder eine komplette, unverkürzte Saisonvorbereitung absolvieren, ohne dabei vom Verletzungspech zurückgeworfen zu werden.

Das bedeutete wieder etliche Stunden Trainingsprogramm mit Holger Geschwindner und lange Abende in der Halle, so wie es Nowitzki seit mittlerweile fast 20 Jahren gewöhnt ist. Die unbeschwerte Saisonvorbereitung tut dem mittlerweile 35-Jährigen sichtbar gut. "Ich habe so hart trainiert wie noch nie", gab die Nummer 41 der Dallas Mavericks kürzlich im SPOX-Interview zu.

Nowitzki optimisch vor der Saison

Der Erfolg zeigt sich deutlich. In der Preseason wirkte er wesentlich frischer als zu Beginn der letzten beiden Spielzeiten. Auch wenn der Deutsche weiß, dass die Offseason in Dallas eher suboptimal lief und seinem Team kein Meisterschafts-Run zugetraut wird, ließ Nowitzki durchblicken, dass er sich riesig auf die neue Saison freut. Es ist die wohl letzte Saison, die Nowitzki als uneingeschränkter Franchise Player in Dallas absolviert.

Wenn er im Sommer Free Agent wird, ist er gleichzeitig 36 Jahre alt und wird sich mit einem wesentlich kleineren Vertrag begnügen, um eventuell doch noch einen zweiten Ring nach Dallas zu holen. Zwar beteuerte er zuletzt mehrfach, dass er sich erst nach der Saison mit den Verantwortlichen zusammensetzen will, ein Abgang aus Dallas scheint zurzeit aber wenig realistisch.

Dirk Nowitzki im Interview: "Die Fans werden Monta lieben"

Das Team alleine auf seinen Schultern tragen, so wie er seit mehr als 10 Jahren gemacht hat, konnte er in den letzten beiden Spielzeiten nicht mehr dauerhaft. Zu wenig Team-Chemie, zu viele eigene Probleme. Zu müde Knochen. Auch wenn sich Nowitzki nun wieder frisch und lebendig zeigt, läuft seine biologische NBA-Uhr immer weiter und lässt die Frage im Raum, wie lange er noch spielen will und wie lange er überhaupt noch auf hohem Niveau spielen kann.

Träume erreicht: Was kommt noch?

Eines ist sicher: Sollte Nowitzki merken, dass er nicht mehr höchsten Ansprüchen genügt, wird er so vernünftig sein und seine Karriere beenden. Seine beiden riesigen Träume, eine Olympia-Teilnahme und die NBA-Championship, hat er bereits erreicht. Mit seiner Frau Jessica hat er mittlerweile ein Kind.

Er wird also nicht wie ein Besessener weiter machen, so dass seine Fans irgendwann nur noch die Köpfe schütteln und sich fragen müssen, warum dieser Schatten vergangener Tage noch über das Feld schleicht.

Ein Karriereende wie das von Karl Malone, der längst über seinem Zenit hinaus zu den Lakers wechselte oder das von Allen Iverson, der noch zehn Anläufe in der NBA startete, aber nie mehr zu dem Spieler wurde, der er bei den Sixers war, werden wir bei Nowitzki nicht erleben.

Co-Star wie Garnett und Duncan?

Viel mehr lässt sich Nowitzki mit zwei anderen noch aktiven Power Forwards vergleichen, die das letzte Jahrzehnt ebenfalls entschieden geprägt haben: Tim Duncan und Kevin Garnett. Während Nowitzki sich in der letzten Saison an einem nicht homogenen Team aufrieb und auch diese Saison, trotz Ellis, Calderon und Co., der uneingeschränkte Superstar in Dallas ist, haben die beiden zwei Jahre älteren Big Men ihr Spiel soweit umgestellt, dass sie auch als Co-Star im hohen NBA-Alter noch sehr effizient sind.

Garnett ist zum Stretch-Vierer geworden, Duncan besticht noch immer durch Eleganz und Arsenal. Sie beide eint, dass sie nicht mehr die allererste Geige in ihrem Team spielen.

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Ein Schicksal, das Nowitzki im nächsten Jahr nicht ereilt, sondern auf das er sich viel mehr freuen wird. Die Möglichkeiten der Mavs, auf dem Free-Agent-Markt einen dicken Fisch zu angeln, sind mit einem geringeren Nowitzki-Gehalt deutlich größer.

Nowitzki wäre jederzeit bereit, mehr Verantwortung von seinen Schultern abzugeben. Kein anderer aktiver NBA-Spieler ist seit so langer Zeit der unumstrittene Star seiner Franchise. Die Frage bleibt lediglich, ob Dallas einen Free Agent vom Kaliber eines LeBron James oder Carmelo Anthony überhaupt bekommt, die letzten beiden Offseasons stimmen nicht gerade optimistisch.

Rollenspieler par excellence

Dass Nowitzki einen ganz vorzüglichen Co-Star oder Rollenspieler abgeben würde, liegt auf der Hand. Er kann das Feld breit machen, ist sehr spielintelligent und uneigennützig, dabei dennoch eine Führungspersönlichkeit.

Anders als viele andere in die Jahre gekommenen Stars wie Bryant oder Garnett, muss Dirk sein Spiel nicht einmal großartig umstellen. Der Fade Away und der Dreier werden wohl auch mit 50 Jahren noch sitzen, in der Defensive lebt er sowieso eher von seiner Cleverness. Das Spiel des Deutschen hat noch nie auf Athletik und Schnelligkeit basiert. Das sind für gewöhnlich die Eigenschaften, die im Alter am schnellsten verloren gehen.

Mit seiner Spielweise könnte Nowitzki wohl noch bis zu fünf weitere Jahre auf NBA-Niveau agieren, unabhängig davon, wie lange er noch spielen will. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass er sich nicht erneut schwerer verletzt.

Ansonsten ist ein Karriereende wie beispielsweise das von Kevin McHale denkbar. Der Power Forward, der sein Leben lang für die Boston Celtics spielte, profitierte auch mit 35 Jahren noch immer von seinen überragenden Post Moves. Als er die schlechteste Saison seiner Karriere spielte und in der ersten Playoffrunde trotz einer Glanzleistung mit den Celtics ausschied, erklärte McHale noch im vierten Spiel am Scorer Table sein Karriereende. Ein ganz so abruptes Ende wird Dirkules vielleicht nicht wählen.

Nelson und Cuban unter Druck

Vieles wird auch davon abhängen, wie die nächste Offseason der Mavericks abläuft. Bleibt dort der Erfolg aus, ist es fraglich, ob sich Nowitzki dann mit 36 Jahren und einem kleineren Vertrag ausgestattet noch einmal in einen aussichtslosen Kampf mit einem Team voller Rollenspieler stürzt.

Schaffen es Cuban und Nelson nicht, Nowitzki einen zweiten Star an die Seite zu stellen, könnte dieser sogar über einen Wechsel für die letzten Jahre seiner Karriere nachdenken, so schmerzhaft und unrealistisch das im ersten Moment auch klingen mag.

Fakt ist: Nowitzki befindet sich auf dem Schlussspurt einer beeindruckenden Hall-of-Fame-Karriere. So langsam baut auch sein Körper ab. Mit Duncan, Garnett und Bryant ist er da aber in elitärer Gesellschaft.

Für einen erneuten Angriff auf die Championship bräuchte er einen zweiten Star an seiner Seite. Wer Nowitzki in der Preseason gesehen hat, der weiß aber, dass dieser Mann noch Lust auf Basketball hat. Solange die nicht verlorengeht, werden wir weiterhin einen Nowitzki auf hohem Niveau erleben.

Der Kader der Mavericks im Überblick

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