Mittwoch, 27.01.2010

Dallas: Dramatischer Sieg gegen Milwaukee

Blackout von Dirk Nowitzki

Dirk Nowitzki erlebte gegen die Milwaukee Bucks ein Wechselbad der Emotionen - und konnte am Ende doch noch das Einstellen eines grandiosen NBA-Rekords bejubeln. Mavericks-Bankspieler Jason Terry überzeugte beim 108:107-Erfolg in ungewohnter Rolle.

Luc Richard Mbah a Moute (l.) machte Dirk Nowitzki das Leben schwer - vor allem am Ende
© Getty
Luc Richard Mbah a Moute (l.) machte Dirk Nowitzki das Leben schwer - vor allem am Ende

Keine Woche ist es her, als Dirk Nowitzki in Washington wenige Sekunden vor dem Ende tölpelhaft ein Offensiv-Foul verursachte und so den Sieg der Dallas Mavericks in höchste Gefahr brachte.

Langsam muss der 31-Jährige aufpassen, dass die mentalen Aussetzer in den entscheidenden Situationen nicht zur Gewohnheit werden. Denn gegen die Milwaukee Bucks stand der Ausgang der Partie ebenfalls bis zum Schluss auf der Kippe, ebenfalls führte Dallas nur mit einem Punkt Vorsprung, ebenfalls hatte Nowitzki beim letzten Angriff den Ball - und ebenfalls vertändelte er diesen leichtfertig.

Aber: Wie in Washington gewann Dallas auch diesen Basketball-Thriller hauchdünn. Mehr noch: Mit dem 108:107-Erfolg über die Bucks stellten die Mavs einen unglaublichen NBA-Rekord ein. Es war der zehnte Sieg in Folge in einem Spiel, das nur mit einem Zähler Unterschied entschieden wurde.

Das zweite Highlight für die Franchise in kürzester Zeit, nachdem Dallas zwei Tage zuvor in New York mit 50 Punkten Vorsprung den höchsten Sieg der Klub-Geschichte einfuhr.

Delfino mit Wahnsinns-Dreier

Die bereits die komplette Saison über zu beobachtende Nervenstärke der Texaner geht ausgerechnet dem besten Spieler der Mannschaft derzeit jedoch ab. In einer hochklassigen und ausgeglichenen Partie, in deren Verlauf weder die Mavs noch die Bucks zweistellig in Führung gingen, sprach in der Endphase alles für Dallas.

2:06 Minuten waren noch zu spielen, Spielmacher Jason Kidd brachte mit einem Dreier sein Team mit 108:101 in Front - doch daraufhin sollte den Mavs kein Punkt mehr gelingen.

Milwaukees Carlos Delfino versenkte zwei Dreier in Folge (einer davon von rund zwei Metern hinter der Dreierlinie), zwischendurch verwarf Nowitzki einen Sprungwurf, und plötzlich stand es nur noch 108:107 für Dallas.

Dirk Nowitzki vertändelt den Ball

Und dann kam Nowitzkis Gruselauftritt: Die Mavs können bei Ballbesitz die Spieluhr fast komplett runterlaufen lassen.

Pass auf Nowitzki, die Mitspieler verschaffen ihm Platz für einen Wurf oder einen Drive zum Korb, herauskommt jedoch ein ungeschicktes Dribbling gegen Luc Richard Mbah a Moute, der recht mühelos dem Deutschen den Ball klauen kann. Milwaukee nimmt sofort eine Auszeit.

3 Sekunden verbleiben den Bucks, um doch noch den Gamewinner einzunetzen, aber zu Nowitzkis Glück wird Delfino von der gesamten Mavs-Verteidigung so gut gedeckt, dass der Argentinier den letzten Versuch verwirft.

Doppelt gedemütigt von den Bucks

Bereits vor dem dramatischen Finale erlebte Nowitzki ein Wechselbad der Emotionen. Im ersten Viertel noch von der Rolle (1 von 4), steigerte er sich kontinuierlich. Mitte des dritten Viertels wurde er zwar zweimal in Folge von Andrew Bogut und Charlie Bell geblockt, doch die doppelte Demütigung schien ihn derart zu ärgern, dass er kurz darauf 8 Mavs-Punkte in Serie erzielte.

Am Ende wurden für ihn 28 Punkte (11 von 25), 8 Rebounds, 5 Assists sowie 1 Block notiert. Eine sehr gute bis gute Bilanz, wäre nicht der fast entscheidende Fauxpas am Ende gewesen.

Benotet werden alle Spieler mit fünf oder mehr Minuten Einsatzzeit
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Jason Terry endlich konstant?

Hinter Nowitzki traf Jason Terry am häufigsten für Dallas (21). Der eigentlich als Sixth Man eingeplante Shooting Guard stand erneut in der Starting Five und entwickelt sich langsam zur Ideallösung für die Anfangsformation - zumindest bis sich Dallas womöglich doch noch per Trade verstärkt.

Der in der ersten Saisonhälfte unbeständige Terry traf 8 von 15 (4 von 6 Dreiern) und schenkte den Bucks allein im letzten Viertel 9 Punkte ein.

Nicht unbedingt in der Statistik abzulesen war die erneut gute Leistung von Shawn Marion, ebenfalls zu gefallen wussten Josh Howard (13 Punkte in nur 21 Minuten), um den sich nach wie vor Wechselgerüchte ranken, sowie das Point-Guard-Trio Jason Kidd, J.J. Barea und Rodrigue Beaubois.

Bogut macht Mavs-Center fertig

Dass die Partie gegen das wesentlich schwächer eingestufte Milwaukee dennoch so lange auf der Kippe stand, lag an den Centern. Weder Erick Dampier, der wie Kidd nach der Pause beim Rekordsieg in New York wieder einsatzbereit war, noch Drew Gooden waren Bogut ebenbürtig.

Der Australier zeigte am offensiven Brett sein vielleicht bestes Spiel seiner Karriere und traf 13 von 14 Würfen (!) für 32 Punkte. Zudem griff er sich 9 Rebounds ab. Dampier fehlte sichtlich die Beweglichkeit, um es mit dem schnellen Bogut aufzunehmen, Gooden wiederum stellte sich im Zweikampf so ungeschickt an, dass er wegen 4 schnellen Fouls nur 13 Minuten eingesetzt wurde.

Rückkehr von Jerry Stackhouse

Neben Bogut traf bei den Bucks auch Delfino hochprozentig (8 von 12 für 22 Punkte). Point Guard Brandon Jennings, zusammen mit Sacramentos Tyreke Evans der Favorit auf den Rookie-of-the-Year-Award, zahlte gegen die clever verteidigenden Kidd und Terry jedoch Lehrgeld und benötigte für seine 12 Zähler 16 Würfe (5 verwandelt).

Ex-Mavs-Publikumsliebling Jerry Stackhouse stand zum dritten Mal für Milwaukee auf dem Parkett und zeichnete für 9 Zähler verantwortlich.

Dallas: Drei Spitzenspiele in Serie

Während für den Ost-Neunten Milwaukee (18-25) die Niederlage in Dallas einem herben Rückschlag im Playoff-Rennen gleichkommt, immerhin beträgt der Rückstand auf den Achten Chicago (21-22) bereits 3 Spiele, übt Dallas (30-15) im Kampf um den zweiten Rang im Westen weiter Druck auf Denver (30-14) aus.

Dementsprechend wichtig werden die kommenden drei Partien - allesamt gegen voraussichtliche Playoff-Teams der Western Conference. Zunächst tritt Dallas in der Nacht auf Freitag bei den Phoenix Suns an, in den Tagen darauf warten die Portland Trail Blazers und die Utah Jazz.

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Haruka Gruber

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