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NBA Finals - Insider Brian Windhorst über LeBron James und die Lakers: "Jetzt sind die Lakers die Lachnummer"

Von Frederik Harder
Brian Windhorst arbeitet seit 2010 für ESPN.

Brian Windhorst gilt als einer der größten NBA-Insider und schrieb neben seiner Tätigkeit für ESPN bereits mehrere Bücher über LeBron James. Im Rahmen der NBA Finals sprach der Experte mit DAZN und SPOX über die Saison und den Ausblick der Los Angeles Lakers.

Außerdem: Windhorsts Perspektive auf die anstehenden Entscheidungen von Kevin Durant, Kyrie Irving und Kawhi Leonard - und die Macht der Spieler.

Mr. Windhorst, zum ersten Mal seit beinahe einer Dekade finden die Finals ohne Beteiligung von LeBron James statt. Wissen Sie, was er derzeit macht?

Brian Windhorst: Er sieht seinem Sohn zu, und er liefert sich Wurf-Wettbewerbe mit anderen 13-Jährigen. Er wäre mit Sicherheit lieber hier. Er ist daran gewöhnt, der Underdog zu sein, gegen die Warriors zu spielen, die Kontrolle zu haben und den Medien gegenüber zu stehen, und das über die gesamten Monate Mai und Juni. Es ist eine sehr große Umstellung für ihn, dass er seine neue Sneaker-Linie bei Jugend-Basketballspielen vorstellen muss. Das ist ziemlich schwer für ihn und ich gehe davon aus, dass wir dazu kommende Saison einiges hören werden.

Die Lakers hatten offensichtlich nicht die Saison, die sie sich erhofft hatten, LeBrons Verletzung selbst veränderte einiges. Wie fällt Ihr Fazit insgesamt aus?

Windhorst: Es ist einiges passiert. Wie Sie schon gesagt haben: LeBron hat sich verletzt, was sehr schlecht war. Es war aber nicht nur er, auch die anderen guten Spieler verpassten alle Teile der Saison. Bei den Verletzungen wäre es selbst für ein perfekt zusammengestelltes Team schwierig gewesen, erfolgreich zu sein, die Lakers waren aber nicht perfekt zusammengestellt. Es war ein schlecht gebautes Team. Kombiniert man das mit den Verletzungen, entsteht ein Desaster - und genau das ist passiert.

Was erwarten Sie von der Offseason, nachdem Magic Johnson zurückgetreten ist?

Windhorst: Nun, es gibt gute und schlechte Nachrichten. Die schlechte ist, dass der Kader extrem viel Arbeit braucht. Sie brauchen zwei, drei, vielleicht sogar vier neue Spieler, um ihre Spielweise komplett zu ändern. Das Gute ist aber, dass sie den Nr.4-Pick im Draft haben, wobei sie in der Lottery sehr viel Glück hatten. Sie haben etwa 35 Millionen Dollar an Cap-Space. Und sie sind die Los Angeles Lakers! Leute wollen immer noch dort spielen, von daher: Es wäre für andere Teams eine harte Situation, aber die Lakers haben absolut die Möglichkeit, sich gravierend zu verbessern. Deswegen denke ich, dass sie deutlich besser sein werden. Zwar kein richtiger Contender, LeBron wird also auch nächstes Jahr nicht in den Finals stehen, aber hoffentlich werden sie ein relevanteres, besseres Team sein.

Ist es denn wirklich noch immer so, dass Spieler unbedingt zu den Lakers wollen? Es ist so viel los, mit den Nachrichten zu Magic, zu Rob Pelinka ... ist es wirklich so reizvoll, neben LeBron bei den Lakers zu spielen?

Windhorst: Vielleicht nicht mehr so wie noch vor fünf Jahren. An einem gewissen Zeitpunkt hätte LeBron ohnehin ein Alter erreicht, in dem es jüngere, bessere Optionen gibt als ihn, das ist einfach die Realität. Ich glaube, das größere Problem für die Lakers ist aber, dass Spieler nicht nur zu ihnen kommen können, wenn sie in Los Angeles spielen wollen. Sie können auch zu den Clippers gehen. Diese waren jahrzehntelang eine Lachnummer, die Schande der Liga, aber jetzt sind die Lakers die Lachnummer. Die Clippers haben [in Steve Ballmer, d. Red.] den reichsten Besitzer im gesamten US-Sport, der über 40 Milliarden Dollar schwer ist, sie spielen in derselben Halle [im Staples Center, d. Red.]. Sie sind eine richtig gute Option geworden, wenn man nicht für die Lakers spielen möchte.

Zwei Namen, die in dem Zusammenhang gehandelt werden, sind Kyrie Irving und Kawhi Leonard. Was haben Sie zu den Plänen der beiden gehört?

Windhorst: Das Problem bei den beiden ist, dass keiner weiß, was sie tun werden. Kyrie hat schon öffentlich erklärt, dass er in Boston bleibt, und dann hat er sich anders entscheiden. Er kann sich jederzeit wieder anders entscheiden. Und Kawhi ist einfach nicht sehr offen, niemand weiß, wie er zu lesen ist. Die Raptors versuchen jetzt seit rund neun Monaten, eine Beziehung zu ihm aufzubauen und ihn zu lesen. Sie sehen ihn jeden Tag und sie wissen es trotzdem nicht. Das ist die Herausforderung: Jeder will es wissen, aber wenn man ein großartiger Spieler ist, wird man so oder so Optionen haben. Man muss sich nicht zu viele Sorgen machen. Das ist den Teams überlassen und allen anderen. Der Spieler kann ruhig bleiben, und Kawhi nutzt dieses Privileg.

Würde der Gewinn einer Meisterschaft mit den Raptors nicht den Ausschlag für Toronto geben und ihn überzeugen?

Windhorst: Das würde man annehmen, dass niemand im Sport jemals ein Meister-Team verlassen würde. Die eine Sache, die jeder Champion haben will, ist noch eine Championship. Aber es ist schon passiert: Spieler haben Meister-Teams in der Vergangenheit verlassen. Michael Jordan ist zweimal nach Meisterschaften zurückgetreten. Der gesunde Menschenverstand würde dafür sprechen, dass ein Spieler bei einem Meister-Team bleibt, aber da wir es nicht wissen, muss ich sagen, dass es möglich ist, selbst wenn Toronto gewinnt.

Auf der Gegenseite erscheint dies ja auch bei Kevin Durant möglich, der immer wieder mit einem Wechsel nach New York in Verbindung gebracht wird. Haben Sie dazu eine Einschätzung?

Windhorst: Auch Durant ist jemand, der heute eine Sache denken kann und in zehn Tagen wieder etwas ganz anderes. Wenn man meint zu wissen, was er tun wird, dann bringt man sich selbst in Position, später wie ein Depp auszusehen. Die Warriors kennen ihn seit drei Jahren, sie versuchen seit mindestens einem Jahr, ihn vom Verbleib zu überreden, sie stehen jetzt hier zum fünften Mal in Folge in den Finals. Sie könnten ihren dritten Titel in Folge gewinnen und Durant geht vielleicht trotzdem. So ist das, wenn man ein großartiger Spieler ist. Man hat die ganze Macht.

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