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NBA

NBA Finals: Golden State Warriors vor Spiel 4 gegen Raptors - Das große Fragezeichen namens DeMarcus Cousins

Von Philipp Schmidt
DeMarcus Cousins kämpft nach seiner Verletzung noch mit Anpassungsschwierigkeiten.

Die Golden State Warriors liegen vor Spiel 4 der Finals gegen die Toronto Raptors (Samstag, 3 Uhr live auf DAZN) mit 1-2 hinten, ein Sieg in der Oracle Arena ist fast schon Pflicht, um die Hoffnungen auf den Threepeat am Leben zu halten. Insbesondere die Rolle von Rückkehrer DeMarcus Cousins stellt Head Coach Steve Kerr vor eine Herausforderung.

Der Weg zurück zu alter Stärke verläuft selten so, wie man es sich erhofft. Diese Erfahrung musste auch DeMarcus Cousins machen: Nach überstandenem Achillessehnenriss kehrte Boogie am 19. Januar aufs Parkett zurück, zeigte im Trikot der Warriors Licht und Schatten, absolvierte das erste Playoff-Spiel seiner Karriere. Doch am 16. April kam der erneute Schock. Nach nur vier Minuten Einsatzzeit in Spiel 2 gegen die Clippers zog sich Cousins einen Quadrizepsriss zu.

Der Zeitpunkt seiner Rückkehr war zunächst vollkommen offen, selbst ein Playoff-Aus wurde befürchtet. In Spiel 1 der Finals war es dann aber doch soweit, der Big Man stand wieder auf dem Feld, wenn auch nur für acht Minuten. So richtig zurück meldete sich Cousins drei Tage später, als er beim 109:104-Erfolg der Warriors in Toronto eine bärenstarke Leistung zeigte und in 28 Minuten 11 Punkte, 10 Rebounds und 6 Assists auflegte.

Auch seine Teamkollegen waren anschließend voll des Lobes: "Er war besonders. Er hilft uns enorm weiter. Ich weiß, dass er schon lange darauf wartet, auf dieser Bühne zu sein. Es war schön, zu sehen", sagte Stephen Curry.

Weniger schön erwies sich für Golden State und im Speziellen Cousins Spiel 3: Ohne Kevin Durant, Klay Thompson und Kevon Looney mussten die Warriors den gerade eroberten Heimvorteil gleich wieder abgeben. Cousins präsentierte sich ganz schwach, traf nur einen seiner sieben Würfe für 4 Punkte und stand am Ende sogar kürzer auf dem Feld als Backup-Big Andrew Bogut.

DeMarcus Cousins: Statistiken bei den Warriors

 

Minuten

Punkte

Rebounds

Assists

FG

3FG

Regular Season

25,7

16,3

8,2

3,6

48 Prozent

27,4 Prozent

Finals, Spiel 1

8

3

0

2

0/2

0/1

Finals, Spiel 2

28

11

10

6

3/8

1/3

Finals, Spiel 3

19

4

3

4

1/7

0/1

Warriors: DeMarcus Cousins zeigt Anpassungsschwierigkeiten

War allen Beteiligten klar, dass Cousins nach seiner Verletzung in der Defensive vor große Herausforderungen gestellt werden würde - insbesondere, wenn ihn die Raptors ins Pick'n'Roll verwickeln -, so erhofften sich die Warriors vom 28-Jährigen am anderen Ende des Feldes Entlastung.

Nach einer Schnupperphase in Spiel 1 schienen sich die Erwartungen in der zweiten Partie zu erfüllen: Defensiv schickten die Warriors gezielt Hilfe, um Cousins zu unterstützen, offensiv trat dieser vor allem dann als sekundärer Playmaker auf, wenn Curry und Draymond Green Ruhepausen erhielten.

Dabei zeigte er in Ansätzen jene Variabilität, die ihn vor seinem Achillssehnenriss zu einem der besten Big Men der Liga machten: Dominanz an den Brettern, brillante Pässe aus dem Low Post und die Fähigkeit, das Feld durch Distanzwürfe breit zu machen.

Als in Spiel 3 dann auch noch Thompson ausfiel, war klar, dass die Rollenspieler der Warriors nochmals zulegen müssen, um die Verluste zu kompensieren und Curry zu entlasten. Dies misslang auf ganzer Linie: Curry erzielte 47 der 109 Punkte, nur Green (17) und Andre Iguodala (11) punkteten ansonsten zweistellig.

Cousins wirkte erschreckend passiv und war sichtlich damit überfordert, das Heft in die Hand zu nehmen und das Spiel des Titelverteidigers zu lenken. In der Defensive wurde er immer wieder attackiert, was auch Coach Steve Kerr einsah und ihm im zweiten Durchgang weniger Spielzeit gab. Zudem verschwand er in den letzten Minuten der Partie in die Kabine, um am Oberschenkel untersucht zu werden. "Er ist in Ordnung", versuchte Kerr aber direkt zu beruhigen.

Warriors gegen Raptors: Welchen Einfluss hat Cousins?

Cousins selbst trug am Trainingstag der Warriors am Donnerstag wenig dazu bei, die angespannten Anhänger des Champions zu beruhigen. Wie wollen die Dubs Spiel 4 gewinnen, wurde er bei einem Mediengespräch gefragt. "Besser spielen."

Auf was muss das Team beim Spielstil der Raptors besonders achten? "Sie sind ein talentiertes Team, strahlen von jeder Position Gefahr aus. Das sind mehr als genug Gründe, um besorgt zu sein." Die eigene Leistung? "Manchmal fallen die Würfe einfach nicht. Hoffentlich läuft es im nächsten Spiel besser." Und sein eigener konditioneller Zustand? "Ich weiß es nicht."

Zwar sprang Curry seinem Teamkollegen zur Seite und sprach ihm das Vertrauen aus ("Er sollte nichts ändern, sondern weiter mit Selbstvertrauen spielen"), doch ob Cousins wirklich derjenige sein kann, der das Blatt für Golden State zum Guten wendet, erscheint mehr als fraglich.

Während es nicht auszuschließen ist, dass Boogie nochmals wie schon in Spiel 2 einen Ausreißer nach oben hat, dürfte wohl eher der Serienschnitt gegen Toronto die Norm darstellen (6 Punkte, 4,3 Rebounds, 3,3 Assists).

Zu lange fiel Cousins aus, um konstante Leistungen von ihm zu erwarten. Zu stark sind die Raptors in der Verteidigung, um sich von einem körperlich immer noch nicht vollständig regenerierten Center dominieren zu lassen. Zu schwer wiegen die verletzungsbedingten Ausfälle bei den dünn besetzten Warriors.

Warriors sehnen sich nach Rückkehr der Verletzten

Umso mehr sehnt sich Golden State nach der Rückkehr von Thompson, der in Spiel 3 vom Medical Staff zum Pausieren gezwungen werden musste und im vierten Spiel definitiv wieder ohne Minutenlimit zur Verfügung stehen wird.

Dass sich somit auch ohne Durant - KD fällt sicher aus, könnte jedoch in Spiel 5 wieder zum Einsatz kommen - die Siegchancen enorm erhöhen, steht außer Frage. Dennoch muss Kerr auch auf der Center-Position eine Lösung finden, um den Impact der Raptors in Grenzen zu halten.

Toronto konnte sich in der bisherigen Serie auf mindestens einer ihren Big Men verlassen. Während Gasol in den Spielen 1 und 3 (20 und 17 Punkte) überzeugte, sprang Ibaka in Spiel 2 mit 7 Punkten und 10 Rebounds in die Bresche und lieferte in der vergangenen Partie zudem 6 Blocks.

Warriors: Kevon Looney kehrt überraschend zurück

Einen weniger stabilen Eindruck vermittelt die Big Men-Rotation der Warriors, was am Beispiel Andrew Bogut bestens ersichtlich wird: Nachdem der Australier gegen Houston und Portland keine Rolle spielte und in Spiel 1 der Finals gar nicht zum Einsatz kam, stand er in Spiel 3 22 Minuten auf dem Feld. Dabei machte er seine Sache gut - aber ist dieses Modell wirklich zukunftsfähig?

Die Alternativen sind limitiert, auch wenn Kevon Looney sich überraschenderweise trotz eines Bruchs des ersten Rippenknorpels schon für Spiel 4 wieder fit gemeldet hat. Wie stabil seine Leistungen ausfallen werden, ist jedoch ungewiss. Weder Jordan Bell noch Damian Jones scheint Kerr in den entscheidenden Spielen zu vertrauen.

Eine weitere Option wäre ein Small-Ball-Lineup mit Iguodala und Green auf den großen Positionen. Ein verbessertes Spacing - in Spiel 3 stand Curry ohne Klay größtenteils mit drei Non-Shootern auf dem Feld - wäre im Idealfall die Konsequenz, aber wohl auch Probleme in der Defensive und beim Rebounding. Pläne für Spiel 4 hat Kerr bereits im Kopf: "Wir werden Anpassungen vornehmen und uns dann nur auf das Spiel konzentrieren. Wir wissen alle, wie schnell sich alles verändern kann, wenn man ein Spiel gewinnt."

Vor Spiel 4 in der kommenden Nacht (ab 3 Uhr live auf DAZN) hat Kerr einige Fragezeichen, die er bestmöglich lösen muss. Wie wichtig dies ist, zeigt auch die Geschichte: Mit den Cleveland Cavaliers (ausgerechnet gegen Golden State 2016) gelang nur einem Team in der Finals-Geschichte ein Comeback nach 1-3-Rückstand. Ein Szenario, welches die Warriors unter allen Umständen verhindern wollen.

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