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NBA Playoffs - Raptors schlagen Bucks in Spiel 3: Die einbeinige Klaue und die Macht der Adjustments

Von Philipp Jakob
Giannis Antetokounmpo hatte in Spiel 3 keinen guten Tag.

Der zweifache Overtime-Krimi in Spiel 3 der Eastern Conference Finals war nicht immer schön - dafür aber bis zur letzten Sekunde extrem spannend und intensiv. Trotz einer frühen Verletzung avanciert Kawhi Leonard zum Helden des Abends - die Bucks liefern allerdings direkt eine Kampfansage für Spiel 4.

Die Schmerzen waren Kawhi Leonard ins Gesicht geschrieben, während um ihn herum die Scotiabank Arena tobte. Der Forward hatte soeben die Raptors mit einem krachenden, einhändigen Slam in Transition mit 3 Zählern in Front gebracht. Es war Mitte der zweiten Overtime, Leonard hatte zu diesem Zeitpunkt schon 49 Minuten in den Knochen. Und fast seit Beginn der Partie quälte ihn sein Bein.

Nach einem Korbleger in den Anfangsminuten landete Leonard merkwürdig auf dem Parkett. Er versuchte, seine Schmerzen herauszulaufen, doch im Laufe der Partie war immer wieder zu sehen, wie ihn sein Bein beeinträchtigte, sei es durch vereinzeltes Humpeln oder teils fehlende Explosivität. Am Ende spielte das aber keine Rolle mehr.

"Ich fühle mich in Ordnung. Das ist Playoff-Basketball. Jeder hat Schmerzen, von daher muss ich einfach weiterkämpfen", erklärte der 27-Jähirge im TNT-Interview nach Spielende. Mittlerweile war er wieder zu seinem berühmt-berüchtigten stoischen Gesichtsausdruck zurückgekehrt. Von Schmerzen - oder überschwänglicher Freude - war nichts mehr zu sehen.

Dabei hatte Kawhi die Raptors in der zweiten Overtime fast im Alleingang zum 118:112-Sieg in Spiel 3 der Eastern Conference Finals geführt. 8 seiner 36 Zähler (11/25 FG, 12/13 FT in 52 Minuten, Playoff-Career-High) erzielte er in der zweiten Verlängerung.

Kawhi hält Finals-Hoffnungen der Raptors am Leben

Hinzu kamen der spektakuläre Dunk, der das Momentum zugunsten der Hausherren verschob, ein immens wichtiger Steal und ein Pull-Up-Jumper aus dem Post - und das mehr oder weniger auf einem Bein! Nur um mal einige der Heldentaten der Klaue zu nennen ...

Toronto entging nur hauchdünn einem 0-3-Rückstand und damit dem wohl vorläufigen Ende aller Championship-Träume. Stattdessen lebt die Hoffnung der Raptors-Fans auf die erste Finals-Teilnahme der Franchise-Geschichte. Dafür dürfen sie sich in erster Linie bei Kawhi bedanken.

In der entscheidenden Phase der Partie saßen Kyle Lowry und der zuvor phasenweise starke Norman Powell mit je sechs Fouls auf der Bank. Panik schien sich bei den Raptors-Fans breit zu machen, schließlich steht das Team laut ESPN Stats & Info in Spielen, in denen Lowry ausfoult, bei einer Bilanz von 1-17.

Kawhi Leonard mit Franchise-Rekord für die Raptors

Und tatsächlich sorgten die Bucks, kurz nachdem der Point Guard das Parkett verlassen musste, für den Ausgleich. Die Raptors zitterten. So lange, bis Kawhi in der Schlussphase das Zepter in die Hand nahm.

Am Ende seines überragenden Auftritts stand das sechste Playoff-Spiel mit mindestens 35 Punkten für Leonard im Raptors-Trikot - Franchise-Rekord. Genau aus diesem Grund haben ihn die Raptors aus San Antonio gelotst.

Mit seinem Gamewinner in Spiel 7 gegen Philly dürfte er sich bei den kanadischen Fans - egal wie der Sommer verlaufen sollte - bereits unsterblich gemacht haben. In dieser Partie hat er weitere Argumente dafür geliefert, nicht nur mit seiner Offense wohlgemerkt.

Raptors: Defense-Adjustments tragen Früchte

"Ich hatte gesagt 'Lineup-Veränderungen' und nicht 'Starting-Lineup-Veränderungen'", scherzte Raptors-Coach Nick Nurse auf der Pressekonferenz nach der Partie. Er hatte viele Experten damit überrascht, auch im dritten Spiel seiner gewohnten Starting Five mit Lowry, Danny Green, Leonard, Pascal Siakam und Marc Gasol zu vertrauen.

Die angekündigten Veränderungen waren nicht im Personal, sondern vielmehr in den defensiven Matchups zu beobachten. Das wichtigste Adjustment von Nurse: In Spiel 3 wurde Kawhi auf Giannis Antetokounmpo angesetzt. Dieses Konzept ging auf.

"Seine Defense war der größte Schlüssel in diesem Spiel", lobte Nurse, dessen Strategie allerdings nicht allein auf den Verteidigungskünsten der Klaue im Eins-gegen-Eins beruhte. Die Raptors präsentierten dem Greek Freak viele verschiedene Looks. Mal sah sich Giannis Kawhi, mal Siakam oder Double Teams gegenüber. Auch die Rotationen und die Help-Defense dahinter passten.

"So talentiert wie er ist, musst du alles Mögliche machen, um ihn zu bremsen", erklärte Siakam. "Jeder hat ihn verteidigt, um sicherzugehen, dass wir weiterhin unterschiedliche Matchups für ihn haben und immer jemand frisches bei ihm ist." Und auch Leonard selbst bestätigte: Gegen Giannis braucht man "ein ganzes Team".

Bucks vs. Raptors: Die Serie im Überblick

TagDatumUhrzeitSpielTeam 1Team 2Ergebnis
Donnerstag16. Mai2.30 Uhr1MilwaukeeToronto108:100
Samstag18. Mai2.30 Uhr2MilwaukeeToronto125:103
Montag20. Mai1 Uhr3TorontoMilwaukee118:112
Mittwoch22. Mai2.30 Uhr4TorontoMilwaukee
Freitag24. Mai2.30 Uhr5MilwaukeeToronto
Sonntag26. Mai2.30 Uhr6*TorontoMilwaukee
Dienstag28. Mai2.30 Uhr7*MilwaukeeToronto

Raptors vs. Bucks: Giannis Antetokounmpo mit Problemen

So erlebte der MVP-Kandidat nach seinem dominanten Auftritt in Spiel 2 in Toronto eher einen Abend zum Vergessen. Zwar beeinflusste er das Spiel mit seiner Defense und der starken Arbeit am Brett (23 Rebounds) in einigen Aspekten gewohnt positiv, doch gerade in der Offense blieb er blass.

Giannis kam nie richtig in die Partie, am Ende standen 12 Punkte bei 5/16 aus dem Feld, 7 Assists sowie 8 Ballverluste auf seinem Konto. Außerdem bitter: In 5 seiner 7 Trips an die Freiwurflinie ging er leer aus - sogar ein Airball war dabei!

Antetokounmpo war allerdings nicht der einzige Bucks-Star mit Problemen. Khris Middleton (abgesehen von seinem Putback zur Overtime) und Eric Bledsoe waren nah dran an einem Totalausfall, insgesamt versenkten die fünf Starter magere 19 ihrer 69 Feldwurfversuche (27,5 Prozent).

"Es war nicht unser bestes Spiel", musste deshalb auch Middleton zugeben. "Ich, Giannis, Bled, wir müssen einen besseren Job machen. Einfach kämpfen, Würfe treffen, Plays für alle anderen machen. Wir drei haben schlecht gespielt, der Rest des Teams hat gut gespielt."

Tiefe ist eine der großen Stärken der Bucks

Manch einer fragte sich zwischenzeitlich, wie es in Anbetracht der Off-Night der Bucks-Stars überhaupt möglich war, dass Milwaukee immer in Schlagdistanz blieb. Die Antwort lieferten vor allem George Hill (24 Punkte, 7/9 FG) und Malcolm Brogdon (20, 8/17 FG), die die erneut starke Bank anführten.

Wie die vergangenen Partien bereits gezeigt haben, ist die Tiefe eine der großen Stärken der Bucks. Die Reservisten kamen in Spiel 3 zusammengerechnet auf 54 Punkte - nur 4 Zähler weniger als die Starter und doppelt so viele wie die Bank der Raptors.

"Wir haben einfach immer weiter gekämpft. Sie hatten mehrere Chancen, uns aus dem Weg zu räumen, aber das haben sie nicht geschafft", zeigte sich auch Brook Lopez mit dem Auftritt der Rollenspieler zufrieden. Zwar sei man ob der Niederlage auch ein wenig frustriert, doch Bucks-Coach Mike Budenholzer fasste das Positive der Partie so zusammen: "Wir waren am Rande des Sieges, obwohl wir nicht gut gespielt haben."

Kawhi vs. Giannis: Fortsetzung folgt

Genau dieser Umstand sollte den Bucks Mut für Spiel 4 (in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch ab 2.30 Uhr live auf DAZN) machen. Trotz des durchwachsenen Abends von Giannis und Co. war ein Auswärtssieg durchaus in Reichweite.

"Ich habe nie erwartet, dass es leicht wird. Wenn wir eine Partie verlieren, dann spielen wir danach normalerweise viel besser", kündigte der Greek Freak an. Und Brogdon fügte angesprochen auf den Star des Teams hinzu: "Giannis ist der MVP dieser Liga. Er hatte dieses Jahr die beste Saison in der NBA. Wir machen uns keine Gedanken, dass er zurückschlagen wird."

Kawhi wird dies in Spiel 4 ein weiteres Mal verhindern wollen.

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