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NBA Playoffs - Giannis Antetokounmpo dominiert Spiel 2: MVP-Finalist mit Ausrufezeichen

Giannis Antetokounmpo war auch in Spiel 2 gegen die Toronto Raptors mal wieder unstoppable.

Giannis Antetokounmpo hat die Milwaukee Bucks mit seiner nächsten dominanten Vorstellung zur 2-0-Führung in den Conference Finals geführt - und die Toronto Raptors erleben das gleiche Problem wie alle Gegner vor ihnen. Die Bucks haben den wahrscheinlichen MVP, aber auch der restliche Kader verfügt über jede Menge Qualität.

Viel besser hätte man das Drehbuch kaum schreiben können. Wenige Minuten vor Tip-Off des zweiten Spiels in den Eastern Conference Finals wurde bekannt gegeben, dass Giannis Antetokounmpo zu den drei Finalisten um den MVP-Award gehört, und wenige Minuten nach besagtem Tip-Off untermauerte Giannis, warum er zu Recht als Top-Favorit auf diesen Award gilt.

Im ersten Angriff des Spiels überpowerte er Pascal Siakam, fing seinen eigenen Fehlwurf in der Luft wieder ein und dunkte ihn direkt in bester Moses-Malone-Manier. Auf der Gegenseite blockte er Marc Gasol, dann folgte der nächste Dunk, nachdem er Siakam abgeschüttelt hatte und Backdoor gegangen war. Giannis brauchte keine 51 Sekunden, um dieser Partie seinen Stempel aufzudrücken.

Es war schon paradox: Die Raptors waren eigentlich das Team, das unter Druck war, doch in der ersten Halbzeit spielten nur die Bucks mit einer Energie, als stünden sie mit dem Rücken zur Wand. "Wir haben am Anfang des Spiels sehr gut den Ton angegeben", freute sich Antetokounmpo nach dem Sieg bei TNT. Das taten sie, und es ging zunächst komplett von ihrem Anführer aus.

Milwaukee Bucks spielen perfekte erste Hälfte

Als Verteidiger, Scorer und als Playmaker führte der Greek Freak Milwaukee zu einem dominanten 35:21-Viertel - als sich die Defense mehr auf ihn konzentrierte, spielte er fast immer den richtigen Pass, etwa auf den ebenfalls starken Nikola Mirotic, und steckte das gesamte Team mit seiner Energie und auch seinem Selbstvertrauen an.

"Wir hatten einen großartigen Start", lobte Mike Budenholzer später. "Wenn Giannis so aktiv ist und die Zone beschützt, steckt das alle anderen an. Sie haben seine Energie mitgenommen. Er spielt immer so unglaublich hart und gibt alles."

Die Bucks spielten eine nahezu perfekte erste Hälfte, die Raptors schienen zeitweise chancen- und ratlos. Zur Halbzeit liefen sie einem 25-Punkte-Rückstand hinterher. "Wir waren einfach bei fast jeder Aktion einen Schritt zu langsam", sagte Raptors-Coach Nick Nurse. "Wir waren nicht aggressiv genug und haben ihnen damit Selbstvertrauen gegeben."

Marc Gasol: "Ich war heute richtig schlecht"

So konnte man es ausdrücken. Die Bucks bekamen jeden Wurf, den sie haben wollten. Sie nahmen die Würfe mit dem Selbstverständnis eines Teams, das schon die gesamte Saison über die gleiche, simple wie überzeugende Formel verfolgt: Giannis zieht, die Defense kollabiert, der Ball geht raus, eventuell gibt es noch einen Pass, dann wird abgedrückt - sei es von Brook Lopez, von Khris Middleton, Mirotic oder wem auch immer. Bei weitem nicht jeder Ball geht rein, Zögern ist trotzdem fast nie zu sehen.

Bei den Raptors verhielt sich das wieder einmal anders. Milwaukee ließ Siakam blank stehen, Gasol bekam an der Dreierlinie ebenfalls die Tony-Allen-Behandlung, dafür stand man Kawhi Leonard und auch Kyle Lowry auf den Füßen. Rund um die Zone kümmerten sich zeitweise drei Bucks um den Ballhandler, Leonard kam so im ersten Viertel auf lediglich zwei Würfe.

Gerade Gasol wurde dazu forciert, Würfe zu nehmen. Der Spanier wurde in knapp 20 Minuten immerhin neun davon los - er traf aber nur einen und wirkte wie ein Schatten seiner früheren Selbst. "Ich war heute richtig schlecht, das hat den Ton angegeben", ärgerte sich der Center später immerhin selbstkritisch.

In der Tat schrie seine Leistung ein wenig danach, die Starting Five für Spiel 3 wieder zu verändern und es mit dem besseren, weil mobileren (und auch aggressiveren) Serge Ibaka auf der Fünf zu versuchen. Allerdings wäre es bei weitem nicht damit getan, den Unterschied zwischen beiden Teams zu verringern.

Die One-Man-Show findet in Toronto statt

Die Bucks hatten im Lauf der Regular Season lange den Ruf eines One-Man-Teams, obwohl auch Middleton ins All-Star Game eingeladen wurde und Bledsoe ebenfalls zum Kandidatenkreis gehörte. Wie falsch diese Einschätzung war, zeigten sie in Game 2 nicht zum ersten Mal, als allein die Bank 54 Punkte fabrizierte und sechs Spieler in Double Figures landeten. Die One-Man-Show schmiss mal wieder Leonard auf der Gegenseite.

Die Bucks sind weitaus mehr als nur Giannis und das liegt wiederum auch am Naturell des Greek Freaks: Er teilt gern, sowohl den Ball als auch das Rampenlicht. Auch in den Playoffs geht er nie alleine zu Pressekonferenzen, Rumposen ist seine Sache nicht - selbst wenn er nach Dunks mal "böse" guckt (wie ein Robbenbaby!), ist er pünktlich und mit vollem Einsatz zurück in der Defense.

Auch deshalb funktionieren die Bucks als Team mit einer klaren Identität und Rollenverteilung. Bei einer Off-Night von Middleton und Bledsoe gehen eben mehr Würfe an Mirotic oder Brogdon, jeder Spieler fühlt sich ermutigt, abzudrücken, da Giannis dies auch explizit fordert. Er weiß, dass er umso mehr Platz haben wird, wenn die "restlichen" Bucks selbst Gefahr ausstrahlen.

Bucks: Auf den Spuren der besten Teams aller Zeiten

Der Grieche ist physisch und spielerisch so dominant, dass er auch auf eigene Faust viel gewinnen und sicherlich noch mehr punkten könnte. Mit seinem Fokus auf Teambasketball jedoch hat Budenholzer um ihn herum eine Bestie geschaffen, die mehr als nur "viel" gewinnen kann.

Nur die Warriors 2017 und die Lakers 2001, zwei der besten Playoff-Teams der NBA-Geschichte, haben über die ersten elf Spiele einer Postseason eine höhere Punktedifferenz aufgelegt als die Bucks (+168). In sieben der elf Spielen hatten die Bucks zwischenzeitlich eine Führung von 20 Punkten oder mehr. Dieses Team ist wie schon in der Regular Season nicht nur gut, sondern überragend.

Die besten Playoff-Teams nach elf Spielen

RangJahrTeamDifferenzMeister?
12017Warriors+182ja
22001Lakers+170ja
32019Bucks+168?
41971Bucks+164ja
51996Bulls+162ja

Mike Budenholzer schwärmt von Giannis Antetokounmpo

Und es beginnt alles mit Giannis. "Ich bin mehr als nur glücklich, dass ich ihn habe", sagte Budenholzer. "Selbst in so einem Spiel, in dem er absolut phänomenal ist, kann man danach sagen: Es geht sogar noch mehr! Und Giannis will das. Wir coachen ihn hart und er saugt jede Information auf. Er will einfach immer besser werden und alles andere ist ihm egal, das ist einzigartig."

Antetokounmpo bestätigte dies indirekt, als er direkt nach dem Spiel angesprochen auf seine MVP-"Kandidatur" äußerte, dass ihm dies momentan ziemlich egal sei. Ihm gehe es nur darum, sich um die jetzige Aufgabe zu kümmern. Um die Raptors, und danach im Idealfall auch noch um den Vertreter aus dem Westen. Sechs Siege fehlen, um das nächste große Ziel zu erreichen.

Für Giannis zählt nur noch der Titel - die "drei Buchstaben" hat er im Vorbeigehen wohl ohnehin schon eingesackt, wenn man auf die stimmberechtigten Wähler blickt, die ihren MVP-Pick schon publik gemacht haben. Game 2 war die nächste Erinnerung, warum Giannis diese Wahl wahrscheinlich gewonnen hat.

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