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NBA: Die Pacers ohne Victor Oladipo - "Harte Zeiten bleiben nicht bestehen"

Von Philipp Jakob
Die Indiana Pacers müssen für den Rest der Saison auf ihren Starspieler Victor Oladipo verzichten.

Vergangene Woche gab es die Hiobsbotschaft für die Indiana Pacers. Die Franchise muss für den Rest der Spielzeit 2018/19 auf Victor Oladipo verzichten. Was bedeutet die schwere Verletzung für die Saison der Pacers? Ist sogar der Einzug in die Playoffs in Gefahr?

In der Nacht von Montag auf Dienstag treffen die Pacers auf die Golden State Warriors (1 Uhr live auf DAZN).

Es war eine Szene, auf die nicht nur die Anhänger der Indiana Pacers, sondern wohl alle Fans des orangefarbenen Leders gut und gerne verzichtet hätten. Minutenlang mussten sie am vergangenen Mittwoch mit ansehen, wie Victor Oladipo mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Boden lag, wie er schließlich auf einer Trage abtransportiert wurde und sich von den Fans verabschiedete.

Kurz zuvor hatte der 26-Jährige im Duell mit den Raptors versucht, einen langen Pass auf Torontos Pascal Siakam abzufangen. Stattdessen blieb Oladipo merkwürdig mit seinem rechten Bein am Boden hängen, fiel mit einem lauten Schrei hin und fasste sich sofort ans rechte Knie. Die Befürchtungen, dass es etwas ernsteres sein könnte, bestätigten sich, als Indiana am nächsten Tag die Diagnose bekanntgab: Riss der Quadrizepssehne im rechten Knie.

Als Oladipo auf der Trage liegend zu den Fans winkte, war es nicht nur ein Abschied für diesen Mittwochabend. Der letztjährige MIP muss unters Messer, die aktuelle Spielzeit ist für ihn gelaufen. Und damit auch die Saison der Pacers?

Pacers: Mit "Jetzt-erst-recht"-Mentalität in die Playoffs?

"Natürlich machen wir uns Gedanken über die Verletzung, aber wir müssen weitermachen, denn niemand wird Mitleid mit uns haben", gab Thaddeus Young die Marschroute für sein Team vor. "Wir möchten immer zusammenhalten, durch dick und dünn. Ohne Vic wird es definitiv schwierig, aber wir wollen für ihn kämpfen."

Gegen die Raptors gelang das auf eindrucksvolle Art und Weise. Mit viel Herzblut und Kampfgeist brachte Indiana den Sieg gegen Toronto mit 110:106 nach Hause - durchaus bemerkenswert. "Ehrlich gesagt: Ich könnte auf diesen Pacers-Sieg gar nicht stolzer sein", schrieb General Manager Kevin Pritchard nach der Partie bei Twitter.

Der Teamgeist der Pacers ist enorm stark, die Mannschaft ist über die Saison zusammengewachsen und dürfte nach dem Saisonaus ihres Superstars eine Art "Jetzt-erst-recht"-Mentalität entwickeln. Doch reicht das für eine erfolgreiche Saison?

Wie stehen die Pacers 2018/19 ohne Victor Oladipo da?

Blickt man auf die vergangene Spielzeit, muss man festhalten, dass die Pacers ohne Oladipo aufgeschmissen waren. In seinem ersten Jahr in Indiana legte der Guard seine endgültige Breakout-Saison hin, schaffte erstmals den Sprung ins All-Star-Team und führte die Pacers zu 48 Siegen bei 34 Niederlagen und dem fünften Rang im Osten.

Dabei verpasste Oladipo nur sieben der 82 Spiele - und Indiana verlor jedes davon. Ohne den 1,93 Meter großen Guard auf dem Parkett hatte das Team von Head Coach Nate McMillan ein desaströses Net-Rating von -8,2 vorzuweisen.

Der bisherige Saisonverlauf deutet immerhin darauf hin, dass die Pacers den Ausfall ihres Franchise-Leaders 2018/19 besser verkraften können. Als Oladipo von Mitte November bis Mitte Dezember elf Spiele aufgrund von Knieproblemen aussetzen musste, ließen sich die Pacers mit einer Bilanz von 7-4 nicht aus dem Tritt bringen. Die Pacers spielten bisher insgesamt eine dominante Saison, obwohl Oladipo (wohl auch wegen der Knieprobleme) nicht auf dem Niveau der Vorsaison agieren konnte. Gerade in der Crunchtime wird er seinem Team dennoch enorm fehlen.

Pacers: Das Kollektiv soll Oladipo-Ausfall auffangen

"Wenn du einen Spieler wie Vic hast, dann kannst du dich jederzeit auf ihn verlassen. Er kann dir vom ersten Viertel bis zum Ende des Spiels Buckets besorgen", erklärte Darren Collison. "Ohne ihn werden wir das gesamte Team brauchen, um unsere Offense in Gang zu bekommen."

Tiefe lautet also das Stichwort und in dieser Hinsicht sind die Pacers sehr gut aufgestellt. In Person von Domantas Sabonis haben sie einen Kandidaten sowohl für den Sixth-Man- als auch den Most-Improved-Player-Award in den eigenen Reihen. Auch Myles Turner oder Bojan Bogdanovic haben deutliche Schritte nach vorne gemacht.

Indiana ist nicht auf einen einzelnen Akteur angewiesen, sondern besticht als Kollektiv. Als Oladipo die elf Spiele zu Saisonbeginn aussetzte, sprang beispielsweise Bogdanovic als Scorer in die Bresche (19,4 Punkte in dieser Phase), Collison übernahm das Playmaking (8 Assists - Saisondurchschnitt: 5,8) und dann sind da ja auch noch die Veteranen um Thad Young oder Tyreke Evans.

Niederlage ohne Oladipo gegen Memphis nur ein Ausrutscher?

Letzterer wird aller Voraussicht nach Oladipo in der Starting Five ersetzen, so wie zuletzt gegen die Grizzlies. Besonders vielversprechend war das erste Spiel ohne die Nummer 4 für Indiana allerdings nicht. Evans (9 Punkte) konnte gegen sein Ex-Team dem Spiel nicht seinen Stempel aufdrücken, zudem hatten die Pacers ungewohnte Probleme aus der Distanz.

Es gibt allerdings berechtigten Grund zur Annahme, dass diese Partie schon bald als Ausrutscher abgehakt werden kann. Nach einem durchwachsenen Saisonstart kam Evans in seiner Premierensaison im Trikot der Pacers zuletzt immer besser in Fahrt.

Als Backup dürfte nun Aaron Holiday eine größere Rolle einnehmen. Der 23. Pick im Draft 2018 hat seine Qualitäten in seiner Rookie-Saison bereits mehrmals unter Beweis stellen können - vor allem von Mitte November bis Mitte Dezember, als er während der ersten Oladipo-freien Zeit 16,7 Minuten pro Partie ran durfte (7,6 Punkte, 2,9 Rebounds, 1,9 Assists).

Pacers: Verstärkung auf dem Trade-Markt noch möglich

Zusammengefasst lässt sich eins mit Sicherheit sagen: Die Pacers sind 2018/19 nicht mehr so abhängig von Oladipo wie noch in der Vorsaison. Selbst ohne den 26-Jährigen, der ohne die Verletzung von den Head Coaches wahrscheinlich zum All-Star gewählt worden wäre, sollte Indiana locker in die Playoffs kommen - zu stark ist die eigene Tiefe, zu schwach die Konkurrenz im Osten. Die Defense kann durchaus auch ohne ihn elitär bleiben.

Ein tiefer Run in der Postseason ist durch die Verletzung des Ex-Hoosiers jedoch bedeutend unrealistischer geworden. Theoretisch hätte Pritchard noch gut eineinhalb Wochen Zeit, um auf dem Trade-Markt nach Verstärkung zu suchen. Ohne einen Teil ihrer Tiefe zu opfern, werden die Pacers jedoch keinen sinnvollen Neuzugang an Land ziehen können.

Außerdem wird sich das Front Office die gute Cap-Situation in der Offseason mit etwa 48 Millionen Dollar Platz nicht verbauen wollen, was einen Trade etwa für Mike Conley von den Grizzlies, um den sich zahlreiche Gerüchte nicht nur in Indiana ranken, zusätzlich unwahrscheinlich macht. Unmöglich ist ein solcher Deal aber natürlich nicht.

Keine Zweifel am Comeback von Victor Oladipo

Es scheint aber eher darauf hinauszulaufen, dass die Pacers die Saison in der jetzigen Besetzung ausspielen werden. Der Idee, das Team nun auseinanderzureißen, hat Pritchard bereits einen Riegel vorgeschoben. Spätestens in der kommenden Saison soll dann der nächste Angriff mit einem bis dahin wieder fitten Oladipo erfolgen.

Viele Vergleichswerte, wie sich ein Riss der Quadrizepssehne im Knie auf einen Spieler auswirkt, gibt es in der NBA nicht. Beispiele aus der Vergangenheit sind Charles Barkley oder Tony Parker, die einiges von ihrer Athletik einbüßen mussten. Allerdings waren beide Spieler zum Zeitpunkt der Verletzung deutlich älter.

Oladipo gilt als Kämpfer, der alles dafür tun wird, um 2019/20 wieder möglichst nah an alter Stärke angreifen zu können. "Harte Zeiten bleiben nicht bestehen. Harte Menschen schon", gab dieser schon kurz nach seiner Diagnose als Mantra bei Twitter bekannt. Mit genau dieser Mentalität werden auch die Pacers den Rest dieser Saison angehen. Viel mehr bleibt ihnen nicht übrig.

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