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Die ersten Tage der Free Agency

Von wegen Las Vegas

Von Max Marbeiter
Freitag, 03.07.2015 | 16:05 Uhr
Draymond Green (l.) und Anthony Davis blieben ihren Teams treu
© getty
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Spurs @ Celtics
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Viel war vor Beginn der Free Agency spekuliert worden. Ein möglicher neuer Trend wurde heraufbeschworen. Und tatsächlich wurde es wild, am Ende ließen sich die Spieler von der Aussicht auf den ganz dicken Salaray Cap jedoch nicht locken. Sie setzten auf Sicherheit.

Der Schritt ins Ungewisse hat durchaus seinen Reiz. Er kann neue Perspektiven öffnen, die eigene Situation verbessern, er kann einem sogar zu nie dagewesenem Reichtum verhelfen. Jedenfalls im Fall der diversen Free Agents dieses Sommers. Sie hätten sich nur trauen müssen, einen Ein- oder Zweijahresvertrag zu unterschreiben. Dann hätten sie ihr neues Team just zu dem Zeitpunkt wählen dürfen, zu dem die Franchises so viel Geld zur Verfügung haben werden wie noch nie zuvor in der Geschichte der Association.

Alle Entscheidungen der Free Agency 2015 im Überblick

Dank des neuen Fernsehdeals soll der Salary Cap zur Saison 2016/17 von 67 Millionen Dollar in dieser Spielzeit auf durchaus vorzeigbare 90 Millionen steigen. Für das folgende Jahr werden sogar 108 Millionen Dollar erwartet. Plötzlich wären Maximalverträge nichts Besonderes mehr. Plötzlich könnte sich nahezu jedes Team einen zusätzlichen Großverdiener leisten.

Im Grunde untergräbt ein solch enormer Anstieg das Salary-Cap-System. Schließlich soll der Cap gewährleisten, dass sich nicht das eine Team mit Superstars aufpumpen kann, während andere nur noch den Rollenspieler-Backup eines Rollenspielers suchen. Für die Spieler ist die Situation dagegen luxuriös. Je mehr Geld im Umlauf, desto höher das Gehalt. Eine simple Rechnung.

Neue Maßstäbe?

Deshalb waren nicht wenige davon ausgegangen, dass diese Free Agency neue Maßstäbe setzen würde, dass so viele Spieler wie noch nie kurzfristige Verträge unterschreiben würden, um den neuen, höheren Salary Cap vollends nutzen zu können. Zähe Verhandlungen waren erwartet, den Free Agents diverse Wechsel angedichtet worden.

Eine wilde Free Agency war prophezeit worden. Und eine wilde Free Agency wurde serviert. Deal um Deal wurde während der ersten 48 Stunden vereinbart. Beinahe minütlich kamen Berichte über neue Einigungen. Twitter explodierte förmlich. Einzig eine Ansage von LeBron James, er wolle ab sofort für das Veteranen-Minimum an der Seite von Luke Ridnour spielen, hätte dem Schauspiel die sprichwörtlich königliche Krone aufgesetzt.

Kontinuität statt Vegas

Es waren aufregende erste Stunden. Nur eben unter durchaus überraschenden Vorzeichen. Denn anstatt den Schritt ins Ungewisse zu gehen, ein wenig auf sich selbst zu wetten, entschied sich ein Großteil der Spieler für die sichere Variante. Kevin Love einigte sich mit den Cavs auf einen neuen Fünfjahresvertrag. Anthony Davis, dessen Kontrakt ohnehin noch für die kommende Spielzeit gültig gewesen wäre, verlängert bei den Pelicans ebenfalls für fünf Jahre, sobald das Moratorium der NBA endet (9. Juli).

Gut, New Orleans lieferte AD auch 145 Millionen guter Gründe, sich im Big Easy schon mal nach einem Alterswohnsitz umzusehen, dennoch waren Davis und Love Teil eines Trends. Egal ob Jimmy Butler oder Damian Lillard, ob Kawhi Leonard, Draymond Green oder Goran Dragic - nahezu alle Top Free Agents entschieden sich für einen langfristigen Vertrag und damit gegen den Las-Vegas-Way of Life.

Natürlich ließen sich viele für das finale Vertragsjahr eine Spieleroption einbauen, weniger sicher macht dies den Weg allerdings nicht. Anstatt eine schwere Verletzung zu riskieren, am Ende nach ein, zwei Jahren hoffen zu müssen, irgendwo unterzukommen - zu deutlich schlechteren Konditionen, versteht sich -, band sich ein Großteil der Free Agents langfristig an ihre jeweilige Franchise.

Vorbote und Konsequenz zugleich

Mitleid ob einer möglicherweise vertanen Chance muss nun allerdings niemand haben. Denn, wenn der geneigte Beobachter bereits bestens über den ansteigenden Cap informiert ist, dürften die Teams es erst recht sein. Weshalb hätten sie sonst derart tief in die Tasche greifen sollen, dass selbst Mike Tyson vor Neid erblasst wäre?

95 Millionen für fünf Jahre (Jimmy Butler) hier, 120 (Lillard) dort. Allein die Cavs zahlen Kevin Love und Tristan Thompson in den kommenden fünf Jahren 190 Millionen Dollar. Und LeBron hat seinen Vertrag noch nicht einmal verlängert. Man darf also getrost davon ausgehen, dass der Wahnsinn der vergangenen Tage Vorbote und Konsequenz zugleich ist. Irgendwie fällt alles auf den Cap-Anstieg zurück.

Anders wäre auch kaum zu erklären, dass ein Kyle Singler, der zwar durchaus einige Punkte als Three-and-D-Spieler erhält, aber am Ende eben doch nicht mehr ist als ein Rollenspieler, den Thunder in den kommenden - natürlich - fünf Jahren 25 Millionen wert ist. Der eine oder andere mag bereits mit dem Finger auf Sam Presti gezeigt haben. Dabei mutet der Deal nur auf den ersten Blick seltsam an.

Selbstverständlich bleiben 25 Millionen für Singler auch unter neuen Voraussetzungen 25 Millionen für Singler, allerdings sinkt der prozentuale Anteil am Cap in naher Zukunft deutlich. Die Summe fällt damit nicht mehr so intensiv ins Gewicht wie noch in der kommenden Saison.

Das Schicksal eines Restricted Free Agents

Wie ein Schnäppchen wirken dagegen bereits heute die 14,5 Millionen Dollar, die die Chicago Bulls Mike Dunleavy in den kommenden drei Jahren überweisen. "Nicht einmal" fünf Millionen für einen wertvollen Rotationsspieler sind schließlich bestens zu verschmerzen. Zumal die Bulls ihr Geld anderweitig anlegen mussten.

Jimmy Butler war Restricted Free Agent und in den vergangenen Wochen Gegenstand wildester Spekulationen. Sein Verhältnis zu Derrick Rose sei nicht gut, hieß es, eine kleine Rundreise mit Mark Wahlberg habe in ihm den Wunsch geweckt, bei den Lakers zu unterschreiben. Und überhaupt strebe Butler einen kurzfristigen Vertrag an, um bestmöglich vom höheren Cap zu profitieren.

Nun ja. Der Most Improved Player bleibt in Chicago, verlängerte von sich aus langfristig. Dabei hätte er sich den kräftigen Windböen in den Häuserschluchten der Windy City wohl auch ausgesetzt, hätte er den Markt getestet und ein Angebot eines anderen Teams erhalten. Schließlich durften die Bulls mit jeglicher Offerte an ihren Restricted Free Agent gleichziehen und hatten auch bereits angekündigt, dies zu tun.

Da eine andere Franchise einem Restriced Free Agent keinen Einjahresvertrag anbieten darf, wäre Butler lediglich die Option geblieben, das Offersheet der Bulls zu unterschreiben, hätte er schnell wechseln wollen. Damit wäre der Swingman im kommenden Sommer tatsächlich Free Agent gewesen.

Ausnahme Monroe

Womit man wieder beim Ungewissen, bei potentiellen Verletzungen, bei möglicherweise unkalkulierbarem Risiko wäre. Einem Risiko, das in diesem Sommer noch keiner einzugehen bereit war. Nicht Kawhi Leonard, nicht Draymond Green, auch nicht Tristan Thompson. Grantlands Andrew Sharp wirft deshalb die nicht unberechtigte Frage auf, ob man Restricted Free Agents überhaupt noch als solche bezeichnen solle. Schließlich hätten sie ihr Schicksal nicht selbst in der Hand, müssten ein gewisses Risiko eingehen, dass sie mitunter ihre komplette Sicherheit kosten könnte.

Traut sich doch einmal einer, glänzt er deshalb als mutige Ausnahme. Wie Greg Monroe, der sich im vergangenen Jahr als Restricted Free Agent per unterzeichnetem Offersheet ein letztes Jahr an die Pistons band und nun als Free Agent zu den Milwaukee Bucks ging. Für einen Maximalvertrag, versteht sich.

Den hätten die Lakers und Knicks dem Big Man nicht angeboten, wurde gemutmaßt, ehe sein Agent David Falk das Gegenteil behauptete. So oder so, Monroe entschied sich weder für L.A. noch für New York - und steht damit zumindest ein wenig sinnbildlich für das Dilemma der beiden Franchises. Die Namen bleiben groß, die Märkte und der Cap Space ebenfalls, die derzeit mangelnde sportliche Perspektive schreckt jedoch den einen oder anderen Free Agent ab.

Lakers und Knicks: Glanz verblasst?

Einige behaupten deshalb sogar, die Lakers und die Knicks hätten ihren Glanz verloren. Das wäre wohl zu hoch gegriffen. Immerhin bekommen sie meist zumindest die Gelegenheit, mit den begehrtesten Free Agents direkt zu sprechen. Eine Chance, die beispielsweise die Bucks kaum einmal erhalten.

Grundsätzliches Interesse ist also vorhanden. Nur hat das Gewicht großer Märkte in den vergangenen Jahren eben ein wenig abgenommen. Die NBA ist eine globale Liga. Dank des League Pass kann sich jeder aussuchen, welches Team er sehen möchte. Niemand ist mehr auf nationales oder regionales US-Fernsehen angewiesen. Die sozialen Medien tun ihr übriges. NBA-Spieler sind heutzutage bestens zu vermarkten. Egal, ob sie nun in L.A. oder Oklahoma City spielen.

Und so soll LaMarcus Aldridge, einer der letzten noch vertragslosen Free Agents mit klangvollem Namen, beim Meeting mit den Lakers auch ausgerechnet jener Teil nicht gefallen haben, in dem es um den Sport ging. Klar, L.A. bietet unzählige Möglichkeiten, aber wer erinnert sich noch an den letzten Blockbuster mit Blake Griffin? Dass die Lakers ein zweites Treffen mit Aldridge bekamen, bei dem es einzig und allein um Basketball ging, spricht dagegen für die Anziehungskraft, die Lila Gold immer noch ausstrahlt.

Sport schlägt externe Faktoren

Allgemein scheint es, als achte ein Großteil der Free Agents mittlerweile noch mehr auf die sportliche Situation, als zählten externe Faktoren weniger. Deshalb entschied sich Draymond Green für die Warriors, mit denen er soeben die Meisterschaft gewonnen hatte. Deshalb bleibt Kawhi Leonard bei Gregg Popovich und den Spurs. Deshalb verlängert Kevin Love in Cleveland.

Natürlich gab es auch einige Wechsel. Tyson Chandler und Monta Ellis verlassen Dallas gen Phoenix respektive Indiana. Wes Matthews wechselt zu den Mavs, DeMarre Carroll zu den Raptors. DeAndre Jordan und Aldridge könnten noch nachziehen.

Doch selbst wenn: Auch den beiden wird Interesse an einem langfristigen Vertrag nachgesagt. Der Schritt ins Ungewisse mag mitunter reizvoll erscheinen, manchmal ist er jedoch schlicht und ergreifend nicht notwendig. Die Gehälter sind schließlich bereits jetzt hoch genug.

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